Anfang Februar beschloss der Jenaer Stadtrat, schrittweise zwei Prozent der Anteile an den Stadtwerken Energie Jena-Pößneck an die BürgerEnergie Jena eG zu verkaufen. Damit hat die Genossenschaft ihr Ziel erreicht, in diesem Jahr Mitgesellschafter der Stadtwerke zu werden.
„Erste Überlegungen dazu gab es bereits 2008“, erklärt Martin Berger, Vorstand der BürgerEnergie. „Durch die so genannte Call-Option ergab sich ja 2011 die Möglichkeit, Anteile an den Stadtwerken für die Bürger zurückzukaufen.“ Zum einen habe es dabei natürlich finanzielle Aspekte gegeben – der Ertragswert der Stadtwerke Jena-Pößneck wird derzeit auf 430 Millionen Euro geschätzt. „Zum anderen spielen bessere Möglichkeiten der Teilhabe eine Rolle. Die Bürger sollen ja nicht nur alle paar Jahre ihr Kreuzchen machen dürfen“, so Martin Berger.
Im vergangenen Jahr wurde die Genossenschaft rechtskräftig. „Wir haben uns bewusst für die Genossenschaftsform entschieden, weil hier das Prinzip ‘one man, one vote’ greift. Jedes Mitglied hat eine Stimme, egal, wie viele Anteile es gekauft hat.“ 500 Euro kostet ein Anteil. Mittlerweile haben über 200 Männer und Frauen aus ganz Thüringen Anteile gezeichnet – und die Einlage der Genossenschaft beträgt nun über eine Million.
Auch Kerstin Wagner, bzw. ihre zweijährige Tochter Linda, gehört seit Kurzem zu den Genossenschaftlern. „Uns war es dabei wichtig, dass wir etwas für die Region machen und das Geld hier investieren“, so die 32-jährige Betriebswirtin.
Langfristiges Ziel der BürgerEnergie wird es sein, einen Sitz im Aufsichtsrat der Stadtwerke Jena-Pößneck zu stellen. Das entspricht einer Einlage von 22 Millionen Euro bzw. fünf Prozent Anteile. „Das klingt erstmal viel, aber wir sind guten Mutes, dass uns das gelingen wird“, so Martin Berger. Vielen Bürgern sollte es doch wichtig sein, Einfluss auf das Handeln der Stadtwerke zu haben. „Kritiker können uns jetzt vorwerfen, dass wir mit einem Sitz im Aufsichtsrat zu wenig Mitbestimmungsrecht haben werden. Ich aber denke, dass wir wesentlich mehr Einfluss ausüben können, als es dieser Prozentsatz aussagt. Denn viele Multiplikatoren aus Politik und Gesellschaft haben bereits Anteile
gezeichnet.“
Die zwei Prozent Anteile erwirbt die Genossenschaft übrigens im Wert von 8,3 Millionen Euro; die fehlenden 90 Prozent des Kaufbetrages werden der BürgerEnergie gegen einen Zins
gestundet. Dieser entspricht dem Gewinnausschüttungsanteil der 8,3 Millionen Euro.
www.buergerenergie-jena.de.
Katja Vollenberg





















