Die Marienglashöhle – eine der schönsten Kristallgrotten Europas

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Glitzernde Kristalle, unheimlich-romantische Gewässer und neue raffinierte Lichttechnik erwarten die Besucher der Marienglashöhle bei Friedrichroda. „Oscar am Freitag“-TV ließ sich von Höhlenführer Andreas Hacker erläutern, was es damit auf sich hat. Bürgermeister Thomas Klöppel und Kurdirektor Hagen Schierz bereichern den Film mit weiteren Informationen:

Die Marienglashöhle Friedrichroda. Rund 60.000 Besucher kamen 2018, um dieses von Menschen erschaffene große Loch in einem Berg zu erkunden.

Wie alles begann
Einst wurden hier Gips und Kupfer abgebaut. Alles begann 1775: Auf der Suche nach Kupfer gruben Bergleute am Fuß des 697 Meter hohen Abtsberges den Eingangsstollen, Herzog-Ernst-Stollen genannt. Statt Kupfer stießen sie 1778 auf eine Gips-Lagerstätte. Deren Abbau wurde aber schon nach einem Jahr, als der Stollen ca. 75 Meter lang war, wegen geringer Ergiebigkeit eingestellt.

Die Landesregierung von Sachsen-Gotha verpachtete diesen Stollen 1778 dann an den Friedrichrodaer Johann Buschmann, Orgelbauer und Vater von Christian Friedrich Ludwig Buschmann. Johann Buschmann  ließ ein Wirtschaftsgebäude, ein Fachwerkwohnhaus und vor dem Stollenmundloch einen Brennofen errichten. Dort wurde der Gips gebrannt und als Stuckgips verkauft.

Johann Wolfgang von Goethe, Geheimer Rat und Minister aus Weimar, besuchte am 10. Mai 1782, begleitet von Bergrat Carl Friedrich Baum aus Friedrichroda den Herzog-Ernst-Stollen.

Das „Marienglas“
1784 entdeckte man dann einen Hohlraum, der fast vollständig mit Gipskristall gefüllt war. Es handelt sich um eine der größten und schönsten Kristallgrotten Europas. Solche natürliche Höhlen gibt es auch im Karstgebiet am südlichen Harzrand, zum Beispiel die Heimkehle.

Die farblosen und durchsichtigen Gipskristalle, die einfallendes Licht durch den Perlmuttglanz auf den Spaltflächen reflektierten, hießen auch „Marienglas“. Deshalb, weil damit in Kirchen und Klöstern Altäre, Kronleuchter und Gemälde verziert wurden. Die Gipskristalle ließen sich leicht bearbeiten, aufgrund des geringen Härtegrades leicht spalten – man kann sie mit dem Fingernagel ritzen.

Diese Gipskristalle wurden auch als Glasersatz für Gemälde der Mutter Maria und für Reliquienbehälter verwendet. Deshalb erhielten die Kristalle aus Friedrichroda den Namen Marienglas. Die Blättchen waren im Gegensatz zum damaligen Glas blasenfrei und gleichmäßig dünn. Früher wurde das Material als Anspielung auf die Reinheit und Jungfräulichkeit einer Frau auch Fraueneis genannt. Sechzig Jahre lang – bis 1848 – wurde in Friedrichroda dieses „Marienglas“ bergmännisch abgebaut.

1903 war das Jahr der Wiedereröffnung als Schauanlage eröffnet. Zweimal wurde die Höhle wieder geschlossen – wegen der beiden Kriege im 20. Jahrhundert.

Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten ist die Marienglashöhle seit dem 30. November 1968 wieder zugänglich.

Schon früh als Schaubergwerk genutzt
Bereits ab 1850 wurde die Höhle an Sonntagen mit Kerzen ausgeleuchtet. 1854 erwähnte erstmals ein thüringischer Reiseführer die Friedrichrodaer Höhle. 1871, nach Beendigung des Pachtverhältnisses mit den Nachfahren von Buschmann, übergab am 16. August 1871 das Amt Tenneberg das Bergwerk dem Oberförster Julius Trebsdorf und dem „Waldmiethcorporationsvorsteher“ Rost zur Betreuung.

Damals arbeiteten noch zwei Bergleute, Johannes Steiding und Heinrich Holdschuh, im Bergwerk, die in den Sommermonaten als Führer für die zahlreichen Gäste eingesetzt waren. Trebsdorf erhielt nach einer Kontrollbefahrung im November 1871 Auflagen, wie z. B. die Neuverzimmerung des Stollens, das Einbringen neuer Laufbohlen etc. Mit der Aufsicht unter Tage wurde der erfahrene, zum Obersteiger beförderte Bergmann Heinrich Holdschuh beauftragt. Er übernahm am 2. März 1876 die Leitung der Marienglashöhle. Um ihre Attraktivität zu steigern, wurden in den besucherschwachen Zeiten ein Springbrunnen und optisch ansprechendere Stützpfeiler eingebaut. Am 1. April 1888 wurde Fritz Kobstädt Nachfolger von Holdschuh. Ab April 1901 traten die beiden Friedrichrodaer Karl Brühl und Heinrich Steinbach an seine Stelle.

