Ohne Käpt’n, ohne Rhythmus, ohne Sieg – Science City unterliegt im Artland

0
114

Mit einer 77:66-Niederlage hat das personell dezimierte Team von Science City Jena, nach eigenen Angaben, den langen Heimweg aus Quakenbrück anzutreten. Die Mannschaft von Interims-Coach Steven Clauss unterlag am Samstagabend bei den Artland Dragons nach einer eher gebrauchten Vorstellung, hatte neben den beiden Centern Oliver Mackeldanz und Lars Lagerpusch zusätzlich den Ausfall von Kapitän Dennis Nawrocki zu verkraften. Der 27-jährige Topscorer der Thüringer musste aufgrund muskulärer Problemen in der Wade präventiv aussetzen, um einer schwerwiegenderen Verletzung vorzubeugen.

Während bei den Thüringern Aufbauspieler Brad Loesing nach seiner mehrwöchigen Kapselverletzung zurückkehrte und auch die beiden Neuzugängen Kamau Stokes sowie Kavin Gilder-Tilbury ihren Einstand im Jenaer Trikot geben konnten, war den Saalestädtern über weite Teile der Partie der fehlende Rhythmus anzumerken. Einmal mehr erwies sich zudem der Bereich unter den Körben als sprichwörtliche Problemzone. Die Niedersachsen entschieden das Duell um die Rebounds deutlich mit 48:35 zu ihren Gunsten. Zum wichtigsten Schrittmacher des Artländer Sieges avancierte dabei Center Robert Oehle, der sich mit einem Double-Double aus 18 Punkten und elf Rebounds in das Scouting eintragen konnte.

Trotz der Niederlage rangiert Science City Jena auch weiterhin auf dem 3. Tabellenplatz der BARMER 2. Basketball Bundesliga, empfängt bereits am kommenden Mittwochabend um 19.30 Uhr die ROSTOCK SEAWOLVES um Ex-Bundestrainer Dirk Bauermann zum Heimspiel in der Sparkassen-Arena.

Während sich beide Kontrahenten im Verlauf eines zunächst enorm punktearmen Startviertels auf Augenhöhe duellierten, die Führung bis zum zwischenzeitlichen 9:8 (5., Hundt) viermal gewechselt hatte, setzten sich die Hausherren bis zur ersten Pause auf 19:13 ab. Auch der zweite Abschnitt entwickelte sich offensiv enorm zurückhaltend. So vergingen knapp zweieinhalb Minuten, bevor der erste Korb des Viertels fiel, mit dem sich Jenas Neuzugang Kamau Stokes in die Statistik eintragen konnte (19:15). Nachdem Joschka Ferner im weiteren Verlauf seinen Distanzwurf stabilisierte, jenseits des 6,75m-Perimeters erfolgreich abschließen konnte und mit zwei ansatzlosen Dreiern für den Jenaer 23:21-Anschluss gesorgt hatte, nutzten die Dragons eine offensiv produktivere Phase, um sich bis zur Halbzeit erstmalig komfortabler auf 36:28 abzusetzen. Zu verdanken hatten die Niedersachsen ihren Vorsprung in erster Linie der augenfälligen Dominanz unter den Brettern (25:15 Rebounds).

Nachdem beide Teams bis auf wenige Ausnahmen im Verlauf der ersten Hälfte mit verbundenen Augen geworfen zu haben schienen, fanden die Hausherren nach Beginn der zweiten Halbzeit zunehmend ihren Rhythmus und enteilten, von Routinier Chase Griffin angeführt, bis auf 46:39. Während Malik Dunbar mit seinem Dreier zum 49:39 (24.) nachlegen konnte, war die erste zweistellige Differenz des Spiels erreicht. Science City versuchte sich zu wehren, fand jedoch keine entsprechenden Antworten auf die sich kontinuierlich steigernde Offensive der Dragons. Die Folge, ein zwischenzeitlicher Jenaer 59:45-Rückstand vor dem Gang in das Schlussviertel, schien das Duell in Richtung der Hausherren entgleiten zu lassen. Dennoch blieb den Saalestädtern noch ein ganzer Spielabschnitt zur Kurskorrektur. Auch wenn die finalen zehn Minuten nach einem Dreier von Jannes Hundt zum 62:45 eher suboptimal begannen, konterten die Thüringer nun energischer.

Während Julius Wolf mit seinem Korbleger zum 62:47 antwortet, Jenas Co-Kapitän anschließend im Kampf um einen Rebound von Pierre Bland am Kopf getroffen wurde und sich die Thüringer im Vorwärtsgang befanden, unterlief Kamau Stokes ein Offensiv-Foul. Die Szene unter dem Jenaer Korb hatte jedoch die Gemüter hochkochen lassen und so entwickelte sich nachträglich noch einmal eine unübersichtliche Rudelbildung auf Höhe der Mittellinie, die mit der Disqualifikation von Chase Griffin und Paul Albrecht endete. Fortan um die beiden Akteure dezimiert, startete Science City eine Aufholjagd, die den Quakenbrücker Vorsprung nach Brad Loesings Korb zum 64:55 (34.) mit drei verwandelten Freiwürfen von Kavin Gilder-Tilbury kontinuierlich bis auf 66:58 schmolz. Doch bereits die darauffolgende Antwort der Drachen, ein Dreier von Artland-Flügel Danielius Lavrinovicius zum 69:58, beendete alle Gedankenspiele einer möglicherweise doch noch von Erfolg gekrönten Aufholjagd. Den Niedersachsen gelang somit innerhalb weniger Wochen das Kunststück, mit den Eisbären Bremerhaven (99:87) und Science City Jena zwei Teams der ProA-Top3 zu schlagen.

Steven Clauss (Interims-Coach Science City Jena): „Wir haben kein gutes Spiel abgeliefert, uns durch die Stimmung in der Halle und die Aggressivität der Dragons ein wenig den Schneid abkaufen lassen und stattdessen in Fluchtverhalten gegenüber den Schiedsrichters versucht, uns zu rechtfertigen. Am Ende muss man bilanzieren, dass wir nicht hart genug gespielt haben, erneut große Probleme beim Offensiv-Rebound hatten und auch die Bindung der zwei neuen Spieler sehr schwierig war. Neben den 18 Ballverlusten wurde natürlich Dennis schmerzlich vermisst. Das Ergebnis geht in Ordnung. Die Mannschaft aus dem Artland hat härter und mehr gekämpft als unser Team und wir waren nicht in der Lage, um uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Insofern haben wir einige Hausaufgaben zu erledigen, an denen wir wir konsequent arbeiten müssen. Das betrifft neben unserem Spiel auch die bessere Einbindung von Kamau und Kavin. Unsere 20 prozentige Wurfquote aus der Distanz sowie 66 Punkte am Ende waren deutlich zu wenig, um einen Gegner zu schlagen, der selbst nur 77 Punkte erzielen konnte.“

Punkteverteilung Science City Jena: Loesing 14, Ferner 12, Leon 12, Gilder-Tilbury 11, Wolf 7, Vest 4, Herrera 3, Stokes 2, Heber 1, Reyes-Napoles

Punktverteilung Artland Dragons: Oehle 18 (11 Reb.), Dunbar 14, Griffin 13, Bland 11, Lavrinovicius 9, Hundt 7, Ebinum 4, Döding 1, Albrecht, Röll, Lau, Möller

Spielfilm: 1. Viertel 19:13 – 2. Viertel 36:28 – 3. Viertel 59:45 – 4. Viertel 77:66

The Londoner - Gotha

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT