Wer gedacht hatte, bereits gegen Vechta oder Leipzig alle Facetten des Basketballs in der 2. Basketball-Bundesliga ProA gesehen zu haben wurde gegen Düsseldorf mal wieder eines Besseren belehrt. Mit einem beeindruckenden Sturmlauf über drei Viertel gelang Science City am Donnerstagabend vor 1050 begeisterten Zuschauern die Rückkehr auf Rang 6 der ProA, einen Playoff-Platz.
Während sich das Eichler-Team mit dem 88:78-Sieg gegen die Rheinländer kurz vor dem großen Finale am Neckar wieder berechtigte Hoffnung auf die Saison-Verlängerung machen darf, ragte mit Tim Schwartz ein Spieler heraus, dem ein fast perfektes Spiel gelang. Der gebürtige Pfälzer knipste bis zur 24.Minute jeden seiner losgelassenen Distanzwürfe, kam am Ende auf 25 Punkte in nur knapp 22 Minuten Spielzeit.
„Auch wenn es am Ende noch einmal knapp geworden ist hat Jena verdient gewonnen. Wir wussten, dass es nicht einfach werden würde in dieser engen und lauten Halle bestehen zu können. Ich hoffe ein Playoff-Duell mit Science City vermeiden zu können“, bilanzierte Gäste-Coach Murat Didin nach der Partie.
Unterdessen zeigte sich Georg Eichler wenigen Minuten nach dem Sieg über die Leistung seines Teams erfreut, zollte auch Schwartz den aufgrund seiner Vorstellung gebührenden Respekt. „Die Mannschaft hat von Beginn an gezeigt, dass sie gewinnen wollte. In den Schlüsselsituationen haben wir offensiv enorm stark agiert, so schnell unseren Rhythmus finden können und die zwei wichtigen Punkte gegen einen starken Kontrahenten eingefahren“, resümierte Jenas Coach.
Während bereits die Anfangsphase Grund für gedämpften Optimismus versprühte, Lee Jekas Dreier zum 11:5 und der anschließende Verstopfer durch Düsseldorfs Chris Gadley die Stimmung in dem altehrwürdigen Basketball-Tempel in Lobeda anheizte, spielte sich Science City im Anschluss von Minute zu Minute hinein in einen Rausch. Bereits im Startviertel schien der Düsseldorfer Korb wie ein Trichter zu fungieren, setzten Jeka, Schwartz und Sim mit ihren Treffern jenseits des Perimeters immer wieder feine Nadelstiche zwischen die Verteidigungsreihen der Gäste.
Eine beruhigende 25:17-Führung nach dem ersten Viertel war jedoch noch längst nicht das Ende der Fahnenstange. Jeka und Schwartz im Doppelpack ließen Jenas Vorsprung bis zur 12.Minute auf 35:17 anwachsen. Auch hinten standen die Thüringer wie stabil wie die Alpen, zwangen die Gäste wiederholt zum Überschreiten der Shotclock. Erst nachdem sich das Eichler-Team bis auf 40:17 (14.) abgesetzt hatte schaltete Düsseldorf in den zweiten Gang.
Mit einem 10:1-Lauf der Gäste versuchten sich die bereits überrundeten Baskets in die Begegnung zurück zukämpfen, kassierten bis zur Halbzeitsirene jedoch prompt wieder eine Punkteserie der Hausherren, um sich mit einer Jenaer 52:30-Führung in die Kabinen verabschieden zu müssen.
Was nach Wiederanpfiff folgte war ein Schwartzscher Dreierhagel, der Gäste-Trainer Murat Didin nervös an der Seitenlinie hin- und her tigern ließ. Innerhalb der ersten vier Minuten nach der Halbzeit hatte der 25-jährige Flügel weitere drei Male hingelangt, auf 68:42 erhöht und tiefe Sorgenfalten in die Stirn des Türken gegraben. Nachdem Lee Jeka sich in dieser Phase ein persönliches Schützenfest mit Schwartz zu liefern schief, seinerseits von draußen abzog um auf 73:49 zu vollenden, hatte Düsseldorfs sichtlich entnervter Center Chris Gadley kurz vor der Viertelsirene bei seinem ersten Freiwurf Glück gerade noch so den Ring zu berühren. Der zweite Wurf saß dann jedoch sicher und so leuchtete vor dem finalen Viertel eine entspannte Jenaer 73:50-Führung von der Anzeigetafel.
Mit Beginn des letzten Spielabschnitts waren es jedoch nun die Gäste die mit dem Mut der Verzweiflung spielend und kontinuierlich verkürzend wieder gefährlich näher kamen. Innerhalb weniger Zeigerumdrehungen auf 76:61 (34.) verkürzend, zog Eichler die taktische Notbremse, Auszeit. Doch diese mentale Pause schien bei Jenas Spielern nur bedingt gewirkt zu haben. Nachdem Gary Johnson mit einem Dreier den Düsseldorfer Rückstand beim 76:67-Zwischstand in der 36. Minute tatsächlich wieder in den einstelligen Bereich gebracht hatte, antwortete Lee Jeka mit einem klassischen Floater auf Höhe der Freiwurflinie zum 78:67. Was folgte war ein Schlagabtausch, in dem sich beide Teams offensiv neutralisierten, fast parallel punktend die Schlussphase einleiteten. Während Düsseldorf allerdings die Zeit wegrannte fingen sich die Saalestädter, um mit geschickten Zeitmanagement das Duell zu entscheiden.
Bevor Ermen Reyes-Napoles den Pokal des Vita-Cola-Saison-MVPs entgegennehmen konnte, feierten die trotz der spannenden Schlussphase durch die drei vorherigen Viertel völlig euphorisierten Anhänger des Zweitligisten mit einem zünftigen Uffta den vorletzten Schritt in Richtung Aufstiegsrunde.
SCJ: Schwartz 25 Punkte, Jeka 14 (10 Assists), Watts 12, Barker 10, Sim 9, Wysocki 8, Roquette 6, Reyes-Napoles 2, Adomaitis 2, Peric, Strauß, Krumbeck
Autor: Tom Prager























