Naemi Friedmann inszenierte Molières Komödie „Die Schule der Frauen“ im Gothaer Ekhoftheater. Ein Tipp von Bernd Seydel.
In Wahrheit ist alles noch viel schlimmer. Der recht selbstbewusste Edelmann Arnolphe (gespielt von Alexander Beisel) erzieht das junge Mädchen Agnès (Jasper Middendorf) zur willfährigen zukünftigen Gattin. Zumindest glaubt er, dass dieser Erziehungs- und Kontrollplan gelingt. Doch die verrückte Idee, Menschen einfach zu lenken und am Ende zu manipulieren, misslingt zum Glück. Jedenfalls aus der Sicht von Horace (Nils Bannert), dem jungen quicklebendigen Burschen, der Agnès den Kopf verdreht.
1662 wurde das Stück „Die Schule der Frauen“ des französischen Schriftstellers Molière zum ersten Mal aufgeführt. Es löste einen literarischen Streit aus – Molière wurde Unmoral, mangelnder Anstand und formale Verstöße gegen die Theatertraditionen vorgeworfen. Das ist eine gute Ausgangsbasis für die Regisseurin Naemi Friedmann und ihr Ensemble, die die Komödie im Rahmen des Ekhof-Festivals noch bis zum 8. August im Schloss Friedenstein in Gotha aufführen.
Dabei spielt Naemi Friedmann auch mit dem barocken Theater selbst. Auf dem ersten Rang und im Orchestergraben wird genauso agiert wie auf der Bühne mit ihren faszinierenden Verwandlungsmöglichkeiten. Man drängelt sich durchs Publikum, die Kulissenschieber treten gelegentlich auf, statt nur den verborgenen Mechanismus zu bedienen. Das Mädchen Agnès sagt am Ende, sie wisse gar nicht mehr, wer sie sei – was auch die persönliche Situation der androgynen Schauspielerin Jasper Middendorf spiegelt.
Fast drei Stunden – mit Pause – dauert der Theaterabend. Doch die vielen kleinen und großen Regieerfindungen lassen die Zeit schnell vergehen – jedenfalls dann, wenn man sich auf den doppeldeutigen Humor, die lebhafte Schauspielkunst und die vielen Anspielungen auf unsere Zeit einlässt.
Alle Informationen zum Stück sowie die Aufführungstermine findet man im Internet unter www.ekhof-festival.de
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 7 (2026)




















