Die höchste Ehrenamtsauszeichnung der Stadt

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Am Mittwoch, dem 2. Mai 2012 wurde im Rahmen des Myconiusempfangs der Residenzstadt Gotha die Myconiusmedaille an Kurt Scholler verliehen. Scholler ist der Begründer der deutsch-amerikanischen Städtepartnerschaft zwischen Gotha und Gastonia. Bereits 1992 warb er im Gotha Rathaus für den Abschluss einer Städtepartnerschaft, überzeugte Bürgermeister und Stadtrat, sodass im 1993 ein Städtepartnerschaftsvertrag ratifiziert werden konnte.

Zur Eröffnung des Myconius-Empfang begrüßte Oberbürgermeister Knut Kreuch die Gäste:

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
heute darf ich nach dieser herzlich erfrischenden jungen Begrüßung als Erster das Wort an Sie richten. Seit einigen Jahren ist es Tradition, dass der Oberbürgermeister Gothas die Laudatio für den neuen Myconius-Medaillen-Träger hält, doch in diesem Jahr ist alles anders, denn ich habe eine andere, bessere Persönlichkeit gefunden, dem diese Ehre viel früher zusteht, da er mit dem Geehrten einst die Grundlagen schuf und seit zwei Jahrzehnten in freundschaftlicher Verbundenheit steht.

So will ich mich an die Begrüßung wagen, wie Sie mich kennen, werden Sie jetzt keine lose Aneinanderreihung von Persönlichkeiten erhalten, die Sie bereits kennen, sondern Sie werden viele Menschen treffen, an verschiedenen Orten meiner Rede und deshalb wäre es löblich, auch nur einmal und dann für alle zu applaudieren, und zwar dann, wenn ich ihnen dazu den diskreten Hinweis gebe.

Festredner des Jahres 2012 ist einer der großen Literaten Deutschlands. Hat Gotha mit Dr. Sigrid Damm, Kathrin Schmidt und Antje Babendererde drei herausragende Schriftstellerinnen des 20. und 21. Jahrhunderts hervorgebracht, so kann Hamburg gleiches Recht mit ihm für sich in Anspruch nehmen. In seinem letzten großen Roman „Winter Fünfundvierzig“ schafft er eine Brücke nach Gotha. Da gibt es einen aufrechten Soldaten, der tausend Frauen das Leben rettet. Dieser Mann trägt einen Familiennamen, der an Gotha erinnert. Sein Name ist Major Friedenstein –  Gothas seit 300 Jahren bestehendes Symbol einer europäischen Friedensordnung ist ihm Verpflichtung. Herzlich willkommen Arno Surminski, wir freuen uns auf ihre Rede.

Einmal im Jahr stehen in der Residenzstadt Gotha ganz besondere Menschen im Mittelpunkt der Öffentlichkeit, Bürger, die sich auf ganz herausragende Art und Weise die Anerkennung und die Wertschätzung der Stadtgemeinde verdient haben. Insgesamt sind seit 1997 genau 20 Personen mit der Myconius-Medaille geehrt worden. Ihnen zu Ehren geben wir diesen Empfang und deshalb freue ich mich, die Träger der Medaille Helga Kukulenz, Dr. Helga Raschke, Michael Schneider, Lutz Büchner und Dirk Kollmar heute hier begrüßen zu dürfen. Ihr Engagement ist so stark, dass es auch im Landkreis Gotha seine Spuren hinterlassen hat und Ansporn ist, ihnen nachzueifern.

Herr Landrat Gießmann, wir freuen uns über ihre Teilnahme und bitte nehmen Sie heute auch unsere Glückwünsche zu ihrer Wiederwahl entgegen.

Gemeinsam mit meinen Kollegen Frau Beigeordneter Marlies Mikolajczak und Herrn Bürgermeister Werner Kukulenz werden wir Sie durch den Abend begleiten, stellvertretend für das bürgerschaftlich engagierte Gotha im Stadtrat möchte ich die Vorsitzende unseres Stadtrates Frau Astrid Gehb willkommen heißen.

