Saisonstart für Waldameisen

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Mögen untersonnte Waldränder für ihre imposanten Bauwerke: Waldameisen. Thüringens Forstleute schützen und fördern die Sechsbeiner. Foto: Dr. Horst Sproßmann/ThüringenForst

Von der Größe unscheinbar, spielen Waldameisen im Ökosystem Wald eine wichtige Rolle. Das wissen auch Forstleute und schützen und fördern die Sechsbeiner wo möglich.

Erfurt/Gotha (red/hs, 30. März). Wohl jeder Waldfreund kennt Waldameisen. Auf der Picknickdecke ein Quälgeist, beeindrucken die Sechsbeiner mit ihren vielfältigen Leistungen für das Ökosystem.

Waldameisen werden nach der winterlichen Kältestarre mit den Frühjahrstemperaturen jetzt aktiv. Faszinierend ist bei diesen Insekten, dass sie, wie die Honig- oder Wildbienen, in straff organisierten Staatengemeinschaften mit verschiedenen Kasten leben, die jeweils klar definierte Aufgaben besitzen.

Und als wäre das nicht schon genug, sind Waldameisen auch noch herausragende Bauingenieure. Ameisenhügel sind wie Eisberge, der sichtbare Teil auf dem Waldboden ist nur ein kleiner, gleichwohl wichtiger Teil des viel größeren unterirdischen Gesamtbauwerks. Und das besitzt insbesondere zum Schutz der Brut eine ausgeklügelte Thermoregulierung, vergleichbar einer Klimaanlage. „Forstleute haben die herausragende ökologische Rolle der Waldameisen schon im 19. Jh. erkannt, insbesondere in Bezug auf die Regulation von Schadinsekten. Der Schutz der Waldameisen ist deshalb geradezu traditionell ein forstliches Thema“, so Volker Gebhardt, Vorstandssprecher der ThüringenForst-AöR.

Um Ameisennester herum wachsen Bäume besonders gut
Die unterirdische Nestbautätigkeit der Waldameisen führt zu einer physikalischen, chemischen und biologischen Verbesserung des Bodens. Die Erde wird von den emsigen Krabbeltieren durchwühlt, durchmischt und mit Nährstoffen angereichert. Die für das Baumwachstum ungünstige Bodenversauerung wird vermindert, die Krümelstruktur lässt mehr Sauerstoff in den Boden gelangen, auch das Regenwasser versickert leichter. Dies führt dazu, dass die Feinwurzeln umliegender Bäume in Richtung der Ameisennester wachsen, um ihre Vitalität zu verbessern. Bäume um Ameisennester herum blühen auch häufiger und produzieren mehr Blüten und Samen. Samen, der durch Ameisen auch noch verbreitet wird, da die Tierchen richtige Schwerlastträger sind. Und nicht zuletzt: Waldameisen sind wichtige Nahrungsquelle für viele Waldarten wie Spechte, Raufußhühner oder auch Wildschweine und Dachse.

Waldmeisen können Forstschädlinge regulieren helfen
Große forstliche Bedeutung haben die Waldameisen als Jäger anderer Insekten wie etwa Borkenkäferlarven oder Schmetterlingsraupen. Pro Jahr verfüttern sie Millionen dieser Beutetiere an Brut und Königin. Bei forstlichen Schädlingsvermehrungen können im Umkreis von 100 Metern um das Nest täglich bis zu 100.000 Schadinsekten vertilgt werden – etwa Eichenwickler-, Schwammspinner oder auch Eichenprozessionsspinnerraupen. Borkenkäfereier und –larven stehen ebenfalls in großen Mengen auf ihrem Speiseplan. Der Anstieg forstlicher Schadinsekten, sowohl in Nadel- wie Laubwäldern, können so in der Nestumgebung auf bis zu einem Hektar wirkungsvoll reduziert werden. Dieser Effekt ist deshalb so beachtlich, weil Waldameisen im Frühjahr ihren größten Hunger entfalten, just wenn viele Raupen schlüpfen bzw. Borkenkäfer zum Brutgeschäft übergehen. Forstleuten und Waldbesitzenden liegt der Ameisenschutz deshalb besonders am Herzen.

Forstlicher Ameisenschutz beinhaltet vielfältige Maßnahmen
Bei Gefahr der Ausdunkelung eines Volkes durch ein zu dicht geschlossenes Kronendach werden Äste, Kronenteile oder gleich der ganze Baum entfernt. Grundsätzlich wird beim Wegebau und bei der Holzernte, insbesondere bei der Rückung, Rücksicht auf vorhandene Nester genommen z. B. durch entsprechende Hinweise auf dem Arbeitsauftrag des Forstdienstleisters. „Mit ein wenig Aufmerksamkeit im täglichen forstbetrieblichen Handeln können Waldameisen nicht nur geschützt, sondern auch gefördert werden“, so Gebhardt abschließend.

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