Urzeitgeschöpfe: Mario Voigt besucht Bromacker im Landkreis Gotha

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Ministerpräsident Mario Voigt greift selbst zu Hammer und Meißel. Die Studentinnen Emilia Brauns (links) und Teresa Böttcher (rechts) beobachten es mit erfahrenen Blick: Sie waren bei der Sommergrabung 2026 dabei. (Foto: Peter Hollek, TSK)
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Ausgrabungsstelle statt Staatskanzlei, Hammer anstelle von Aktenmappe. Auf seiner Tour durch den Landkreis Gotha hat der Thüringer Ministerpräsident Mario Voigt auch Station auf dem Bromacker gemacht. Das teilte die Friedenstein Stiftung Gotha mit.

Die Direktoren und Leiter der am BROMACKER-Projekt beteiligten Institutionen begrüßten den Landeschef an der weltweit bedeutenden Fossillagerstätte, an der erst vor wenigen Wochen die diesjährige Sommergrabung sehr erfolgreich zu Ende gegangen ist.

Mit über 300 Funden haben die Wissenschaftler:innen wieder neue wertvolle Einblicke in ein Ökosystem vor 294 Millionen Jahren gewonnen. Einige der gerade frisch entdeckten Fossilien konnte der Ministerpräsident bei seinem Besuch selbst in Augenschein nehmen. Spektakulär in diesem Jahr war unter anderem die Freilegung eines neuartigen Grabgangs eines kleinen Ursauriers sowie die Entdeckung von zwei kleinen Schädeln und eines seltenen Tausendfüßers.

Die Grabung 2026 war die erste, welche durch das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten gefördert wurde, nachdem Ende 2025 die Förderung durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt ausgelaufen war. Das Land Thüringen hilft mit der Förderung, die Erfolgsgeschichte des Projekts fortzuschreiben, welches in den vergangenen Jahren weltweit beachtete Forschungsergebnisse hervorgebracht hat.

Ministerpräsident Mario Voigt sagt: „Was auf dem Bromacker über die Jahre aufgebaut wurde, ist wirklich beeindruckend. Mitten im Thüringer Wald treffen international beachtete Spitzenforschung, interaktive Wissenschaftskommunikation und ein wachsendes touristisches Interesse aufeinander. Der Bromacker zeigt, welches Potenzial für eine gesamte Region entsteht, wenn Wissenschaft und engagierte Partner gemeinsam an einem Strang ziehen.“

Die am Projekt beteiligten Kooperationspartner dankten dem Ministerpräsidenten, dass sich der Freistaat mit seiner Finanzierung bis Ende 2027 hinter das BROMACKER-Projekt stellt – und so die Fortführung der Ausgrabungen, Präparation, Sammlungsbetreuung und diverser Bildungsangebote sowie Vermittlungsformate sicherstellt. Das Projektteam strebt eine Verstetigung der Förderung an, damit sich das Potenzial der weltweit bedeutenden Fossillagerstätte weiter entfalten kann – als Ort der internationalen Forschung, Bildung und des Tourismus.

Bei seinem Versuch, dem roten Gestein des Bromackers einen Fund zu entlocken, stieß Ministerpräsident Voigt leider auf nichts, ein Fossil nahm er dennoch mit: einen Abguss von „Tambia spiralis“, dem Fossil des Jahres 2024.

Eine fossile Lagerstätte der Superlative: der Bromacker

Die im Thüringer Wald innerhalb des UNESCO Global Geoparks Thüringen Inselsberg – Drei Gleichen gelegene, unterpermische Fossillagerstätte Bromacker ist wegen des gemeinsamen Vorkommens von Wirbeltierfährten und deren Erzeugern in Form von Skeletten weltweit einzigartig. Bei dem hier fossil erhaltenen Ökosystem handelt es sich darüber hinaus um den frühesten Beleg für eine Nahrungspyramide mit wenigen Raubtieren an der Spitze, Pflanzen an der Basis und vielen Pflanzenfressern dazwischen – ähnlich wie moderne Ökosysteme aufgebaut sind.

Die Bromacker-Lagerstätte wartet mit vielen Superlativen auf: das erste Stamm-Reptil – d. h. ein primitiver Vorfahr der Reptilien –, das zeitweise auf zwei Beinen laufen konnte; das erste Auftreten von Schuppen bei Synapsiden, den frühesten Vorfahren der Säugetiere; der erste Beleg für einen eindeutigen aufgerichteten Spreizgang, wie Analysen der Art Orobates pabsti belegen; der früheste in einer vollterrestrischen Paläoumwelt – d. h. einem Ökosystem, in dem es kein permanentes Gewässer gab – gefundene Regurgitalith (versteinertes Erbrochenes). Darüber hinaus stellt der Bromacker das älteste Ökosystem mit großen, spiralförmigen, teilweise Skelettreste enthaltenden Grabbauten dar – ein deutlicher Hinweis auf ein stark saisonales Klima mit Trocken- und Regenzeiten.

Forschung und Wissenschaftskommunikation: das BROMACKER-Projekt

Ein Meilenstein in der Erforschung der berühmten Fossillagerstätte ist das 2020 gestartete Projekt „Öffnen von Wissenschaft: Neue Wege des Wissenstransfers am Beispiel des Forschungsprojekts BROMACKER“. Das BROMACKER-Projekt verzahnt Forschung und Wissensvermittlung miteinander und stößt für die Öffentlichkeit ein Fenster in ein Ökosystem vor 294 Millionen Jahren auf.

An dem Projekt beteiligt sind neben der Friedenstein Stiftung Gotha die Friedrich-Schiller-Universität Jena, das Museum für Naturkunde Berlin – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung und der UNESCO Global Geopark Thüringen Inselsberg – Drei Gleichen.

Das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten (TMUENF) setzt nach Auslaufen des bisherigen Bundesprojekts die Förderung mit Landesmitteln bis vorläufig Ende 2027 fort. Mit der Fortführung der Ausgrabungen, Präparation, Sammlungsbetreuung und diverser Bildungsangebote und Vermittlungsformate für die breite Öffentlichkeit soll auch der Welterbestatus des UNESCO-Titels des Geoparks Thüringen Inselsberg – Drei Gleichen abgesichert werden. Die Forschung am Bromacker ist dafür maßgeblich.

 

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