Eine Stadt, die ihren Bürgern Ehre erweist, das ist Gotha wahrhaft und es ist immer wieder ein würdiger Moment wenn unsere Ehrenbürger Herr Eckardt Hoffmann und Herr Dr. Edgar Jannott in der Mitte unserer Bürgerschaft sind.

Gotha ist die Turbine einer ganzen Region, sozusagen das Getriebe, in dem ein Rädchen das nächste Rad antreibt. Die Räder am großen Herzen Gothas sind unsere Nachbargemeinden, mit denen wir auf Augenhöhe zusammenarbeiten, der Präsident des Gemeinde- und Städtebundes Thüringens, Herrn Bürgermeister Michael Brychcy heiße ich als wichtigstes Rad willkommen.

Wer von Gotha aus in den Deutschen Bundestag oder den Thüringer Landtag entsendet wird, weiß, dass er in einer starken Region  beheimatet ist und große Ziele für Gotha zu verwirklichen hat, herzlich willkommen unseren Abgeordneten an dieser Stelle.

Dass die Achtung und Anerkennung der Gothaerinnen und Gothaer mit dem Ausscheiden aus dem Beruf nicht endet ist selbstverständlich und ich grüße ehemalige Bürgermeister und Beigeordnete, ganz besonders Herrn Altoberbürgermeister Volker Doenitz.

Unser Gruß gilt den Unternehmen der Stadt, die unsere starke wirtschaftliche Basis bilden, wir danken den Direktoren unseres Forschungszentrums, der Hoch- und Fachschulen, der Grund- und Regelschulen sowie Gymnasien, dass sie dafür Sorge tragen, dass in Gotha die Schüler schlauer sind, als anderswo die Beamten. Gothas Kultureinrichtungen im „Barocken Universum“ und als „Gotha adelt“ in die Welt entsandt, künden von der großartigen Historie und Zukunftsfähigkeit unserer Kulturmetropole. Unsere Vereine, deren Vorstände heute hier unter uns sind, sind der Garant für das soziale Gleichgewicht unserer Stadt, ihr Engagement ist nicht hoch genug zu würdigen.

Gotha ist eine weltoffene Stadt mit fünf Partnerstädten, dutzenden Schulpartnerschaften und freundschaftlichen Bindungen. Herr Generalkonsul Mark Powell, ich weiß, Sie fühlen sich in Gotha besonders wohl, denn wir sind sicherlich auch die Stadt, die ihrem Heimatland, den Vereinigten Staaten von Amerika, manche bedeutende Prägung gab. Wussten Sie schon, Auswanderer aus Gotha gründeten im 19. Jahrhundert Siedlungen an den großen Seen, noch heute haben wir die größte Sammlung von Auswandererbriefen in der Universitäts- und Forschungsbibliothek, die von diesem Aufbauwerk Amerikas berichten. In Florida trägt eine Stadt den Namen Gotha. Columbia die Hauptstadt von South Carolina,  heißt zu Deutsch Saxe-Gotha und die alte Hauptstadt Augusta von Georgia trägt ihren Namen nach der Gothaer Prinzessin Augusta von Wales, der wahren Mutter des Empire. Ich könnte diesen Part noch viel länger vertiefen, aber Sie glauben mir sicher, an den paar Fakten sieht man, dass ein Teil des Ursprungs der USA in Gotha liegt.

Herr Generalkonsul Mark Powel wir freuen uns, dass Sie heute in Vertretung des US-Botschafters unser Ehrengast sind – bitte Applaus.

Ich merke, Sie haben alle ganz genau aufgepasst, ob Sie oder Ihr Nachbar erwähnt worden sind, ich darf Ihnen versichern, dass wir uns von Herzen über jeden Gast des heutigen Myconius-Empfangs freuen und Sie uns alle herzlich willkommen sind, aber eines muss noch gesagt sein:

Liebe Cynthia und lieber Kurt Scholler,

sie sind der wahre Mittelpunkt des heutigen Abends, bekommt auch der Mann die Ehre, so ist er dieser nur wert, weil eine starke Frau hinter ihm, neben ihm und manchmal auch vor ihm steht – herzlich willkommen liebe Freunde aus Gastonia in eurer zweiten Heimat Gotha.

