Gotha: Zwei weitere „Stolpersteine“ als Erinnerung und Mahnung

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Gotha (red/al, 21. Februar). Heute fand zum 17. Mal in Gotha die Verlegung von „Stolpersteinen“ durch Gunter Demnig statt. Der Künstler hat 1996 diese Form der Erinnerung an Opfer der Zeit des Nationalsozialismus begründet.

Die in Gotha vom „Bündnis gegen rechts. Gotha ist bunt“ initiierten Aktionen werden in Gotha seit 2006 gepflegt. Mit den zwei weiteren „Stolpersteinen“ gibt es in der Stadt Gotha nun 90 dieser Erinnerungsorte.

Neu ist der „Stolperstein“ an der Arnoldischule (Eisenacher Str. 5) für Alfreda Rosenburg, verheiratete Zeidler (geb. 1924). Er erinnert an die ehemalige Schülerin und Lehrerin der Arnoldischule. Über sie haben sich Arnoldianer in Projekten zu jüdischen Schicksalen im Nationalsozialismus oder zur jüdischer Kultur befasst.
Als Tochter einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters in Berlin geboren, wuchs Alfreda Rosenburg bei ihren Großeltern väterlicherseits in Gotha auf. 1938 emigrierte die Familie nach Frankreich. Als sie im August 1939 ihre Großeltern in Gotha besuchte, verhinderte der Ausbruch des 2. Weltkriegs ihre Rückkehr nach Frankreich und erzwang ihr Bleiben in Deutschland. Nach den Nürnberger Rassegesetzen galt sie als Halbjüdin, der es trotz aller damit verbundenen Schikanen im schulischen Alltag gelang, 1943 ihr Abitur an der Arnoldischule abzulegen. 1943 bis 1945 musste sie Arbeitsdienst in der Landwirtschaft und der Gothaer Waggonfabrik leisten; das Kriegsende und die Befreiung Gothas durch die Amerikaner verhinderten ihre Deportation.
Alfreda Rosenburg ergriff nach dem Krieg den Beruf der Lehrerin, unterrichte an mehreren Gothaer Schulen und war seit 1965 bis zu ihrem Ruhestand 1984 an der Arnoldischule tätig. Alfreda Zeidler verstarb 1990.
Ihr „Stolperstein“ wurde finanziert vom „Verein der Freunde und Förderer der Arnoldischule“.

Im Anschluss folgte die Verlegung des „Stolpersteins“ für den kommunistischen Widerstandskämpfer Willy Pabst in der früheren Oststr. 71a, der vom Landtagsabgeordneten der Linken, Sascha Bilay, gespendet wurde.
Pabst (geb. 1904 in Jena) arbeitete als Sattler in der Gothaer Waggonfabrik und gehörte von Ende 1932 bis 1933 dem Gothaer Stadtrat an. Nach der Machtübernahme der Nazis wurde er im Februar 1933 zu 6 Wochen Schutzhaft und 1934 wegen „Hochverrat“ zu einer Zuchthausstrafe von 2 Jahren und drei Monaten verurteilt. Im Anschluss an die Haft im Zuchthaus Gräfentonna folgte eine dreijährige Schutzhaft in der Strafanstalt Amberg und den Konzentrationslagern Lichtenburg und Buchenwald. Nach dem Stauffenberg-Attentat erfolgte im August 1944 im Rahmen der Aktion „Gewitter“ seine erneute Inhaftierung, die Ende März 1945 zu seiner nochmaligen Überstellung ins KZ Buchenwald führte, wo er die Befreiung erlebte.
Willy Pabst lebte nach Kriegsende wieder in Gotha und verstarb 1986 in Gera.

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