Im Jahre 1903 wurde der Gipsabbau eingestellt. Von der Entdeckung der Lagerstätte 1778 an bis 1903 wurden etwa 20.000 Tonnen abgebaut. Die Höhle stand von da an regelmäßig für Besucher zur Verfügung, was als offizieller Beginn des Schauhöhlenbetriebes angesehen wird.

Die Schauhöhle bestand aus dem Eingangsstollen und der durch neun Pfeiler gestützten oberen Sohle, der großen Halle. Darunter befindet sich die untere Sohle mit der Kristallgrotte. Die Pächter ließen 1904 für 1.600 Mark eine Gasbeleuchtung einbauen, die die Ausleuchtung mittels Kerzen ersetzte.

1907 wurde ein Verkaufskiosk mit Mineralien und Andenken eingerichtet und eine neue Pumpanlage installiert. wurden die Stollenwände bis zu vier Meter Tiefe mit Bruchsteinmauerwerk befestigt. Ab 1914 hatte man mit Wassereinbrüchen zu kämpfen. Im Juni 1917 musste die Höhle geschlossen werden.

1920 übergab die Landesvermögensverwaltung in Gotha die inzwischen arg ramponierte Höhle der Kurverwaltung Friedrichroda zur kostenfreien Nutzung mit der Auflage, die dringend erforderlichen Reparaturmaßnahmen durchzuführen. Für etwa 12.000 Reichsmark baute der Klempnermeister Windau eine 230 Meter lange Saugheberleitung zur Entwässerung ein, um das immer wieder eindringende Sickerwasser aufnehmen zu können. Nach umfangreichen Sanierungs- und Sicherungsarbeiten wurde die Höhle wiedereröffnet. 1929 wurde eine elektrische Leitung verlegt, mit der die Schauobjekte beleuchtet werden konnten. Die Thüringerwaldbahn, deren Strecke im Jahre 1929 an der Höhle vorbeigeführt wurde, richtete unterhalb der Höhle eine Haltestelle ein.

Während des Zweiten Weltkriegs befand sich ein Teil der Produktionsstätte der Gothaer Waggonfabrik in der Höhle. Dort wurden auf einer Fläche von 5.000 Quadratmetern Teile für das Jagdflugzeug Focke-Wulf Ta 152 hergestellt.

Zu Beginn des Krieges konnte die Höhle noch besichtigt werden. Im Frühjahr 1943 wurde sie jedoch geschlossen, weil für ihre Unterhaltung kein Geld mehr vorhanden war. Nach dem Krieg wurden keine Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt. Alle Hohlräume liefen mit Wasser voll, da das Abpumpen unterblieb, und der Zugangsstollen stürzte ein.

1952 und 1953 suchten Bergleute vom VEB Schachtbau Nordhausen in der verwahrlosten Anlage nach Kupfermulm, lockeres, mit anderen Metallen durchsetztes Kupfererz, das als Farbstoff Verwendung fand. Da das Vorkommen für einen Abbau nicht mächtig genug war, wurde nach einem Gesamtvortrieb von 312 Metern die Suche eingestellt.

1964 begannen im Auftrag des Rates der Stadt Friedrichroda die Vorarbeiten zur Wiederinbetriebnahme der Marienglashöhle.

1965 drangen Bergleute des VEB Thüringer Spat- und Eisenerzgruben in Schmalkalden in den eingestürzten Stollen ein und bis zur Höhle vor. Die Feuerwehr Friedrichroda legte die Höhle mit leistungsstarken Pumpen trocken.

Eine umfassende Restaurierung erfolgte in den Jahren 1967 und 1968 und dauerte insgesamt 16 Monate. Dabei wurde ein künstlicher Wasserfall angelegt, dessen Wasser vom Höhlensee in der unteren Sohle hochgepumpt wird. Es wurde auch ein Ausgangsstollen angelegt, so dass der Besucher einen Rundweg begehen kann. Der Eingangsstollen, der Herzog-Ernst-Stollen, wurde neu gemauert und mit fünf sogenannten geologischen Fenstern versehen, in dem die Besucher einen Eindruck vom geologischen Aufbau erhalten. Im gleichen Jahr wurde die Kristallgrotte als geologisches Naturdenkmal unter Schutz gestellt.

Am 30. November 1968 konnte das Schau- und Lehrobjekt wieder für Besucher geöffnet werden.

Quellen: Wikipedia, www.friedrichroda.de, www.thueringen-entdecken.de

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