Sehr geehrte Myconius-Festgemeinde,
wenn ich auf dem Myconius-Empfang zu Ihnen sprechen darf, so stelle ich immer ein Wort in den Mittelpunkt meiner Gedanken, ein Wort, das oft mehr sagt, als nur die Buchstaben, die es zusammenfügen.

Das Wort des Jahres 2012 ist für mich: TEILEN.

Sie werden sich wundern, wie ich ein so einfaches, fast mathematisch klingendes Wort wählen kann, doch im Laufe meiner Rede werden Sie merken, wie schwierig es ist mit dem teilen.

Hat auch Kolumbus im Jahre 1492 Amerika entdeckt, so teilt doch noch heute ein gewaltiger Ozean die Menschen in Europa und Amerika.

Sprechen auch Menschen die gleiche Sprache, so teilte über Jahrzehnte Mauer und Stacheldraht ein ganzes Volk in Ost und West, teilte ein Vaterland in zwei feindliche Teile. Deutschland hat friedlich den Weg der Teilung vor 22 Jahren überwunden, Korea hat diese schwierige Aufgabe noch vor sich, der Sudan und Mali haben 2011 erst neue Teilungen des Vaterlandes vorgenommen.

Steigt das Wirtschaftswachstum in China auch gewaltig an, so teilt eine kommunistisch-maoistische Politik ein Volk in bettelarm und superreich. Afrika, ein Kontinent, auf dem die 2012er Friedenstein-Preisträger Karl-Heinz und Almaz Böhm missionarische Arbeit im Sinne des großen Albert Schweizers leisten, ist geteilt, in Hungernde und vor Hunger sterbende Menschen.

Und Deutschland 2012? Unser Land teilt sich wieder durch eine Diskussion über die Zukunft des Solidarpaktes. Das dürfen Demokraten nicht zulassen.

Der Schutzpatron unserer Partnerstadt Martin, der heilige Martin hat einst seinen Mantel geteilt, um allen Menschen in seiner Nähe Schutz zu bieten, die Heilige Elisabeth gründete in Gotha das erste Krankenhaus Thüringens, um ärztliche Hilfe zu teilen unter den ärmsten der Stadt, heute teilen Konzerne Kliniken unter sich auf.

Teilen kann jeder auf ganz eigene Art und Weise, schon ein Lächeln, das man teilt, verschafft einer ganzen Stadt ein angenehmes Äußeres. Wer Zeit aufteilt für Familie, Arbeit und Ehrenamt, der teilt richtig, wer zusätzlich noch Zeit teilt für Diskussionen in virtuellen Räumen oder Netzwerken, der teilt falsch auf.

Trennen uns auch tausende Kilometer von Amerika, liegt dazwischen ein großer Ozean, mussten erst Rituale des Kalten Krieges überwunden werden, so hat sich doch ein Mann vor 20 Jahren auf den Weg gemacht, um die Teilung zwischen seiner und unserer Welt zu überwinden. Der Glaube daran, dass es wichtig ist, jungen Menschen zu zeigen, dass diese eine Welt nicht teilbar ist, sondern dass es Menschen bedingt die Brückenbauer sind, um eine Teilung zu überwinden, das war sein Antrieb, seine Mission, die er erfolgreich umgesetzt hat.

Hunderte junger Menschen haben durch ihn ihre Chance genutzt und haben gespürt, dass es nichts gibt, was uns voneinander teilt, das Sprachen in den Hintergrund treten, wenn mit dem Herzen geredet wird.

Was Kurt Scholler begann, ist eine der aktivsten deutsch-amerikanischen Schülerpartnerschaften, sind zwei Partnerschaftsvereine in den Städten, die aktive Mitgestalter sind, um die Teilung in den Herzen, in den Hirnen und in der Zukunft zu überwinden.

Lassen Sie uns teilen, was wir im Überfluss besitzen:

Unsere Herzlichkeit, unsere Gastfreundschaft und unsere ureigene Gothaer Weltanschauung „Friede ernähret – Unfriede verzehret“.

Darum noch einmal: Herzlich willkommen Ihnen allen zum Myconius-Empfang 2012 der wunderschönen, weltweit einzigartigen Residenzstadt Gotha im ersten Haus der Bürgerschaft der Stadthalle Gotha.

