Stolpersteine gegen das Vergessen

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72.000 Stolpersteine erinnern europaweit in 23 Ländern an verschleppte und ermordete Juden, Sinti und Roma, politisch Verfolgte, Homosexuelle, Zeugen Jehovas – an alle Opfer des nationalsozialistischen Terrors.

Auch in Gotha finden sich solch besonderen Pflastersteine.

Die ersten acht verlegte Gunter Demnig 2006. Er ist es auch, der seit 1992 dieses wahrliche Mammutprojekt der Kultur des Erinnerns mit Leben erfüllt.

Der Künstler, geboren 1947 in Berlin, sah darin zunächst für ihn ein Kunstprojekt in Köln. Jetzt ist es seine Lebensaufgabe.

Nun war er zum zwölften Mal in Gotha. In der Waltershäuser Straße, vor dem Haus Nr. 16, baute er drei der glänzenden Granitquader in den Gehweg ein.

Sie erinnern an Louis Neuhaus (geb. 1880), seine Frau Martha (geb. 1890) und ihre Tochter Lore (geb. 1921), die hier lebten, bis sie 1939 nach Holland flohen.

Alle drei wurden 1944 erst nach Theresienstadt, dann die Eltern weiter nach Auschwitz deportiert. Dort wurde Louis am 18. Oktober 1944 ermordet, seine Frau einen Tag später. Tochter Lea erlebte ihre Befreiung in Theresienstadt.

Louis Neuhaus war Prokurist des jüdischen Bekleidungsunternehmens „Rosenblatt“ in Gotha.

Die Geschichte der Familie Neuhaus arbeiteten zwei Elfklässlerinnen der Kommunalen Gesamtschule „Herzog Ernst“ auf: Anna Kühn und Lea-Marie Rückbeil durchforsteten Archive, schrieben Gedenkstätten an, um dem Leidensweg der Familie Neuhaus auf die Spur zu kommen.

Sie verfassten darüber eine Seminarfacharbeit. Weit darüber hinaus aber geht der Eindruck, den diese Reise in einen, immer wieder gern verdrängten Teil der deutschen Geschichte auf sie hinterließ. Gunter Demnig brachte es auf den Punkt: „Sechs Millionen Tote kann man sich nicht nur schwerlich vorstellen. Das Schicksal einer Familie indes berührt schon…“

Demnigs Partner in Gotha bei diesen nahezu jährlich stattfindenden besonderen Pflasterarbeiten für eine lebendige Erinnerungskultur ist das Bündnis „Gotha gegen rechts – Gotha ist bunt“.

MSB Kommunikation

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