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Verein für Thüringische Geschichte
Vortragsreihe 2012

Referentin: Dr. Eva-Maria Dickhaut
Thema: Ehrengedächtnisse auf Papier – Leichenpredigten in Thüringen

Datum: 20. September 2012 / Ort: Rosensäle der FSU Jena, Fürstengraben 27 / Beginn: 19.00 Uhr

Über zwei Jahrhunderte – von 1530 bis 1750, von der Reformation bis zur Aufklärung – blühte der Brauch der gedruckten protestantischen Leichen-predigten. Sie gehören zur Gattung der Personalschriften, also den Schriften, die zu Geburtstagen, Taufen, Verlobungen, Hochzeiten, Amtseinführungen, Jubiläen und schließlich zum Tod eines Menschen verfasst und gedruckt wurden. Mit ihren mehr oder weniger umfangreichen Biographien stellen sie eine der aussagekräftigsten Quellen zum Leben und Sterben eines Menschen in der Frühen Neuzeit dar.

Da die Leichenpredigten in großer Zahl gedruckt wurden und schon im 17. Jahrhundert als Sammelobjekte galten, haben sich – wie Umfragen ergaben – in Bibliotheken und Archiven mehr als 300.000 dieser Quellen erhalten. Seit 1976 ermittelt und katalogisiert die Forschungsstelle für Personalschriften an der Philipps-Universität Marburg Leichenpredigten; seit 1986 werden sie verfilmt. 2009 ist mit einer Digitalisierung des Filmarchivs begonnen worden.

Als multi- und interdisziplinäre Quelle sind die Leichenpredigten für die unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen von Interesse: für Historiker aller Richtungen (z.B. Literatur, Kunst, Kultur, aber auch Medizin und Pharmazie) ebenso wie z.B. für Germanisten oder Theologen. Bis 2005 wurden die Leichenpredigten-Bestände in den Regionen Hessen und Schlesien erfasst. Die Bestände in Sachsen wurden von einer zwischen 1991 und 2010 bestehenden Dependance der Forschungsstelle an der Technischen Universität Dresden bearbeitet.

Seit 2006 ist Thüringen der neue Arbeitsschwerpunkt, wo ca. 28.000 Leichenpredigten überliefert sind. Nach einer kurzen Darstellung der Geschichte der Leichenpredigten und der Arbeit der Forschungsstelle informiert der Vortrag nicht nur über die bisherigen Ergebnisse in thüringischen Bibliotheken und Archiven, sondern gibt auch einen Überblick über die weiteren Projekte und Perspektiven des Vorhabens.

Die Referentin, Dr. Eva-Maria Dickhaut, ist die Leiterin der Forschungsstelle für Personalschriften (www.personalschriften.de). Sie hat Geschichte und Anglistik in Tübingen, Marburg und London studiert und über ein stadtgeschichtliches Thema promoviert.

Zum Vortrag ist wie immer die interessierte Öffentlichkeit eingeladen. Der Eintritt ist frei.