Politik und Wetter spielen den Landwirten im Landkreis Gotha stark mit

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Landrat Onno Eckert und Vorstandsmitglied Heiko Giese (Agrargenossenschaft Goldbach e.G.) probieren die Kartoffeln der Saison

Die Erntesaison im Landkreis Gotha neigt sich dem Ende entgegen, und somit war es für Landrat Onno Eckert wieder einmal an der Zeit, einen landwirtschaftlichen Betrieb zu besuchen. In diesem Jahr traf er sich in Warza bei der Agrargenossenschaft Goldbach e. G. mit Mitgliedern des Thüringer Bauernverbands und dem Vorstand der Genossenschaft.

Am Vormittag des 15. September regnete es in Warza – ein passendes Spiegelbild für die Stimmung beim Treffen von Landrat und Vertretern aus der Landwirtschaft. Von außen betrachtete hätte die Saison im Jahr 2025 doch prima laufen müssen. Der Sommer in Thüringen schien nicht so heiß und ständig überraschte einen der Regen.

Doch weit gefehlt: „Den stärksten Einfluss auf unsere Pflanzen hatten die Niederschläge rund um Ostern. Der ‚regnerische‘ Sommer hat in Mittelthüringen kaum etwas gebracht. Wichtig wäre für uns ein lang anhaltender Landregen gewesen“, beurteilte Martin Hirschmann, Regionalreferent Mittelthüringen des Thüringer Bauernverbands, die Situation. Sehr zufrieden sind die Landwirte mit der Gesamtsituation nicht. Selbst die überdurchschnittliche gute Ernte beispielsweise von Braugerste und Winterraps konnten die Gewinne der Betriebe kaum erhöhen. „Wir haben das Problem, dass durch die gestiegene Menge an Rohstoffen der Abnahmepreis eingestürzt ist“, erklärte Hirschmann. 2024 galt bei der Abnahme von Elite-Weizen – der höchsten Qualitätsstufe – ein Preis rund 240 Euro pro Tonne. In dieser Saison lag er bei ca. 190 Euro pro Tonne. Doch das allein mache die prekäre Situation der Landwirte im Landkreis Gotha nicht aus.

Strenge Vorgaben und Regularien aus der Politik erschweren die Arbeit in der Nahrungsmittelproduktion und schränken die Wettbewerbsfähigkeit lokaler Betriebe zunehmend ein. Sehr kritisch sehe der Thüringer Bauernverband das „Mercosur-Abkommen“ zwischen der Europäischen Union und den südamerikanischen Mitgliedsstaaten. „Es vereinfache zwar den Export unserer Waren nach Lateinamerika, aber umgekehrt kann unser Markt nun mit billigen Importen überschwemmt werden“, schimpfte Hirschmann. Weitere Unsicherheiten entstehen durch Gesetze im Zusammenhang mit dem Klimaschutz. Der Regionalreferent für Mittelthüringen hebt hier den neuen Regionalplan „Wind“ hervor, bei dem der Bau von Windrädern und Ernergiespeichern auf landwirtschaftlich genutzten Flächen priorisiert werde. „Die Ausgleichszahlungen von 8.000 oder 9.000 Euro sind da auch keine angemessenen Entschädigungen unserer wirtschaftlichen Verluste“, betonte Hirschmann. Vom immensen bürokratischen Aufwand ganz zu schweigen.

Doch nicht nur er sieht Kritik und wünscht sich schnellen Handlungsbedarf. Toralf Hildebrand, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Gotha, ist besorgt, dass die Versorgungssicherung mit heimischen Produkten oft vernachlässigt werde. In den Jahren der multiplen Krisen gerate die Aufmerksamkeit für die Produktion von Nahrungsmitteln zu oft aufs Abstellgleis. Dabei habe sich der Markt für Agrarprodukte in den vergangenen Jahren stark gewandelt: „Unsere Konkurrenzfähigkeit gegenüber Produkten aus dem EU-Ausland und anderen EU-Mitgliedsstaaten nimmt immer weiter ab. Wir haben in Deutschland wirklich gute Standards, sei es die Arbeitssicherheit und Entlohnung der Angestellten oder der Natur- und Pflanzenschutz. Aber dadurch sind unsere Produkte auch teurer“, so Hildebrand. Hinzu kommt, dass neue Gesetzt und Verordnungen die Modernisierung der Betriebe verlangsamen und Investitionen hemmen. Ein ähnliches Problem ergebe sich auch in der Tierhaltung. „Die Anpassungen bei der Kennzeichnungspflicht und den Haltungsnormen erfolge in zu kurzen Zeitabständen. Es muss jetzt für einen sehr langen Zeitraum Klarheit geschaffen werden, um den Betrieben Stabilität zu ermöglichen und einen Raum für Investitionen zu schaffen“, ergänzte der Vorsitzende des Kreisbauernverbands.

