Man hat’s nicht leicht – aber leicht hat’s einen! Nach der vernagelt-, äh: verhagelten Petersilie im Fußballfeldzuge und der spahn-, äh: spannenden Elterng’schaftlhuberei zweier fanatischer Papisten (was wohl der Heilige Vater von derlei Familiengründung halten mag?) nun in Gotham City auch noch dies: Überall, wohin man in der Pfullendorfer Straße schaut, wird aufgebaut! In den angrenzenden Seitengassen ist’s, da beidseitig zugeparkt, schön eng. Fahrerisches Können tut not, auch Rücksichtnahme und Vorsicht an der Bahn- sowie Bordsteigkante.
Nun gut, es gibt Übleres – und außerdem ist diese Baumaßnahme ja auch nirgendwie für einen guten Zweck. Genau diesen Zweck hatten vor zwei Monaten (der Kampf um die Fußball-Weltherrschaft war noch nicht entbrannt, der Marschbefehl in keiner Weise ausformuliert) wohl auch gute Geister im Sinne, als es galt, die Folgen eines bösen Dachstuhlbrandes zu meistern.
Denn gleich neben der damals noch nicht gesperrten Pfullendorfer’n (konkret: in der Steinstraße) hatte es zünftig gelodert im Dachgestühle – „denn man liegt nicht gerne kühle…” Der wärmende Sommer war seinerzeit noch weit, das offene Dach wurde bauplangerecht mit Planen abgedeckt und die verkohlten Balken aus himmlischer Höh‘ zur heimatlichen Erde herabgelassen.
Worauf wir alle getrost einen lassen konnten, war der ebenso löbliche wie bewährte Ansatz, das rußige Holz quasi als Bauabfall abzutransportieren.
Und siehe: Es geschah also.
Warum nun hier wegen einer solchen Bagatelle von Feuerstelle solcherlei Aufhebens? Sogleich folgt Antwort: Der ganze weitere vergammelte Rest vom Feuerfest landete in zwei weiteren Containern, die zwar gleichfalls aufgestellt, jedoch bis auf den heutigen Tag nicht abgeholt wurden. Inzwischen füllten sich die beiden Behälter mit weiterem Kram, der nicht originär vom Dachbrande stammen konnte – oder besser, weil exakt gesagt: Sie wurden angefüllt. Innerhalb zweier Monate erfuhren die abstrusesten Vorstellungen, was so alles an Abfall anfallen mochte, ihre materielle Verwirklichung.
Indes stört sich der eine oder andere anwohnende Mitmensch an der improvisierten Müllhalde. Es wird gelästert, räsoniert und genölt, auch gemeckert und kritisiert. Die Bevölkerung ist, das lässt sich zweifelsfrei so feststellen, kaaum amüsiert, eher schon irritiert oder gar(wenn auch nur in extremen Einzelfällen) stinksauer.
Nicht alle Anfragen, wie denn nun in den nächsten zwei Monaten oder Jahren mit besagtem Müllhaufen umzugehen sei, konnten diesem oder jenem (zuweilen penetrant neugierigen) Bürger beantwortet werden. Anfangs kam von städtischer Obrigkeit weder eine zustimmende noch ablehnende Reaktion. Auf gut oder schlecht deutsch: Es blieb beim Schweigen im Thüringer Walde. Dann aber hieß es von der goth’schen Stadtwirtschafte doch recht verständnisvoll, dass der Fall längst pikan-, äh: bekannt sei, aber eben auch noch endgültiger Klärung bedürfe. In jenen inzwischen randvollen Containern, so ward es zu vernehmen, vermuten die Entsorgungs-Experten nämlich allerlei Mischmüll, für dessen aufwendige Trennung und Sonderbehandlung ja irgendwer irgendwas berappen müsse. Wer indes das letzten Endes sein würde, solle oder müsse – ja, das wusste allerdings auch der ansonsten recht kundige Mitarbeiter des Wertstoffhofes nicht erschöpfend zu sagen.
Sei’s drum! Sagen wird man über uns’re Tage und/oder Lage: „Alten Krempel hatten sie und auch ein ganz klein wenig Mut…” Ja – und genau den will ich heut‘ um Mitternacht zusammennehmen, wenn ich zur Geisterstunde in der Steinstraße umgehen werde: In der einen Hand jenen vergammelten Gartenstuhl, der mir schon so lange auf den Sack geht. In der anderen Pratze ein Heidenauer Motorradreifen, der spätestens nach dem jüngsten Hitze-Juni derartig von Ozon-Rissen zerledert ist, dass keinerlei Runderneuerung ihn mehr retten mag. Na, hoffentlich sind die beiden Gammelsammelstellen noch nicht föllig foll…
Heini Eckenkieker
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 7 (2026)




















