Es ist keine angenehme Situation, wenn der Zahnarzt ein Loch entdeckt und es füllen will. Doch inzwischen ist die Zahnreparatur schonender und auch optisch ansprechend geworden, gibt es doch dafür ebenfalls zahlreiche weiße Füllungen. Diese beliebten zahnfarbenen Füllungen bestehen aus einem Kunststoff und winzigen Glas-Füllerpartikeln.
Damit dieser Composite genannte Verbundwerkstoff beim Kauen belastbar ist, muss er ausgehärtet werden. Diese sogenannte Fotopolymerisation des Composites geschieht mit einer hellen blauen Lampe. Die aktuellste Variante dieser Polymerisationslampen, die in Jena mitentwickelt wurde, sowie die Geschichte dieser Lampen sind seit heute (22.05.) als neuer Teil der Dauerausstellung im Optischen Museum Jena zu sehen.
Die ersten, in den 1970er Jahren entwickelten Polymerisationslampen verwendeten ultra-violettes Licht zum Aushärten von dentalen Composites. Schonender arbeitete schon die nächste Lampengeneration, die sichtbares Licht einsetzte, aber groß, schwer und energieaufwendig war. Außerdem alterte die Lampe rasch, was zu vielen Problemen mit nicht-ausgehärteten Composites führte.
Um diese Probleme auszuschließen, entwickelten in den 1990er Jahren der Jenaer Professor Dr. Klaus D. Jandt, damals an der University of Bristol in Großbritannien tätig, und sein Mitarbeiter Dr. Robin W. Mills eine völlig neue Polymerisationslampe. Sie basierte auf den damals gerade entwickelten blauen Leuchtdioden (LEDs). „Weil eine einzelne blaue LED damals viel zu lichtschwach war, um ein Composite auszuhärten, mussten wir eine kreative Lösung entwickeln und bauten erstmals eine dichte Anordnung von vielen brandneuen blauen LEDs, deren Licht gebündelt wurde“, beschreibt Prof. Jandt, seit 2001 Lehrstuhlinhaber für Materialwissenschaft der Universität Jena.
Es war nicht ganz einfach, sich gegen die etablierte Konkurrenz durchzusetzen, doch die überlegene Technologie von Jandt und Mills machte das Rennen. Ihre Entwicklung ermöglichte es, Composites effektiv auszuhärten. Inzwischen haben sich die neuen blauen LED-Lampen weltweit durchgesetzt und sind in jeder modernen Zahnarztpraxis zu finden.
Die auch wissenschaftlich spannende Geschichte der Entwicklung der blauen LED-Lampe wurde 2013 veröffentlicht (Jandt, KD, Mills, RW: A brief history of LED photopolymerization. Dent Mater 2013, 29, 605-617).
Das Optische Museum in Jena zeigt nun anhand einiger Exponate die Entwicklung dieser Leuchten von ersten großen Wolfram-Halogen-Lampen über die ersten Prototypen von Jandt und Mills bis zu aktuellen Modellen der LED-Lampen aus der Industrie. Darüber hinaus wird die Anwendung dieser Lampen beim Zahnarzt auf zweisprachigen Tafeln leicht verständlich erläutert.
Das Optische Museum in Jena (Carl-Zeiß-Platz 12) ist dienstags bis freitags von 10.00-16.30 Uhr und samstags von 11.00–17.00 Uhr geöffnet.






















