Politik im Wandel: Lesung und Diskussion in Waltershausen

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In der Waltershäuser Kulturkneipe „Spatz” ist an fast jedem Freitag etwas los. Am 19. Juni 2026 fand eine Buchlesung zu „Extremwetterlagen“ mit „Reportagen aus einem neuen Deutschland“ statt. Der Autor und Kulturwissenschaftler Alexander Leistner gab an, dass ursprünglich gar kein Buch geplant war, sondern lediglich eine Reise durch die ostdeutschen Bundesländer mit einer begleitenden Artikelserie.

von Sebastian Bach

Ebenfalls anwesend war die Co-Autorin Barbara Thériault, eine kanadische Soziologin, die als Professorin an der Universität von Montréal lehrt. Einen Teil ihres Studiums absolvierte sie an der Uni Erfurt, von wo aus sie später auch als Reporterin für das Suhler „Freie Wort” arbeitete. Es lag daher nah, dass sie sich an Alexander Leistners Projekt beteiligte. Die aus dem französischen Teil Kanadas stammende Babara Thériault las aus ihrem Textbeitrag „Eine Zuggesellschaft“. Inhaltlich geht es um die Begegnung mit einem tunesischen Flüchtling, den die Autorin während einer Zugfahrt kennenlernte. Neben dem, was den jungen Mann antrieb, bemerkte sie auch die Reaktionen der deutschen Mitreisenden.

Anschließend las Alexander Leistner aus seinem Text „Unter dem Radar“, in dem es um die Entwicklung der Montagsmahnwachen ging, die anfangs für den Frieden demonstrierten, alsbald aber von rechten Verschwörungsideologen unterwandert wurden. Ab 2015 richtete sich die Stimmung dann gegen Flüchtlinge. Es entstand die Pegida-Bewegung mit Ablegern wie Legida, die sich wie revolutionäre Volkstribunale aufführten und Politiker wie Angela Merkel und Walter Lübcke verunglimpften. Obgleich die Montagsmahnwachen inzwischen an Bedeutung verloren hätten, würde weiterhin ein rauer Ton in der Öffentlichkeit herrschen. Und den erlebten Leistner und Thériault auch schon selbst. Obwohl sie lediglich aus einem soziologischen Interesse heraus die politische Lage in Ostdeutschland untersuchten, wurden beide Autoren in Sachsen von der Bühne aus als „Schmierfinken“ und „Stasi-Spitzel“ beschimpft, während zugleich die Demokratie als vermeintliche „Diktatur“ diffamiert wurde. Laut Leistner sei in einigen Städten bereits ein Kipppunkt erreicht, ab dem der öffentliche Raum nur noch von rechten Demos dominiert werde und andere Gruppen (wie die „Fridays for Future”) aus Sicherheitsgründen gar nicht mehr auftreten könnten. Als Beispiel nannte er Zwickau und verwies dabei auf Jakob Springfelds Buch „Unter Nazis“.

Im Anschluss an die Lesung entwickelte sich unter den rund 25 Anwesenden eine angeregte Diskussion. Moderiert wurde der Abend von Noah Marschner von der Heinrich-Böll-Stiftung. Die ebenfalls am Buch beteiligten Autoren Manja Präkels und Tina Pruschmann waren nicht anwesend. Übrigens war dies für die nächsten Wochen erst einmal die letzte Buchlesung. Denn die Kulturkneipe „Spatz” macht ab Juli Sommerpause.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 6 (2026)

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