Kabinett-Ausstellung: „Mit fremden Federn“

0
1402

Wenn Sie immer schon einmal wissen wollten, wie ein Schwarzkopftragopan ausschaut und weshalb die schillernden Federn dieses scheuen Hühnervogels aus dem Himalaya bei den modebewussten Damen in der Zeit des „Fin de Siècle“ so begehrt waren, empfiehlt sich ein Besuch in der neuen Ausstellung des Fächerkabinetts im Herzoglichen Museum, die ab sofort bis zum 3. Mai 2015 zu sehen sein wird.

Die Stiftung Schloss Friedenstein bewahrt eine der bedeutendsten musealen Fächersammlungen Deutschlands. Bereits im frühen 19. Jahrhundert unter Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg (1775- reg.1804-1822) angelegt und später noch geringfügig erweitert, umfasst sie heute annähernd 300 Fächer europäischer und ostasiatischer Provenienz des 16. bis 20. Jahrhunderts sowie einige ethnographische Exemplare des 19. Jahrhunderts aus dem Orient, aus Südostasien und aus Amerika.
Im Jahr 2011wurde die Sammlung durch eine großzügige Dauerleihgabe der Münchner Stiftung Ute Michaels um 473 Fächer aus vier Jahrhunderten erweitert.

Unter dem Titel „Mit fremden Federn“ präsentiert eine neue Kabinettausstellung Federfächer des 19. und frühen 20. Jahrhunderts aus der Stiftung Ute Michaels. Präparate von Vögeln, deren Federn für die aufwändige Fächerherstellung Verwendung fanden sowie einige Exponate aus der Modesammlung des Historischen Museums ergänzen die kleine Sonderschau.

Bereits in der Zeit der Renaissance erfreuten sich Fächer aus Federn exotischer wie einheimischer Vögel großer Beliebtheit. Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurden sie jedoch durch faltbare Fächer mit Blättern aus Leder, Seide oder Papier verdrängt.

Eine zweite Blütezeit erlebte der Federfächer im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Von Paris aus, wo man Vogelfedern als besonders luxuriöses Material zur Fächerherstellung wiederentdeckt und neu etabliert hatte, trat der Federfächer seinen Siegeszug um die Welt an.

Zur Gewinnung der Federn wurden zunächst ausschließlich Jagdtrophäen genutzt. Bald konnte damit der ständig wachsende Bedarf der Fächermacher jedoch nicht mehr gedeckt werden. In den 1860er Jahren begann man in Südafrika gezielt Straußenvögel zu züchten, um Fächermanufakturen in Europa und Amerika mit „Material“ beliefern zu können. Es folgte die Gründung unzähliger Vogelfarmen weltweit.

Diese zweite Blütezeit des Federfächers war leider nur von kurzer Dauer und leitete gleichsam das Ende der Fächermode ein. Das über viele Jahrhunderte unverzichtbare Accessoire geriet im Laufe der „goldenen 20er Jahre“ fast gänzlich aus der Mode.

Die Kabinettausstellung im Herzoglichen Museum ist täglich von 10 bis 16 Uhr (ab 1. April bis 17 Uhr) geöffnet.

Bis 3. Mai 2015, täglich von 10 bis 16 Uhr (ab 1. April bis 17 Uhr) geöffnet
Herzogliches Museum Gotha, Fächerkabinett