Bilanz von AGATHE nach einem Jahr im Landkreis Gotha

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AGATHE-Beratungsfachkraft Simone Schieke (Quelle: Landratsamt Gotha)

Älter werden ist mit vielen Unannehmlichkeiten verbunden. Eine davon tritt häufig mit dem Übergang in den Ruhestand auf. In der Folge kommt es immer wieder zur Vereinsamung. Doch das allein würde das Aufgabenfeld von AGATHE nicht ansatzweise abdecken.

Im Jahr 2023 beschloss der Kreistag, an dem Programm des Thüringer Ministeriums für Soziales teilzunehmen. Seit Sommer 2024 sind sechs Fachkräfte im Landkreis unterwegs und beraten Seniorinnen und Senioren. „Der Start im vergangenen September ist bereits gut gelaufen. Mit 223 Gesprächen im letzten Jahr war die Nachfrage nach dem Angebot angemessen“, sagte Nicole Gruhl, Koordinatorin von AGATHE im Landkreis Gotha, auf der Pressekonferenz zur Vorstellung der Bilanz nach einem Jahr. „Im ersten Halbjahr 2025 hingegen wurden schon 552 Beratungen durchgeführt.“ Und nach Ansicht der Koordinatorin werde die Nachfrage nicht nachlassen. Über diese Zahlen freuen sich aber nicht nur die Beratungsfachkräfte. Um Landesmittel zu erhalten, muss das AGATHE-Team im Landkreis Gotha Vorgaben erzielen. So sollen die Angestellten pro Jahr insgesamt 1.000 Beratungen tätigen und 20 Prozent der potenziellen Betroffenen erreichen. Von rund 135.000 Gothaerinnen und Gothaern sind etwa 40.000 63-Jährige oder Ältere. Über 13.000 von diesen leben allein. Jene letzte Gruppe gehört zu den Klienten, die mit AGATHE erreicht werden sollen.

Durch das Landesprogramm des Thüringer Sozialministeriums soll Senioren geholfen werden, aus der Einsamkeit und sozialen Isolation zu entkommen. Dazu wenden sich Betroffene mit ihren Problemen an die Beratungsfachkräfte. Nach einer Schilderung wird ein passender Termin – entweder bei den Senioren zu Hause, für einen gemütlichen Spaziergang oder in einem von der jeweiligen Gemeinde oder Stadt zur Verfügung gestellt Raum in einem Verwaltungsgebäude – vereinbart. Neben den Informationen zu Freizeit- und Gemeinschaftsangeboten helfen die Fachkräfte von AGATHE bei rechtlichen Belangen. Senioren können Hilfe beim Antrag auf Wohngeld, der Anpassung des Pflegegrads und der Nutzung eines Fahrdienstes erhalten. Die Mitarbeiter wurden dafür geschult. „Es ist mittlerweile so, dass bei der ersten Kontaktaufnahme alles rund um Pflege als Hauptanliegen auftritt. Bevor sich die Klienten überhaupt mit Gemeinschaftsprojekten beschäftigen, wollen sie dieses Grundbedürfnis zuerst klären“, meinte Johanna Steinhauer, Beratungsfachkraft für AGATHE. Anträge auf eine Pflegestufe, Vermittlung zu einem Fahrdienst oder die Beschaffung einer Haushaltshilfe haben eine höhere Priorität, da hiermit ein selbstbestimmtes Leben der Senioren in den eigenen vier Wänden ermöglicht wird.

Das Bewerben des Projekts, zum Beispiel im Amtsblatt und durch persönliche Anschreiben des Landrats, im Landkreis Gotha habe sich gelohnt. Das Feedback falle durchweg positiv aus. Die Bilanz, im Rahmen einer thüringenweiten Evaluation, zeige, dass Senioren nach Beratungen ihre Lebensqualität erheblich steigern konnten. „Eine Klientin wollte beispielsweise nur wissen, wie sie in ihrer Gemeinde mit anderen in Austausch treten kann. Bei dem persönlichen Gespräch bei ihr stellte unsere Fachkraft fest, dass die Frau eine sehr geringe Rente erhielt. Also halfen wir ihr mit der Beantragung von Wohngeld und der Neubewertung ihrer Pflegestufe. Es ist unglaublich, wie dankbar sie für diese Hilfe war“, erinnerte sich Johanna Steinhauer.

Nicht nur in der Gegenwart bleiben die Fachkräfte weiterhin engagiert. Für 2026 sind schon einige Projekte geplant. „Einerseits wird es neue Schulungsangebote für unsere Beratenden geben. Andererseits richten wir in Gotha-West in Kooperation mit der TAG Wohnen einen AGATHE-Standort ein“, erklärte Nicole Gruhl. Alle Beratungen im Rahmen des Programms sind für Interessierte kostenlos.

Fürs Erste wird das Programm des Thüringer Ministeriums für Soziales auf drei Jahre begrenzt. Nach der Bilanzziehung könnte eine Verlängerung der Laufzeit auf fünf Jahre stattfinden.

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