Gotha adelt – am meisten den, der gerne teilt.

Es folgte die Laudatio des Bürgermeisters Werner Kukulenz anlässlich der Vergabe der Myconiusmedaille an Kurt Scholler:

Lieber Kurt Scholler, liebe Cyntia Scholler,                         
sehr geehrter Oberbürgermeister,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

es ist mir eine ganz besondere Ehre heute die Laudatio für den diesjährigen Preisträger der Myconiusmedaille halten zu dürfen. Die Würdigung für Kurt Scholler mit der höchsten Auszeichnung der Residenzstadt Gotha für das Ehrenamt, ist mir eine ganz persönliche Herzensangelegenheit.

Als ich meine kommunalpolitische Arbeit in Gotha begann, galt es einen riesigen Berg an Problemen zu lösen und schwierige Situationen zu meistern. Die Jahre zwischen 1990 und 1994, gleich nach der deutschen Wiedervereinigung, in denen ich Verantwortung als Stadtoberhaupt Gothas tragen durfte, war eine sehr schnelllebige Zeit, in der sich ständig gewaltige Veränderungen vollzogen.  Die meisten von Ihnen erinnern sich heute sicher noch gut an diese Periode, in der wir vor große Herausforderungen gestellt waren und oft in kürzester Zeit Entscheidungen zu treffen hatten. Auf eine Entscheidung bin ich bis heute sehr stolz und von dieser soll im Zusammenhang mit unserer heutigen Verleihung der Myconiusmedaille die Rede sein.

Auf allen Gebieten galt es zu jener Zeit Kontakte zu suchen und neue Verbindungen und Kooperationen aufzunehmen. Der damalige Kultur- und Wirtschaftsdezernent der Stadt Gotha, Norbert Kaschek, erhielt im März 1991 über das Amerika-Haus in Hannover die Möglichkeit, eine Reise in die USA zu unternehmen.  Gemeinsam mit Helga Wilfrodt vom Schlossmuseum und Herrn Sven Pettersen als Vermittler flog er nach Washington, um Kontakte zu Kunstsammlungen und Museen in den USA zu knüpfen.

Dies geschah erfolgreich, denn es konnten Ausstellungen der Gothaer Museen in den USA und im Gegenzug Ausstellungen aus den Vereinigten Staaten in Gotha realisiert werden. Einer der zahlreichen Termine während dieses amerikanischen Besuchsprogramms war aber auch ein Gespräch beim „Sister City – Comitee International“ in Alexandria bei Washington. Innerhalb dieses Gesprächs wurde darüber informiert, dass eine Stadt im Bundesstaat North Carolina die Absicht habe, eine Partnerschaft mit einer Stadt aus Deutschland aufzunehmen. Es waren die Städte Krefeld und Köln im Gespräch, Kurt Scholler setzte sich für eine Stadt aus den neuen Bundesländern ein. Dieses Kriterium erfüllte Gotha und erhielt auch den Zuschlag.

In der folgenden Zeit versuchte Kurt Scholler telefonisch Kontakt zum Gothaer Rathaus aufzunehmen, was sich als schwieriges Unterfangen herausstellte, die Telefonnetze waren oft hoffnungslos überlastet.

Nachdem wir auch selbst das Interesse an der Anbahnung einer solchen Partnerschaft bekundet hatten, wurde Herr Norbert Kaschek mit der ersten Kontaktaufnahme beauftragt und dabei fiel der Name von Kurt Scholler als Vertreter Gastonias zum ersten Mal.

Im Dezember 1991 erhielt ich einen Brief vom Bürgermeister der Stadt, James B. Garland, der das Streben der Gastonia’s nach einer Partnerschaft mit der Stadt Gotha bekräftigte. Nach weiteren brieflichen Kontakten – die Kommunikationswege waren Anfang der neunziger Jahre noch ziemlich dürftig eingerichtet – kam es zu einem ersten privaten Besuch, der schließlich den Stein wirkungsvoll ins Rollen brachte. Kurt Scholler kam im Frühjahr mit seiner Frau und seinen beiden Kindern nach Gotha. Er verkörperte und vermittelte dabei die Idee für seine von der Textilindustrie geprägte Heimatstadt eine deutsche Partnerstadt zu suchen, die in den neuen Bundesländern liegen sollte.

