Franziska Schnauß erhielt am 28. April 2026 im festlichen Rahmen des traditionellen Myconiusempfangs in der Stadthalle die Myconiusmedaille der Residenzstadt Gotha. Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch hielt die Laudatio. Hier erscheint sie in Auszügen:
Verehrte Myconius-Festgesellschaft,
es ist mir wieder eine besondere Freude, dass ich es sein darf, der heute eine kleine Festrede hält für die diesjährige Preisträgern Franziska Schnauß, die ich mit ihrer Familie und ihren Freunden ganz besonders herzlich begrüßen darf.
Seit der erstmaligen Verleihung 1997 wird die Medaille heute zum 36. Male verliehen. Konnten es in den ersten Jahren auch mehrere Preisträger sein, so entschied sich der Stadtrat zu Gotha ab 2002 die zweithöchste Auszeichnung der Stadt nur an eine Persönlichkeit pro Jahr zu verleihen. Zum elften Male wird die Myconius-Medaille an eine Frau vergeben, und obwohl wir im Ehrenamt keinen Unterschied machen zwischen m/w/d, finde ich es trotzdem toll, dass wieder eine Frau heute unsere Preisträgerin ist…
Es ist unsere Lebensart, die sich „Art der Stadt“ nennt. Sie ist 1995 geboren worden, genau in jenem Jahr der politischen Fehlentscheidungen in Gotha, als die die Fachhochschullandschaft zerstört worden ist. Dieses Jahr markiert den Start des Vereins „art der stadt”, dem wir in diesem Jahr zu drei Jahrzehnten erfolgreicher Arbeit gratulieren dürfen.
Da hat damals keiner nach Förderungen gefragt, da kamen junge Leute zusammen, nahmen sich Raum, der ihnen zusagte und machten einfach junge Kultur. Das hat nicht allen gepasst, aber die „Art der Stadt“, wie eine Stadt aus eigenen Kräften junges Profil gewinnen kann, diese „Art der Stadt“ war geboren und sie hat in den letzten drei Jahrzehnten Gotha sehr gutgetan.
Unsere Preisträgerin ist in diesem wundervollen Milieu aufgewachsen, sie wuchs hinein in den Humus, der sich „art der stadt” e. V. nennt und hat diesen fruchtbaren Boden junger Kultur geprägt. Seit den Tagen seiner Gründung träumte der Verein immer davon, eine eigene Spielstätte zu besitzen. Und als es 2017 gelang, dass die Stadtverwaltung im Gothaer Kulturhaus Räume zur Verfügung stellen konnte, da griff der Verein zu. Er schuf sich im Wert von fast einer Million Euro in Gotha eine Spielstätte für junge Kultur, die sich sehen lassen kann. Gemeinsam ans Werk zu gehen, gemeinsam zu denken, aber auch gemeinsam Rück- und Einschläge wegzustecken, dass ist die „Art der Stadt“, die wir mögen und unsere Preisträgerin mischt mächtig mit auf in diesem Miteinander.
Liebe Franziska Schnauß,
Sie beherrschen wie kaum eine Zweite die Kunst der Verwandlung und ich glaube das das Wort Verwandlung auch am besten Ihr Wirken beschreibt, denn die Verwandlung von Zeit in Arbeitskraft ist Ehrenamt und diese Stärke gilt es heute zu würdigen. Wenn Menschen sich verwandeln, um sich anderen zuzuwenden, wenn Menschen mit ihrer Verwandlung zum Vorbild werden, wenn die Verwandlung auf Stelzen den Blick zu neuen Ufern öffnet, dann findet tagelanges Wirken im Hintergrund, akribische Suche nach Partnern und Planung des Erfolges, ein Podium bei den Menschen. Ihre Kostümentwürfe flanierten heute schon durchs Haus und jedes ist eine Kostprobe, wie ein Mensch sich im Ehrenamt verwandeln kann.
Verwandlung bedeutet nicht, die eigene Haltung abzulegen, verlangt aber, alle eigenen Fähigkeiten so zu nutzen, dass mein Gegenüber Erkenntnis gewinnt. Verwandlung bedeutet im Schaffen von Franziska Schnauß auch die Entwicklung von Konzepten, um zu überzeugen, um in der Form der von ihr geliebten Lichtinstallationen zu sprechen. Dabei ist sie eine Frau, die gern Licht ins Dunkel bringt, während sie selbst dabei im Schatten bleibt.
Es braucht gerade diese Lichtspender, um die Bühne einer Stadt zu bespielen, nicht jeder kann in einer Hauptrolle glänzen, es braucht eine Vielzahl von Leuchtpunkten, um eine Stadt ins richtige Licht zu rücken.
Franziska Schnauß sieht sich selbst gern als eine von vielen und viele wissen nicht, wo ihr Engagement erkenntlich wird. Wer regelmäßig das Theater der Stadt besucht, der kennt ihr Gesicht, der weiß, dort macht sie Choreografie, malt Bühnenbilder, organisiert Abstimmungen aller Akteure, reinigt Saal und Toiletten nach der Veranstaltung, verkauft Getränke in den Pausen…
Es braucht mehr denn je Menschen, die den Hintergrund zu ihrem Vordergrund machen, die bereit sind Grundlagen zu schaffen, damit Hauptrollen entstehen können und denen das Wort DANKE das größte Geschenk ist. Im Meer der Mitläufer und Wendigen müssen wir politisch Verantwortlichen Mut beweisen um diese Menschen zu erkennen, die in den kleinen Dingen die Größten sind.
In der Begründung zur Auszeichnung für Franziska Schnauß heißt es treffend:
„Ihre Handschrift ist in vielen kulturellen Formaten Gothas erkennbar und verleiht ihnen Ausdruck, Tiefe und Wiedererkennungswert. Sie schafft Momente der Begegnung, des Staunens und der Freude und trägt damit wesentlich zur positiven Wahrnehmung Gothas als lebendige Kulturstadt bei. Neben ihrem lokalen Wirken ist Franziska Schnauß auch auf Landesebene aktiv. Sie arbeitet in den ehrenamtlichen Vorständen des Kulturrat
Thüringen e.V., sowie der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur Thüringen e.V., vertritt hier die Interessen der freien Kulturarbeit und bringt dabei stets die Perspektiven, Erfahrungen und Stärken Gothas ein. Sie ist eine wichtige Botschafterin Gothas in landesweiten kulturellen Netzwerken“.
Wir gratulieren zur Myconius-Medaille 2026 der kulturellen Netzwerkerin, der kreativen Stadtkulturentwicklerin, der Engagierten für soziale Teilhabe in einer offenen und lebendigen Stadtgesellschaft. Wir ehren langjährig-kontinuierliches, verlässlich-
tiefgehendes und im Miteinander spürbares Wirken für eine unverwechselbare Stadtgesellschaft, eben für die in Gotha lebende besondere „Art der Stadt“.
Herzlichen Glückwunsch!
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 5 (2026)





















