Seit über einem Jahrzehnt begeistert got(h)acoustic das Publikum. Besonders bekannt sind die Musiker des Projekts für ihr Weihnachtskonzert. Aber es steckt noch viel mehr dahinter. Sascha Mohnke hat sich deshalb mit einigen der Gothaer Musiker getroffen.
Bereits 2004 fanden einige Gothaer Bands, die sich seit 2015 unter „got(h)acoustic“ vereinen, für das erste Weihnachtskonzert zusammen. „Daraus entsprang die Idee, ein Projekt zu starten, wo ein paar Freunde einfach Musik machen“, sagte Gitarrist Matthias Schauf. Gesagt getan: Seit mehr zehn Jahren treten die 15 Crewmitglieder gemeinsam auf.
„Unser erster Auftritt war eher eine Jam-Session. Das fanden wir so super, dass wir uns gefragt haben: Warum keine Zuschauer mit ‚reinholen?“, erinnerte sich Geiger und Sänger Oliver Bonsack. Gesagt, getan. Und die Zuschauer waren begeistert. Das sprach sich bis in die oberste Riege der Stadt Gotha herum. Oberbürgermeister Knut Kreuch war hingerissen von got(h)acoustic und fragte ohne Umschweife das Projekt für einen Auftritt beim Gothardusfest an. Damit gehörten die Musiker zum festen Bestandteil des Programms.
Ihr Auftritt beim Thüringentag 2025 fiel hingegen sprichwörtlich ins Wasser. „Das Wetter hatte uns an diesem Tag ‚kaputtgespielt‘. Durch die Unwetterwarnung kam der Auftritt zu einem vorzeitigen Ende. Das war ein Konzert, an das wir nicht gern zurückdenken“, so Matthias Schauf. Gewöhnlich treten die Musiker meist am letzten Festtag auf – trotzdem geben Sie immer alles. „Sonntags 14 Uhr ist ja fast alles vor- bei. Die Standbetreiber haben auch kaum noch Lust – und dann kommen wir”, hob Oliver Bonsack hervor. Aber wenn got(h)acoustic einmal auftritt, dann bleiben alle bis zum letzten Ton.
Und das kann einen ganzen Abend füllen. „Unsere Konzerte dauern etwa vier bis fünf Stunden”, sagte Matthias Schauf. Der Grund: Alle Musiker und Bands, die unter „got(h) acoustic“ auftreten, bringen ihre eigenen Ideen und Stile ein. Deswegen deckt das Projekt von Irish Folk bis Rock, von Pop bis Bluegrass bis hin zu Hard Rock eine enorme Band- breite ab. „Je nach Stil finden sich Gruppen zusammen und bilden ein eigenes Set, welche bis zu einer halben Stunde gehen kann“, so Schauf.
Diese Vielfältigkeit bringt gute und schlechte Seiten mit sich. Dass got(h)acoustic hauptsächlich das Weihnachtskonzert spielt und auf dem Gothardusfest auftritt, liege nicht an den Musikern. „Wir haben noch Kapazitäten. Wir wären bereit, auch auf anderen Stadtfesten zu spielen”, bekräftigte Oliver Bonsack.
Häufig sind es jedoch die Veranstalter, die vor einer Buchung zurückschrecken. Der banale Grund: Geld. Die technischen Anforderungen seien einfach zu kostenintensiv. Immerhin wollen auch alle 15 Crewmitglieder ein Mikrofon, meinte Bonsack belustigt. Aber Spaß beiseite: got(h)acoustic stellt nun einmal bestimmte Mindestanforderungen an die technische Ausstattung vor Ort. So wollen die Musiker dem Publikum bei gleichbleibender Qualität immer etwas Besonderes bieten. „Ob sich das in Zukunft ändert, können wir nicht sagen. Fest steht, gegen einen kleinen Obolus sind wir immer bereit aufzutreten”, so Bonsack stolz. Dabei sind die Grenzen des Landkreises Gotha bedeutungslos. „Warum sollten wir nicht wieder auf dem Thüringentag auftreten? Wir wären 2027 bereit für Nordhausen”, so Matthias Schauf.
Bereit müssen die Mitglieder von got(h)acoustic auch vor ihren Auftritten sein. Oft sei es so, dass sich Musiker vor ihrem Set zum ersten Mal sähen. „Das ist bei uns kein Problem. Wir kommen alle aus Bands und können aus dem Kalten heraus was reißen“, sagte Matthias Schauf. Alle Mitglieder sind generell berufstätig und in ihrer Freizeit hauptsächlich mit den eigenen Bands unterwegs. Matthias Schauf und Oliver Bonsack etwa spielen zusammen für “ The New Paints“. Zwischen Arbeit, Konzerten und Tourneen bleibe dann oft nur wenig Zeit. Und wenn doch Proben eingeplant sind, dann quetschen sich alle 15 Musiker in den Bandraum von „The New Paints“ oder in die Musikschule von Matthias Schauf.
Die „Gruppe aus Freunden, die einfach nur geile Musik machen will”, ist bis heute fast unverändert intakt. „Sollte einer aufhören, denke ich nicht, dass wir Probleme hätten, ihn zu ersetzen”, meinte Oliver Bonsack. Es sei eher andersherum: „Es gibt immer wieder junge Künstler, die schon mit den Füßen scharren und ungeduldig auf ihre Chance warten.” Mitspielen können sie trotzdem. Für das Weihnachtskonzert könne jede Band ein Set vorstellen. „Talentierten Künstlern machen wir immer gerne Platz“, erklärte Matthias Schauf.
Zuletzt spielte got(h)acoustic am 26. Dezember 2025 ihr beliebtes Weihnachtskonzert in der Gothaer Stadthalle. „Die Stimmung war super. Das Publikum brachte viel Energie mit“, erinnerte sich Bassist Paul Kronfeld. Zwar gebe es immer vereinzelt negative Rückmeldung, aber im Großen und Ganzen seien die knapp 1.000 Gäste begeistert gewesen.
Darauf wolle sich jedoch keiner ausruhen. „Wir spielen schon länger mit dem Gedanken, auch bekannte Sänger und Musiker einzuladen, um mit uns aufzutreten”, verriet Oliver Bonsack. Derzeit werde noch an einem Konzept gearbeitet. Eines ist indes schon klar: „Was kommt, wissen wir selber nicht genau. Aber so sind wir bei got(h)acosutic nunmal”, schloss Bonsack lächelnd. So isses und so soll es bleiben.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 1 (2026)




















