Vor dem Verbandstag des Museumsverbandes Thüringen e.V. am 27.09.2012 auf Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden zieht Präsident Günter Schuchardt eine gemischte Bilanz der vergangenen zwölf Monate. „Das war ein erfolgreiches Jahr mit Höhen und Tiefen, zahlreichen personellen Ver-änderungen und zeitweiligen Schließungen von Museen“, so Schuchardt.
Neue Museen, Dauerausstellungen, Projekte und Pläne
In acht Thüringer Museen konnten in den vergangenen zwölf Monaten Bauarbeiten abgeschlossen und die Qualität der musealen Angebote enorm verbessert werden. Im Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden wurde im Oktober 2011 ein neues Eingangsgebäude auf dem Gelände „Am Eichenberg“ eröffnet. Turm, Turmspitze und Außenfassade des Neuen Schlosses der Osterburg werden seit 2011 saniert, die trotzdem laufende Ausstellung „Vom Urmeter zur Atomuhr“ ist ein Publikumserfolg.
Betreut durch die Gedenkstätte Buchenwald, konnte die KZ-Gedenkstätte Laura in Schmiedebach (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) im November 2011 eröffnet werden. Nach mehrjähriger Bauzeit öffnete im Herbst 2011 die Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung im Sommerpalais Greiz. Nach einer Sanierung öffnete im Mai 2012 das Stadtmuseum Erfurt einen Abschnitt der neuen Dauerausstellung „Tolle Jahre – An der Schwelle zur Reformation“. Die Flohburg, das Nordhausen-Museum, öffnete nach mehrjähriger Bauzeit im Sommer 2012.
Im Museum in Ruhla bei Eisenach wurde die Dauerausstellung um den Abschnitt Industriegeschichte im 19. und 20. Jahrhundert erweitert. Für große Aufmerksamkeit sorgt seit Ende August 2012 die neue Dauerausstellung „Lebens-fluten – Tatensturm“ im sanierten Goethe-Nationalmuseum in Weimar.
Die Entscheidung für ein Neues Bauhaus Museum in Weimar ist gefallen. Das neue Zentraldepot der Klassik Stiftung Weimar steht vor der Fertigstellung. Gebaut und saniert wird im Deutschen Spiel-zeugmuseum Sonneberg, auf der Leuchtenburg bei Kahla, auf der Wartburg, in den Museen in Neu-stadt/Orla, Mühlhausen und Pößneck, im Lutherhaus Eisenach und im Jagdhaus Gabelbach. Dadurch ist die Museumsarbeit zeitweilig erheblich eingeschränkt, das hat Einfluß auf die Besucher-zahlen.
Leider mußte das Museum Schloss Rauenstein wegen baulicher Mängel und Schimmelbefall vorübergehend geschlossen werden. Der Museumsverband steht in ständigem Kontakt mit der Museumsleiterin und der Trägergemeinde Frankenblick.
Das Kunsthaus in Gera wird nicht realisiert, das wissen wir seit einigen Tagen. Der Museumsverband hofft hier noch auf ein Umdenken, ansonsten wären die Folgen für den Tourismus in Gera ver-heerend.
Kooperationen, Partnerschaften und Netzwerke pflegen und ausbauen
Die großen Kulturstiftungen in Thüringen mit ihren Museen in Weimar, Meiningen und Eisenach sind seit vielen Jahren im Museumsverband sehr aktiv. Diese Kooperationen werden ausgebaut. Dr. Gert-Dieter Ulferts nimmt als ständiger Gast an den Vorstandssitzungen teil. Dr. Jens Christian Wagner, Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, leitet den neuen und längst fälligen Arbeitskreis Gedenkstätten, Erinnerungsorte und Grenzmuseen.
Eine Arbeitsgruppe Volontäre in Thüringen hat sich im Januar 2012 gegründet, der Museumsverband unterstützt die jungen Kolleginnen und Kollegen. Partner des Verbandes sind die im Kulturrat Thüringen vereinten Fachverbände sowie weitere Institutionen wie das ThILLM, die FH Erfurt und die TU Ilmenau. Mit den Jugendkunstschulen in Thüringen haben wir eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen.
Darüber hinaus existieren Arbeitskontakte und Kooperationen in den Gremien des Deutschen Museumsbundes und in der Konferenz der Museumsberatung der Länder. Enge Kontakte pflegt der Museumsverband Thüringen zu seinen Nachbarverbänden in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen und Bayern. Die gemeinsame Fachtagung mit dem Hessischen Museumsverband im Juni 2012 an der Friedrich-Schiller-Universität befaßte sich mit dem Thema „Museen und Universitäten“.
Prekäre Personalsituation. Volontärsprogramm dringend notwendig
Insbesondere bei Direktoren- und Leiterstellen gab es in den vergangenen zwölf Monaten einige Veränderungen in Thüringer Museen. Das betrifft unter anderem das Lindenau-Museum in Alten-burg, Museum Schloss Burgk, das Thüringer Museum Eisenach, die Kunstmuseen der Stadt Erfurt, das Naturkundemuseum Gera, die Gedenkstätte Point Alpha. Der langjährige Leiter des Thüringer Frei-lichtmuseums Hohenfelden Michael Happe wechselt zum Jahresende nach Baden-Württemberg mit der bitteren Bemerkung, dass die Alltagskultur in Thüringen keinen besonderen Stellenwert besitze.
Die Personalsituation in den Thüringer Museen bleibt prekär, der Altersdurchschnitt der Mitarbeiter liegt bei über 50 Jahren. Der Museumsverband Thüringen hält es für dringend notwendig, dass ein Landesprogramm für wissenschaftliche Volontäre insbesondere an kommunal getragenen Museen aufgelegt wird, vergleichbar dem Projektmanagerprogramm des Landes.
KFA mit Kulturlastenausgleich muss vor Ort spürbar werden
Der neue Kommunale Finanzausgleich (KFA) in Thüringen soll ab 2013 um einen Kulturlastenaus-gleich ergänzt werden, hat Kulturminister Christoph Matschie am 25.09.2012 angekündigt. Der Museumsverband begrüßt diese Aussage und hofft, dass die finanziellen Mittel bei den Kultur-institutionen vor Ort, insbesondere den Museen, zu einer spürbaren Verbesserung ihrer Situation beitragen werden.























