Basler Bahn bald betriebsbereit

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Die Thüringerwald- und Straßenbahn Gotha GmbH hat sechs Straßenbahnen gekauft. Sie sind nicht ganz fabrikneu, haben knapp unter 1 Mio. km auf dem Tacho. Stammen aus Basel (Schweiz) und haben allerdings in ihrem 40-jährigen Leben schon etliche Modernisierungen erlebt.

Dass die Youngtimer, von deren Bauart weitere 30 weiterhin die Basler gut und sicher transportieren, nach Gotha kommen, hat einen triftigen Grund: 2022 müssen alle Busse und Trambahnen hierzulande barrierefrei sein – also für Rollstuhl-, Rollator- und Kinderwagenchauffeure quasi zu ebener Erde befahrbar sein. Fachchinesisch heißt das, diese Busse und Bahnen sind Niederflurfahrzeuge.

Eine solche hippe neue Straßenbahn kostet ab ca. 3 Mio. Euro. Geld, was die Gothaer nicht aufbringen können, zumal sie nicht nur eines von den Niederflurfahrzeugen brauchen. Also war man auf der Suche nach guten Gebrauchten. Doch auch hier sowohl in Deutschland als auch im EU-Ausland – Fehlanzeige. Ein Mitglied des Vereins Gothaer Straßenbahnfreunde e. V. wurde während seines Urlaubs in Basel fündig. Und so begann eine spannende Geschichte.

Denn die nächste Verjüngungskur der Basler Bahnen ist eigentlich eher ein Umbau. Die Schweiz gehört bekanntlich nicht zur EU. Dort gelten also andere Regeln für die Zulassung einer Straßenbahn. Die Eidgenossen unterscheiden nicht zwischen Straßen- und Eisenbahn – dort heißt alles Schienenbahn. Bedeutet u. a., dass es einheitliche Zulassungskriterien gibt. Wäre die Thüringer Waldbahn innerhalb der EU fündig geworden, hätte es eventuell weniger Zulassungsstress bedeutet. Umzubauen wäre dennoch einiges gewesen, wie Betriebsleiter Jörn Schirrmeister, der seit 40 Jahren dabei ist, erläuterte.

Basler Trambahnfahrer müssen z. B. nicht kassieren: An jeder Haltestelle stehen Fahrscheinautomaten und man kann auch per Handy sein Ticket ziehen. Soweit ist man in Gotha noch nicht. Deshalb müssen Entwerter in die Bahnen eingebaut werden. Auch die Anzeigen für die Linie und das Fahrziel sind zu überarbeiten oder gänzlich neu einzurichten. Die Sitze mit Kunstlederbezug indes bleiben. Das ist keine nostalgische Referenz an einstige Zeit, sondern ganz pragmatisch gedacht: Kunstleder lässt sich einfach besser reinigen.

Die Basler scheinen recht häufig Fahrräder mit in die Tram genommen zu haben. Im tiefergelegten Mittelteil, in das rechts und links ein ausgesprochen schmales Treppchen führt, finden sich jedenfalls noch jede Menge Haken, an denen die Drahtesel mit dem Vorderrad gehängt wurden. Ehe das geneigte Publikum nun grübelt, ob und wie praktisch das ist – die Waldbahner haben einen Haken an die Haken gemacht. Jörn Schirrmeister bergündet dies damit, dass ja vor allem der barrierfreie Zugang Grund zum Kauf war.

Die Basler Importe bieten 66 Sitz- und 147 Stehplätze. Sie sind stolze 26 m lang – so wie die vier Bahnen, die 2011 aus Mannheim kamen und v. a. nach Bad Tabarz fahren. Zum Fuhrpark gehören außerdem noch Tatra-Bahnen, die allerdings kürzer sind.

Die ersten beiden der sechs Basler Bahnen sollen am 21. September 2019 auf Jungfernfahrt gehen. An dem Tag gibt es also dann doppelten Grund zum Feiern: Zum einen wird der 90. Geburtstag der Thüringerwaldbahn gefeiert. Der Bau der Strecke nach Tabarz begann zwar schon 1914, wurde aber im Jahr darauf wegen des Ersten Weltkriegs und seiner Folgen unterbrochen. Es dauerte 13 Jahre bis zur Wiederaufnahme der Bauarbeiten. Seit 17. Juli 1929 aber verkehrt nun auf den 22,5 km die Thüringerwaldbahn, liebevoll auch „Urwaldrumpel“ genannt. Sie ist die einzige Überlandstraßenbahnen im Freistaat.

Den zweiten Grund zum Feiern haben v. a. die zwölf Mann in der Werkstatt. Deshalb, weil dann endgültig aus den Basler Gothaer Straßenbahnen wurden, die z. B. auch im traditionellen Blau-Gelb lackiert sein werden.

Die sechse, die zwar nicht durch die ganze Welt gekommen sind, aber immerhin bis ins Residenzstädtchen, werden später auf allen Linien fahren, alle 35 Haltestellen auf den 38 km Streckennetz bedienen.

The Londoner - Gotha

3 KOMMENTARE

  1. Es gibt keine „Baseler“, sondern Basler. Gleiches gilt für „Züricher“ – es sind Zürcher. Es wäre nett, wenn man sich das in Deutschland mal merken könnte. Besten Dank.

    • Sehr geehrter Herr Schreiber,
      herzlichen Dank für die berechtigte Korrektur!
      Wir werden es uns merken…

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