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Gotha/Friedrichroda (red, 19. August). Den mit 1.500 Euro dotierten Denkmalschutzpreis des Landkreises Gotha erhielt gestern Georg Frühauf für die denkmalgerechte Sanierung zweier Villen in Friedrichroda. Die Jury folgte damit dem Vorschlag der Stadt Friedrichroda und würdigt mit der Auszeichnung das außerordentliche und kontinuierliche Engagement des Eigentümers bei der Erhaltung und denkmalgerechten Sanierung der Villen Schweizer Straße 15 und 17 in Friedrichroda.

Die beiden Villen sind als Kulturdenkmale im Thüringer Denkmalbuch
eingetragen. Die Unterschutzstellung erfolgte jeweils aus architekturgeschichtlichen und städtebaulichen Gründen.

Beide Gebäude wurden in den 1880er-Jahren errichtet. Die Villa Minerva (Schweizer Straße 15) ist ein dreistöckiger verputzter Fachwerkbau, der sich über einem Souterrain in typischer Gestaltungsart der Kurartarchitektur des ausgehenden 19. Jahrhunderts erhebt. Er verfügt über verglaste Veranden, einen zweistöckigen Ecker, Bandrustika im Erdgeschoss sowie eine mit Konsolen verzierte Traufzone.

Das Haus diente ursprünglich der Vermietung an Kur- und Feriengäste. Zu DDR-Zeiten bzw. in den ersten Jahren nach der Wende wurde das Gebäude als „normales“ Wohnhaus genutzt; im Souterrain war zuletzt ein kleiner Lebensmittelladen untergebracht.

Seit etwa 2000 stand das Gebäude bis auf eine Wohnung leer. Einen sanierungswilligen Bauherrn zu finden, gestaltete sich sehr schwierig, denn das Haus befindet sich an einer Durchfahrtsstraße (L 1026). Im Jahr 2003 erwarb Georg Frühauf das Objekt einschließlich des Nachbargrundstückes Schweizer Straße 13, welches ebenfalls mit einem Mehrfamilienhaus bebaut ist. Durch diese Vorgehensweise war es möglich, eine gemeinsame Zufahrt für beide Häuser zu schaffen und die lang ausstehende und dringend notwendige Sanierung begann.

Die Fassade und das Treppenhaus wurden unter Berücksichtigung der restauratorischen Befunduntersuchung aufwendig saniert, Fenster denkmalgerecht erneuert, die Haustür, die Etagen- sowie ein Teil der Zimmertüren fachgerecht instand gesetzt.

Bei der Farbgebung der beiden Gebäude ließ der Bauherr eine eigens gemischte Naturölfarbe aus gekochtem Leinöl, Schwarzkiefernöl und verschiedenen Farbpigmenten verwenden, um die originalen Farbtöne wieder herstellen zu können.

Bei der Villa Glückauf (Schweizer Straße 17) handelt es sich um ein zweigeschossiges Wohnhaus über einem massiven Souterraingeschoss, welches für den Gothaer Hoffotografen F. Grundmann errichtet wurde.

Ursprünglich war an der Nordseite dessen Atelier untergebracht, später wurde dieser Bereich den Wohnräumen zugeschlagen.

Auch dieses Gebäude verfügt über einen seitlichen Erker, zeittypische Fensterbekleidungen und -bekrönungen, Bandrustika im Erdgeschoss, fassadengliedernde Gesimse und eine mit Konsolen verzierte Traufzone. Der ehemals vorhandene Turmhelm (Zwiebeldach) war im Laufe der Jahre ebenso verschwunden wie der straßenseitige prächtige Balkon. Das Gebäude war bereits um das Jahr 2000 von den damaligen Eigentümern ein erstes Mal denkmalgerecht instand gesetzt worden.

Georg Frühauf hat diese Villa 2014 erworben und sie erneut einer umfangreichen Sanierung unterzogen. Dass die originale Raumstruktur, die historischen Etagen- und Zimmertüren erhalten blieben und das Treppenhaus entsprechend seiner historischen Gestaltung wieder hergerichtet wurden, ist für den Bauherrn selbstverständlich.

Seine Bemühungen gingen deutlich darüber hinaus: Er hatte sich vorgenommen, sowohl den Turmaufbau als auch den straßenseitigen Balkon wieder herzustellen. Im Zuge der Bauarbeiten wurde auch gleich der ursprüngliche Dachversatz entsprechend dem Befund wiederhergestellt.

Bei beiden Objekten ist es Georg Frühauf auf vorbildhafte Weise gelungen, diese das Ortsbild von Friedrichroda prägenden Villen zu erhalten und denkmalgerecht instand zu setzen.

Im Laufe der Jahre (durch mangelnde Bauunterhaltung) verloren gegangene Bauteile wurden von ihm originalgetreu ersetzt. Das gilt im Großen (z. B. das Zwiebeldach mit Turmzier) wie im Kleinen (z. B. kleine quadratische Buntgläser in den Eingangs- und Etagentüren, wo Fehlendes liebevoll ergänzt wurde).

Die verwendete Bautechnik geht weit über den normalen Standard hinaus und hilft so, den heutigen und auch den zukünftigen energetischen Anforderungen und Ansprüchen trotz eingeschränkter Möglichkeiten zu genügen.

Dank des Engagements von Georg Frühauf wurden die beiden Villen authentisch erhalten; sie können zeitgemäß genutzt und effizient bewirtschaftet werden. Er hat somit einen herausragenden Beitrag zur Erhaltung wertvoller, historischer Bausubstanz in Friedrichroda geleistet.

Das Video von „Oscar am Freitag“

Fliesenstudio Arnold

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