Sirenen weckten die Ballstädter Bürger am frühen Sonntagmorgen. Ein Trümmerfeld und zahlreiche am Boden liegende Verletzte erwartete die Freiwillige Feuerwehr, die als erstes im Gemeindezentrum eintraf.
Hier feierten Ehrenamtliche und Helfer eines Vereins ihr Abschlussfest, als in den frühen Morgenstunden mit Skimasken vermummte Unbekannte den Saal stürmten. Begleitet von dem Vorwurf, man hätte eine Scheibe im durch Rechtsextreme bewohnten „Gelben Haus“ zerstört, schlugen sie ohne weitere Ankündigung mit Schlagringen brutal auf die noch rund 15 Anwesenden ein. Selbst als die Opfer bereits am Boden lagen wurden weiter auf sie eingetreten. 10 Personen wurden dabei verletzt, zwei schwer. Sie befinden sich noch im Krankenhaus. Der Schock ist in dem kleinen Dorf im nördlichen Landkreis Gotha groß.
Blankes Chaos herrscht auf dem Gemeindesaal – es spiegelt die sinnlose Zerstörungswut der Angreifer wieder. Spiegelwände, Türen, Stühle und Tische wurden zerschlagen. Ein Feuerwehrmann handelte schnell und bedacht und brachte die weiblichen Gäste in der benachbarten Gaststätte in Sicherheit, bis die Retter eintrafen. „Wir hörten die Schreie unserer Männer, den Lärm fliegender Tische und Stühle und der berstenden Spiegel und hatten Todesangst!“, berichtete eine der Betroffenen. „Nie im Leben hab ich eine solche Angst verspürt, ich hab nur gehofft, dass sie uns nicht finden!“, erzählt eine weitere Zeugin.
Der Schock sitzt bei den Betroffenen tief – der gesamte Ort ist fassungslos. Der brutale Überfall kam überraschend und schien genau geplant – innerhalb weniger Minuten war das Horrorszenario vorüber und hinterließ einen Ort der Angst und der Zerstörung.
Dennoch oder gerade deswegen halten die Bürger zusammen.
Angehörige und leichtverletzte Opfer, Bürgerbündnis, Gemeinderat, Bürgermeisterin und erschütterte Bürger trafen sich noch am Nachmittag, um über die Geschehnisse der vergangenen Nacht zu berichten, ihre Betroffenheit auszudrücken und den Opfern ihre Unterstützung zuzusagen. „Trotz der Fassungslosigkeit im Angesicht dieser Brutalität will hier keiner in Schockstarre verfallen, sondern in einer gemeinsamen Mahnwache zusammenrücken und informieren“, erklärt ein Sprecher des Bürgerbündnisses gegen Rechts. Dieses hatte sich nach dem Zuzug polizeibekannter und verfassungsfeindlicher Rechtsextremer in das als „Gelbes Haus“ bekannte alte Backhaus aus Vertretern von Gemeinde, Politik, Vereinen, Unternehmen und Bürgern gegründet und durch Plakate und Aktionen immer wieder auf die Gefährlichkeit der neuen Nachbarn aufmerksam gemacht.
Die Ballstädter fordern nun von Polizei, Politik und Staatsschutz eine schnellstmögliche Aufklärung der Tat: „ Wer das gemacht hat, muss zur Rechenschaft gezogen werden – dieses Dorf ist stolz auf seine Vielfalt, für rechtsextremistisches Gedankengut ist hier kein Platz.“