Die Familie erlebte frühlingsfreundliche Tage in der Residenzstadt und Kurt Scholler machte in dieser Zeit mit einer ihm völlig unbekannten deutschen Stadt Bekanntschaft, deren Baugeschichte und Historie ihn sofort faszinierte. Als gebürtiger Aachener, der als Geschäftsführer eines mittelständigen und weltweit agierenden Unternehmens schon seit über zwei Jahrzehnten in den USA lebte, wollte Kurt Scholler einen Beitrag zum Zusammenwachsen der Deutschen leisten und um Verständnis für die transatlantische Freundschaft werben, gerade in der Region, für die Amerika bis 1990 Feindesland war.

Mit seinem spontanen Besuch im Rathaus, bei dem er für den Abschluss einer Städtepartnerschaft warb, erhielt ich eine Einladung der Stadt Gastonia zu einem ersten Gastbesuch. Bevor ich gemeinsam mit einer Gothaer Delegation nach Gastonia reisen konnte, führte Kurt Scholler noch im Herbst 1992 eine sechsköpfige Delegation an, die sich einen Eindruck von Gotha verschaffte.

Mit Bob Planton, William Lawson, Donna Colvin Lockett, Joe D. Carpenter und Susan S. Hinley erlebte er zahlreiche Begegnungen und Gesprächsrunden. Zum Programm gehörte u.a. die Eröffnung des Weihnachtsmarktes, die Vorstellung der Museen und ein Besuch bei den Altschützen.
Kurt Scholler überzeugte mit seiner offenen Art nicht nur mich, sondern auch den Gothaer Stadtrat von seiner Idee und so wurden wir einig darüber, dass die Partnerschaft zwischen den beiden Städten im Frühjahr des Jahres 1993 mit einem entsprechenden Vertrag besiegelt werden sollte.

Gemeinsam mit seiner Frau Cynthia Scholler, einer gefeierten Opernsängerin, wusste Kurt Scholler, was zu tun ist. Ihm war klar, die Partnerschaft kann nur funktionieren, wenn es Partnerschaftsvereine gibt, die in beiden Städten zum Träger der Partnerschaftsidee werden.
Er begeisterte Menschen in Gastonia und wurde mit seiner Frau gemeinsam zum Gründer des Partnerschaftskomitees in dieser Stadt und gab selbstverständlich große Starthilfe beim Aufbau des Gothaer Partnerschaftsvereins, der seit der ersten Stunde unter der Federführung von Frau Helga Kukulenz steht.

Schließlich war es soweit. Im Frühjahr 1993 reiste eine zehnköpfige Delegation unter meiner Leitung mit Vertretern der Stadtverordnetenversammlung, des Handwerks, des Sports, der Schulen und der Wirtschaft nach Gastonia, um am 19. April 1993 den Partnerschaftsvertrag zu unterzeichnen.

Im Frühjahr 1994 startete das 1. große Projekt, der Gothaer Kinderchor mit 54 Mitgliedern und 4 Betreuern reiste nach Gastonia, um als Botschafter seine Heimatstadt in zahlreichen Auftritten vorzustellen.
Für diese große Gruppe suchten und fanden Kurt Scholler und seine Frau Cynthia entsprechende Gastfamilien.
Dies war und ist unser gemeinsames Bestreben, dass die Unterbringung in Gastfamilien erfolgt, denn nur so besteht die Chance des Kennenlernens.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Sie erahnen mit der Erwähnung dieses Datums, welches Jubiläum uns im kommenden Jahr bevorsteht. Aber gleich drei unserer Städtepartnerschaftsbeziehungen werden im kommenden Jahr mit runden Jubiläen gefeiert. Gotha und Gastonia feiern dann das 20-jährige, ebenso lange besteht dann die Partnerschaft mit dem polnischen Kielce. Mit Salzgitter verbinden uns dann schon 25 Jahre.

