Der VC Gotha unterlag in seinem letzten Saisonspiel am 25. Februar zu Hause gegen evivo Düren mit 2:3 (20; 23; -20; -22; 9). Da zeitgleich der amtierende Deutsche Meister VfB Friedrichshafen, der in Spergau nur mit sechs Spielern der zweiten Reihe und ohne Libero antrat, beim dortigen CV Mitteldeutschland mit 2:3 verlor, verpasste Gotha als Tabellenneunter die Play-Off-Runde.
Der Rahmen in der Ohrdrufer Goldberghalle passte. Knapp 700 erwartungsfrohe Zuschauer, darunter ca. ein Dutzend aus Düren angereiste „Moskitos“ vom dortigen Fanclub, bildeten die lautstarke Kulisse für eine denkwürdige Begegnung, die gleichzeitig Gothas fünfzigstes Erstligaspiel war. Die Ausgangslage für beide Teams war eindeutig. Nur der Sieger würde sicher die Play-Offs erreichen. Der Verlierer aber wäre abhängig vom Ergebnis in Spergau.
Der Bedeutung des Spiels entsprechend, begannen beide Teams nervös. Dann waren es die Gäste, die diese Nervosität als Erste abschüttelten. Düren setzte die Vorgabe ihres Trainers Söhnke Hinz, mit hartem Service Gothas Annahme zu stören, konsequent um. Besonders Diagonalangreifer Böhme (8) und Außenangreifer Fromm (2) taten sich mit ihren Spinaufschlägen dabei hervor. In der Folge setzten sich die Westdeutschen beim 14:9 auf bis zu fünf Punkte ab. Beim VC war dabei auffällig, dass neben den Problemen in der Annahme auch der Block ausfiel und im 1.Satz kein Blockpunkt gelang. So hatte man insbesondere den brachialen Angriffsschlägen von Böhme, der insgesamt 31 Punkte erzielte, zunächst wenig entgegen zu setzen. Mit 25:20 ging der 1.Satz an die Dürener.
Auch im 2.Satz änderte sich daran wenig. Gotha gelangen zwar einige schöne Einzelaktionen aber das kompaktere Team war evivo. Beim Stand von 15:16 wechselte Jörg Schulz den Zuspieler. Für „Vince“ Devany kam Santino Rost. In den folgenden Minuten fand Gotha besser ins Spiel und beiden Kontrahenten schenkten sich nichts. Bis zum 23:23 stand der Satz auf Messers Schneide. Doch erneut zwei Annahmeunsicherheiten der Gothaer führten zum zweiten Satzverlust und zu einiger Ernüchterung auf den Rängen.
Zumal es auch im folgenden Abschnitt aus Gothaer Sicht zunächst nicht besser wurde. Man merkte den VC-Spielern zwar den Willen zum Erfolg an, aber irgendeine Blockade in den Köpfen verhinderte das. Hinzu kam, dass der sonstige Hauptpunktelieferant Sebastian Hähner angeschlagen war. Er kämpfte mit einer Verhärtung in der Wade und konnte so seine gewohnte Leistung an diesem Tag nicht abrufen. Folgerichtig wurde er beim Stand von 9:16 von Ákos Hoboth ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt schien die Begegnung entschieden. Doch was dann folgte, wird man nicht so schnell vergessen. Mit dem Mut der Verzweiflung stemmten sich die Gothaer gegen die drohende Niederlage. „Jak“ Ratajczak, er war inzwischen für Sven Kellermann ins Spiel gekommen, brachte mit seinen Flatteraufschlägen die Wende. Punkt für Punkt holte der VC auf. Nun klappten plötzlich Dinge, die noch kurz vorher in die „Hose“ gegangen wären. Kapitän Michael Andrei erst mit einem Block und Sekunden später mit einem versenkten „Dankeball“ des Gegners ließ die Halle Kopf stehen und brachte den VC mit 20:19 in Front. Düren war jetzt vollends von der Rolle und Gotha verkürzte zum 1:2 Satzstand.
Der 4.Abschnitt verlief dann wieder ausgeglichen. Auf Gothaer Seite wurden, angetrieben vom begeisterten Publikum, Marcel Herrmann und Ariel Hilman immer besser und punkteten häufiger. Mit dem zurückgewonnenen Selbstbewusstsein behielten die Hausherren in der umkämpften Schlussphase die Nerven und glichen zum 2:2 aus.
Zum achten Mal in dieser Saison musste nun der Tie-Break in einem Spiel der Gothaer die Entscheidung bringen. Die viel dann leider schon sehr früh. Düren gelang ein Blitzstart und die schnelle 3:0 Führung. Diesem Rückstand lief Gotha danach erfolglos hinterher. Am Spielfeldrand aber gingen die Blicke vieler Zuschauer immer öfters auf ihre Smartphones, um den Live-Ticker aus Spergau zu verfolgen. Doch auch von dort gab es kaum Trost. Während der VC Gotha aussichtslos mit 8:13 zurücklag, führten die Mitteldeutschen zum gleichen Zeitpunkt ebenfalls im Tie-Break mit 8:5. In der Goldberghalle beendeten die Dürener mit einem Ass dann das Spiel und bejubelten anschließend ausgelassen ihren Sieg. Die Gothaer Spieler, die Trainer und der Anhang verfolgten indes mit hängenden Köpfen die Ergebnisse aus Spergau. Wenige Minuten später war es traurige Gewissheit, Gotha hatte den Einzug in die Play-Offs verpasst.
Im anschließenden Interview zeigte sich Trainer Schulz verständlicherweise tief enttäuscht, lobte aber ausdrücklich den Kampfgeist seiner Spieler. „Die Mannschaft verdient großes Lob dafür, dass sie sich aus aussichtloser Lage so zurückgekämpft hat. Wir hatten es in der Hand, leider hat es nicht gereicht. Düren hat unterm Strich verdient gewonnen. Der Auftritt der Friedrichshafner möchte ich nicht kommentieren. Der VfB hat regelkonform gehandelt und die Mitteldeutschen haben ihre entsprechende Chance genutzt“, bewertete er die Situation und hielt sich darüber hinaus mit kritischen Kommentaren zurück.
Trotzdem muss die Frage erlaubt sein, was es für ein Licht auf die 1.Bundesliga und den VfB Friedrichshafen geworfen hätte, wenn sich zum Beispiel ein Friedrichshafner Spieler während der Erwärmung verletzt hätte und die Spielentscheidung dann kampflos gefallen wäre. Sicherlich hat der VfB Gründe für sein Verhalten aber ein Urteil darüber kann jeder für sich selbst fällen.
Aus den Händen von Konrad Gießmann, Landrat und Präsident des VC Gotha, erhielten nach dem Schlusspfiff Matthias Böhme und Ariel Hilman die Medaillen als MVP.
Für das Bundesligateam des VC Gotha ist damit die Saison beendet. Trotz der verpassten Play-Offs kann angesichts der bekannten finanziellen Situation am Ende trotzdem ein positives Fazit gezogen werden. Mit geringen Mitteln und einem großen Kraftakt über die gesamte Spielzeit hat sich der VC Gotha frühzeitig den Klassenerhalt gesichert, mit einigen spektakulären Erfolgen für Aufsehen gesorgt und den Thüringer Volleyballanhängern guten Spitzensport geboten.
VC Gotha mit: Michael Andrei, Issac Kneubuhl, Sven Kellermann, Marcel Herrmann, Sebastian Hähner, „Vince“ Devany, Ariel Hilman, „Jak“ Ratajczak , Santino Rost und Ákos Hoboth




















