Jetzt ist es vorbei. Seit ihrer Gründung 2019 hatte die Landgemeinde Nessetal an der Planung für den Neubau eines Kindergartens gearbeitet. Das Vorhaben wurde nun gestoppt. Zeichnet sich hier ein Problem für die Zukunft ab?
Das Gebäude in Wangenheim, in dem sich der Kindergarten „Gänseblümchen“ (hier im Bild zu sehen) befand, war schon lange baufällig. Bevor die Bauaufsicht des Landkreises das Haus Anfang Oktober 2025 sperrte, versuchte die Gemeindeverwaltung alles, um das Haus zu erhalten, sagte Bürgermeisterin Eva-Marie Schuchardt auf Nachfrage unserer Zeitung.
„Wir haben extra Geld in die Hand genommen und versucht, das Haus mit Stützen statisch zu sichern“, erklärte sie. Doch ohne Erfolg: Der Gewölbekeller im Gebäude machte einen weiteren Betrieb unmöglich. Seitdem sind Kinder und Personal im Kindergarten in Warza untergebracht. Aus diesem Grund beschloss der damalige Gemeinderat, einen neuen Kindergarten zu schaffen. „Erst 2023 erhielten wir einen Bescheid über Mittel aus der Städtebauförderung erhalten“, erzählte die Bürgermeisterin. Diese wären für die Jahre 2026 und 2027 abrufbar gewesen. Der Stichtag für einen möglichen Baustart rückte immer näher. Im Haushalt 2026 wurde der Bau mit geschätzten Kosten von 2,8 Millionen Euro verankert. Dennoch stoppte der 2024 gewählte Gemeinderat den Neubau. Seit Ende Februar herrscht Gewissheit: In Wangenheim wird es keinen neuen Kindergarten geben, und die dort betreuten Kinder bleiben in Warza. Im gleichen Atemzug kündigte die Gemeinde Nessetal die Trägerschaft der Gothaer Diakonie auf. „Es ist sehr schade und traurig, dass die Gemeinde diesen Schritt gegangen ist“, sagte Anne-Juliane Pogander, Geschäftsführerin des Diakoniewerks Gotha, auf der Jahrespressekonferenz der Diakonie am 5. März. Das Personal werde jedoch vom kommunalen Träger übernommen. Der Gemeinderat habe per Abstimmung entschieden, dass die Landgemeinde Träger aller Kindergärten sein soll, erklärte Eva-Marie Schuchardt. Bei der Diakonie führte dies zu Unverständnis.
Die Entwicklung im Bereich der Kinder- und frühkindlichen Betreuung werde sich weiter zuspitzen. Schon jetzt sieht sich die Landgemeinde gezwungen, weitere Einrichtungen zu schließen. „Auf 400 freie Plätze kommen rund 240 betreute Kinder“, so die Bürgermeisterin. Der Trend verspreche keine Besserung. Die rückläufigen Geburtenraten machten den Betrieb einzelner Kindergärten zunehmend schwierig, merkte Schuchardt an. Die Kosten für eine Kleingruppe von 15 Kindern seien nicht tragbar, bekräftigte sie. „Ende August 2027 wird der Kindergarten in Westhausen geschlossen. Dort sind derzeit nur noch acht Kinder gemeldet.“
Hier erhoffte sich die Bürgermeisterin ein deutliches Signal aus der Landespolitik. „Es soll keine Augenwischerei mehr geben. Es bringt nichts, totgesagte Einrichtungen mit Geld zuzuschütten“, meinte sie. Die Zeit sei gekommen, intensiv mit den Kommunen zu beraten und verfügbare Gelder so sinnvoll wie möglich einzusetzen. So könne sie sich vorstellen, die Personalpauschalen für die beitragsfreien Kita-Jahre zu erhöhen. Schon jetzt müsse die Kommune dort erheblich draufzahlen. „Ich erwarte vorausschauendes und sachliches Handeln. Jeder kennt die Geburtenzahlen. Niemand darf in blinden Aktionismus verfallen“, schloss Eva-Marie Schuchardt.
Dieser Artikel erschien im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 3 (2026)






