Was macht die von Kurt Scholler initiierte deutsch-amerikanische Partnerschaft so wertvoll für die Gothaerinnen und Gothaer?
Dreh- und Angelpunkt dieser Verbindung war und ist bis heute der Schüleraustausch. Mehr als 400 Gothaer Schülerinnen und Schüler haben, vermittelt und betreut vom Partnerschaftsverein Gotha/Gastonia und vom „Sister City Comitee“ seit 1993 eine Reise nach Gastonia unternommen, haben dort in Gastfamilien gelebt, das Leben in der Partnerstadt und den Schulalltag dort kennengelernt, haben ihre Sprachkenntnisse vervollständigt und nicht zuletzt zahlreiche Kontakte und Freundschaften geknüpft, welche bis heute Bestand haben.

Clemens Festag, der Direktor des Arnoldi-Gymnasiums, der seit Beginn auch im Partnerschaftsverein zu den aktivsten Mitstreitern gehört, ist heute mit einigen Schülern und Lehrern hier, um stellvertretend für alle anderen Gastonia-Reisenden Dir, lieber Kurt Scholler, zur Auszeichnung mit der Myconiusmedaille zu gratulieren.

Das Werk, das Du vor zwanzig Jahren begonnen hast, die Idee mit der Du unsere beiden Städte begeistertest, trägt auch seit zwanzig Jahren Früchte, indem hunderte Menschen bisher im Austausch Gastonia und Gotha besuchten, Vorurteilte abbauten, Freundschaften gründeten und die Länder mit ihren Facetten kennenlernten. Immer wieder hast Du mit persönlichen Förderungen, aber auch im Einwerben von Sponsoring-Beiträgen geholfen, dass diese Begegnungen finanziert werden konnten, denn Dir war klar, Geld darf nicht als Hinderungsgrund der Partnerschaft stehen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Kurt Scholler ist damals wie auch heute ein Mann, der nicht gern im Rampenlicht steht, er ist kein Mann, der sich in Ämter wählen lässt, aber er ist ein Mann, der immer dort war, wo Ideen, Hilfe und finanzielle Förderungen notwendig waren. Bis heute ist er dem Partnerschaftskomitee als Mitglied treu und trägt mit seinen Ideen wesentlich dazu bei, dass die Städtepartnerschaft Gotha-Gastonia eine so aktive Partnerschaft der Herzen ist.
Wie aktiv diese Verbindung gelebt wird, zeigte das 15-jährige Partnerschaftsjubiläum im Jahre 2008.  Das wurde auf dem Gothaer Hauptmarkt und im Rathaus mit einem großen „Gastonia Day“ gefeiert. Viele werden sich erinnern, wie stimmungsvoll dieses Fest mit hunderten Teilnehmern verlaufen ist und wie emotional die langjährige Bürgermeisterin Jenny Stultz diese Partnerschaft im Bürgersaal des Rathauses während des Festaktes würdigte. Zum Abschluss des Festes wurden zwei Gothaer Feuerwehrmänner zu einem Austausch nach Gastonia verabschiedet, ihnen folgten junge Thüringer Polizisten und wieder zahlreiche Schüler.

An dieser Stelle möchte ich auch das Engagement der ehemaligen Bürgermeister Herrn James Garland und Frau Jenny Stultz hervorheben, sie haben die Städtepartnerschaft stets wohlwollend begleitet und durch ihre Besuche in Gotha entsprechende Zeichen gesetzt. Inzwischen ist Herr John D. Bridgeman Frau  Stultz im Amt des Bürgermeisters gefolgt, der leider heute nicht unter uns sein kann, aber herzliche Grüße ausrichten lässt und sich für die Würdigung von Kurt Scholler mit der höchsten Ehrenamtsauszeichnung der Stadt Gotha bedankt.

Lieber Kurt Scholler,

die Residenzstadt Gotha dankt Dir für Deine Idee, Deine Initiative, für Dein unermüdliches Engagement und wünscht Dir und Deiner Familie auch weiterhin viel Freude mit dem Werden und Wachsen dieser großartigen und beispielhaften deutsch-amerikanischen Freundschaft.

Ich darf Dich nun hier zu mir nach oben bitten um Dir gemeinsam mit Oberbürgermeister Knut Kreuch nun den nun schon mehrfach genannten Ehrenpreis zu überreichen.

Foto: Kurt Scholler (li.) beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt  (Foto: Lutz Ebhardt)