Ensminger: „Ich bin sehr stolz auf mein Team!“

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Das macht den Oettinger Rockets Gotha so schnell keiner nach! Bei den Gießen 46ers blickten  die Schützlinge von Head Coach Chris Ensminger gestern Abend mehrfach in den Abgrund, doch am Ende der sinnbildlichen Berg-und-Talfahrt waren sie obenauf.

Dank einer denkwürdigen Leistung behielten die Gothaer beim BBL-Absteiger aus Hessen mit 91:89 nach Verlängerung (80:80 / 38:36) die Oberhand. „Heute hat sich wieder gezeigt, dass man niemals aufgeben darf und bis zur allerletzten Sekunde alles geben muss – dann kann man auch so ein irres Spiel gewinnen“, sagte Chris Ensminger. „Wir haben Charakter bewiesen und diesen Erfolg gegen einen starken Gegner erzwungen. Ich bin sehr stolz auf mein Team!“

Allerdings war die Freude getrübt. In der Schlussminute des vierten Viertels verletzte sich Jan Lipke am Knie. Für den Forward endete das Spiel im Krankenhaus: Verdacht auf Abriss der Patellasehne. Bestätigt sich diese schockierende Diagnose, droht eine lange Zwangspause.

Es gehört zur Dramatik dieser Begegnung, dass Jan Lipke in der Situation, in der er sich verletzte, zwei wichtige Punkte zum 74:78 (40.) markierte. Somit hatte er maßgeblichen Anteil daran, dass sich die Rockets schließlich in vorletzter Sekunde in die Overtime retten konnten. Denn kurz vor Ultimo versenkte Gary Johnson einen Dreier, der nach einem Tänzchen auf dem Ring zum 80:80 durch die Reuse fiel.

In der Verlängerung gab’s dann ein ähnliches Bild wie in den vorangegangenen vier Spielabschnitten. Zunächst lagen beiden Seiten gleichauf, ehe die Hausherren auf 5 Zähler davonziehen (88:83 / 43.) konnten. Erneut standen die Rockets mit dem Rücken zur Wand – abermals traten sie die Flucht nach vorne an. Mit einem 8:1-Lauf in den letzten anderthalb Minuten gelang es ihnen, diese verrückte Partie noch einmal zu kippen.

Einen noch größeren Kraftakt hatten die Gäste bereits im vierten Viertel vollbracht. Nachdem sich beide Teams vor dem Seitenwechsel auf Augenhöhe begegnet waren und die Führung einige Male wechselte, konnten sich die Hessen im dritten Durchgang deutlich absetzen. In dieser Phase lief bei den Gothaern wenig zusammen. Indes zeigten die Gießener, warum sie das beste Defense-Team der Liga sind. Auch deshalb konnten sie zu Beginn des vierten Durchgangs die Führung auf 17 Punkte (66:49 / 32.) ausbauen. Viele Augenzeugen des Basketball-Krimis in der „Osthölle“ glaubten an eine Vorentscheidung – doch es sollte anders kommen.

Mit Können, unbändigem Willen und dem Glück des Tüchtigen läuteten die Rockets eine atemberaubende Aufholjagd ein. Allein zwischen der 35. und der 40. Spielminute erzielten sie 23 Punkte. Letztlich entschieden sie den Schlussdurchgang mit 31:18 für sich und erzwangen die Verlängerung, in der sie sich schließlich selbst belohnen konnten.

Nach der Schlusssirene wusste Chris Ensminger nicht so richtig, wen er zuerst loben sollte. Ali Fraser? Lieferte eine überragende Partie ab, die sich in seinem ersten Double-Double (14 Punkte / 12 Rebounds) der Saison widerspiegelte. Dmitrij Kreis? Brachte jede Menge Energie von der Bank und markierte in der Crunchtime fünf wichtige Punkte in Folge. Chase Griffin? Drehte an alter Wirkungsstätte auf und erzielte 24 Sekunden vor dem Ende der Verlängerung mit einem Dreier zum 90:89 den zweiten Big Shot des Abends. Travis Warech? Verteidigte, als gäbe es kein Morgen mehr. Marcel Heberlein? Markierte speziell in der Anfangsphase wichtige Punkte…

„Alle zusammen haben heute einen unglaublichen Job gemacht, stark verteidigt, das Rebound-Duell gewonnen, sowohl von der Freiwurf- als auch von der Dreierlinie gut getroffen und unterm Strich einen wichtigen Sieg eingefahren“, sagte Chris Ensminger.

Derweil haderte Gießens Coach Denis Wucherer auf seine Weise mit dem Ausgang der Partie. Er sagte süffisant: „Das war heute in der Tat nicht so einfach für uns, das Spiel zu verlieren…“

Doch das tat der Gothaer Freude über den Triumph keinen Abbruch. Zum ersten Mal in dieser Saison wurde auswärts eine Humba zelebriert. Das wiederum war eine gute Einstimmung auf das nächste Wochenende. Denn zum Abschluss der Hinrunde steht das Duell der beiden einzigen Thüringer ProA-Teams auf dem Plan – sprich: Die Rockets empfangen am Samstag Science City Jena (Tip-Off: 19 Uhr). Dann wird die „Blaue Hölle“ zum ersten Mal in dieser Saison ausverkauft sein.

Kurzum: Es ist alles angerichtet für eine schöne Bescherung!

Gießen 46ers – Oettinger Rockets Gotha 89:91 nach Verlängerung (80:80 / 36:38)

Viertel: 16:18 / 20:20 / 26:11 / 18:31            Verlängerung: 9:11

Gießen 46ers: Saibou (25 Punkte / 2 von 2 Freiwürfen / 3 Dreier), Bennett (15 / 7 von 12 / -), Hesson (15 / 2 von 6 / 1), Agne (10 / – / 2), Di Leo (12 / – / 2), Theilig, Lischka (10 / 4 von 8 / -), Young (2), Strack (nicht eingesetzt)

Oettinger Rockets Gotha: Johnson (6 / 1 von 1 / 1), Lipke (15 / 2 von 2 / 1), Griffin (25 / 6 von 6 / 3), Watson (nicht eingesetzt), Reilly (nicht eingesetzt), Niebuhr (2), Kreis (9 / 2 von 2 / 1), Fraser (14 / 4 von 6 / -), Heberlein (7 / – / 1), Warech (7 / 2 von 4 / 1), Baker, Selvig (6 ( 1 von 2 / 1)

Zweier Gießen: 25 von 44 (57 Prozent)
Zweier Gotha: 23 von 50 (46 Prozent)

Dreier Gießen: 8 von 27 (30 Prozent)
Dreier Gotha: 9 von 18 (50 Prozent)

Freiwürfe Gießen: 15 von 28 (54 Prozent)
Freiwürfe Gotha: 18 von 23 (78 Prozent)

Rebounds Gießen: 34 (8 Offense / 26 Defense)
Rebounds Gotha: 43 (9 / 34)

Assists Gießen: 14
Assists Gotha: 16

Ballverluste Gießen: 11
Ballverluste Gotha: 19

Ballgewinne Gießen: 9
Ballgewinne Gotha: 5

Zuschauer: 2116

Autor: Wolfgang Gleichmar