Jeden Tag werden in Deutschland zirka 66 Millionen Briefe und Pakete mit der Deutschen Post verschickt. Dafür, dass diese auch beim Empfänger ankommen, sorgen Menschen wie Margitta Kürbs. Die 46-Jährige ist eine von bundesweit 17300 Postzustellern, die mit dem Rad unterwegs sind. Wie die Arbeit eines Fahrrad-Postboten so aussieht, wollte Oscar am Freitag einmal genauer wissen. Deshalb hat sich Redakteur Falk Böttger gleich selber in den Sattel geschwungen und Frau Kürbs auf ihrer Tour durch Winzerla begleitet.
Donnerstagmorgen. 9.30 Uhr. Es hat gerade aufgehört zu regnen. Ein kalter Wind weht durch Jenas Stadtteil Winzerla und macht es nicht gerade zu einem Vergnügen, an der frischen Luft zu sein. Aber Margitta Kürbs scheint das Wetter herzlich wenig zu interessieren – oder zumindest lässt sie sich nicht die Stimmung davon verderben. Das würde ja auch nichts ändern. „Wir müssen bei jedem Wetter raus. Egal, ob Regen, Wind oder Schnee“, erklärt sie mit sichtbar guter Laune. An diesem Morgen ist aber erst einmal Warten angesagt. „Die Ware ist noch nicht da“, sagt Margitta Kürbs. 9.50 Uhr kann es dann losgehen. Kürbs‘ gelbes Fahrrad ist mit drei Kisten voller Briefe bestückt. In diesem Zustand gleicht das Fahrverhalten des Elektro-Fahrrads eher dem eines mittelschweren Motorrads. 15 Kilogramm Eigengewicht hat alleine das Rad.
Dazu kommen noch die Postsendungen. „Im Durchschnitt transportiert ein Fahrradzusteller bis zu 1500 Sendungen pro Tag. Das entspricht einem Gewicht von etwa 137 kg!“, weiß Thomas Kutsch, Pressesprecher der Deutschen Post. Keine leichte Arbeit also. „Das bekommt man mit zunehmendem Alter auch immer mehr zu spüren“, sagt die 46-jährige Margitta Kürbs. Aber etwas anderes zu machen, komme für sie nicht in Frage: „Ich liebe meine Arbeit!“ Dabei war der Weg zum Traumjob ein Umweg. Denn die Jenenserin war ursprünglich gelernte Facharbeiterin für Glastechnik bei Schott. „Meine Mutter war schon bei der Post und meine ältere Schwester ebenfalls. Ich wollte eigentlich dasselbe machen, aber meine Mutter war dagegen. Erst 1996 habe ich mich dann dazu entschlossen, mich doch bei der Post zu bewerben“, erzählt die heute in Krippendorf wohnende Mutter eines 27-jährigen Sohnes. Außer einer gewissen körperlichen Fitness verlangt der Beruf auch einen wachen Geist. „Man muss schon ständig konzentriert sein, damit keine Fehler passieren. Wir müssen z. B. darauf achten, dass in einem Haus, wo mehrere Mieter denselben Namen haben, keine Verwechslungen passieren“, erklärt Kürbs. Zudem müsse man aufpassen, dass die Sendungen auch unversehrt bleiben. Schließlich wisse man nie, welchen Inhalt ein Brief hat. „Das könnten ja wichtige Dokumente sein. Deshalb muss man die Post immer wie rohe Eier behandeln“, meint die Postbotin.
Aber gerade das ist manchmal gar nicht so leicht. So sind übervolle Briefkästen ein echtes Ärgernis. Auch die Zeit spielt meist gegen die Zusteller. Von Zeitdruck kann auch Margitta Kürbs ein Lied singen: „Jeder will seine Post am liebsten zuerst haben, aber das geht nun mal nicht. Es gibt eben einen Anfang und ein Ende.“ Den vorwurfsvollen Satz „Sie kommen aber spät heute“ kann sie deshalb nicht so ganz verstehen. Und um Qualität ist Margitta Kürbs eindeutig bemüht. Als sie einen Brief in der Hand hält, auf dem keine Hausnummer vermerkt ist, möchte man meinen, dass dieser unzustellbar sei. Schließlich kann eine fehlende Hausnummer in der Jenaer Schrödingerstraße ein echtes Problem bedeuten. Nicht so für Margitta Kürbs, die ihr Revier sehr genau zu kennen scheint: „In diesem Fall habe ich auch eine ungefähre Ahnung, dass es sich um eine gerade Hausnummer handelt.“
An dem Klischee, dass Hunde und Postboten nicht die besten Freunde sind, scheint übrigens tatsächlich was dran zu sein. Margitta Kürbs habe zwar kein Problem mit Hunden, trotzdem wurde auch sie schon attackiert: „Es war nicht weiter schlimm. Er hat mich nur kurz gezwickt.“ Kaum hat sie zu Ende gesprochen, kommt schon ein älterer Herr mit seinem Dackel vorbei. Und der kleine Hund zögert nicht, die Postbotin sofort anzukläffen.
Falk Böttger





