Ein weiterer Störfaktor in der Freiland-Tierhaltung ist der Wolf: Immer häufiger werden Nutztiere gerissen. Dies sei ein Albtraum für die Landwirte und werde nicht länger geduldet, wie Toralf Hildebrand erklärt. Er fordert eine Verschärfung des Jagdrechts zur Regulierung der Wolfspopulation.

Auch Heiko Giese, Vorstandsmitglied der Agrargenossenschaft Goldbach, nutzte die Gelegenheit zur Kritik. Die Debatte um die Erhöhung des Mindestlohns beschäftigt ihn besonders. Steigt dieser, müssen auch qualifizierte Mitarbeiter mehr verdienen, um das Lohngefälle aufrechtzuerhalten. Wie auch seine Kollegen vor ihm wünscht er sich klare Konzepte und Vorgaben von der Politik. „Wir brauchen jetzt eine ‚Grundfeste‘, um unsere Planungen voranzutreiben und im Wettbewerb bestehen können“, äußerte Giese. Ein ganz wichtiger, häufig unbedachter Aspekt ist hierbei der Föderalismus. Selbst bei Themen, wie der Lagerung von Flüssigmist, gebe es von Bundesland zu Bundesland gravierende Unterschiede, mahnte das Vorstandsmitglied an. Damit schaffe man sich sogar im eigenen Land eine starke Konkurrenz und Standards bei er Erzeugung oder beispielsweise der Lagerung von Rohstoffen weichen oft stark ab.

Dieser Morgen offenbarte jedoch nicht nur, wo es Verbesserungsbedarf gibt. Einige Lichtblicke blitzten auf. Der Kreisbauernverband Gotha und die Agrargenossenschaft lobten die Zusammenarbeit mit dem Landkreis. „Als Landrat kann ich auch nicht alles anpacken. Manches liegt einfach nicht in meiner Zuständigkeit. Aber der gemeinsame Austausch ist wichtig. Und wenn dieser stattfindet, werden wir auf Differenzen stoßen. Diese konnten in den letzten Jahren aber konstruktiv aufgelöst werden“, meinte Onno Eckert. Auch bei der Anwerbung von Nachwuchskräften zeige sich die Agrargenossenschaft Goldbach kreativ. „Wir gehen schon recht früh in die Kindergärten und Schulen. Dann besuchen uns die Kinder und lernen, wo ihr Essen eigentlich herkommt und welche Arbeit damit verbunden ist. In den städtischen Gebieten gerät das zu oft in Vergessenheit. Bisher ziehen wir aus diesen Exkursionen eine positive Bilanz“, offenbarte Heiko Giese. Dazu ergänzte Landrat Onno Eckert: „Ein Berufsweg in der Landwirtschaft hat immer eine Zukunft. Immerhin werden die Menschen auch in 100 Jahren noch Essen brauchen.

Nachdem der Austausch über die aktuelle Lage beendet war, führten die Vorstandsmitglieder der Agrargenossenschaft Goldbach Heiko Giese und Steffen Wolfram den Landrat und die Vertreter des Bauernverbands über die Anlage in Warza. Zu sehen gab es dabei die riesigen Kornspeicher für den Winterweizen und die Braugerste. Der nächste Haltepunkt war die Kartoffelsortieranlage. Hier wurde bereits am Morgen fleißig auf die Qualität der Kartoffeln geachtet und Fremdkörper aussortiert. Zu guter Letzt ging es noch in den Hofladen. Die Genossenschaft verkauft hier neben den eigenen Kartoffeln auch Produkte lokaler Lebensmittelhersteller, z.B. Wurstwaren der Fleischerei Hill und Säfte von Fahner Frucht.

Beendet wurde der Betriebsbesuch des Landrats dann noch mit einer Verkostung. Zwei Sorten Kartoffeln servierte die Agrargenossenschaft und tischte zusätzlich selbstgemachten Quark der Prokuristin mit auf. Obwohl nicht alles rund läuft und auch die Kartoffelernte nach Angaben von Heiko Giese eher mau ausgefallen ist, kann man es sich nun schmecken lassen.

Und mit einem hoffnungsvollen Ausblick – auch der Regen legte sich und einige Sonnenstrahlen kämpften sich durch die Wolkendecke über Warza – verabschiedete Martin Hirschmann vom Thüringer Bauernverband den Landrat. „Die Aussaat für die nächste Saison ist schon getätigt. Jetzt müssen wir nur noch auf gutes Wetter hoffen“.

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