Tagesdienst, aktuelle Redakteurin: Conni Winkler

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Guten Tag liebe Leser,

Wettergott Petrus liebt das Jenaer Theaterhaus, denn – oh Wunder – war es gestern zur Premiere von Frankenstein auf dem Theatervorplatz trocken. Eine beeindruckende und großartige Inszenierung wurde uns Zuschauern da geboten. Dank zahlreicher Statisten war die Szenerie stets belebt und durchwebt mit fahrendem Volk wie Feuerkünstler, Clowns, Puffmuttis,  Jongleuren und Freaks jeder Art. Jeder kannte seinen Platz und alle hatten offensichtlichen Spaß am Spiel. Das avantgardistische Jenaer Theaterhaus hat eine für seine Verhältnisse klassische und opulente Inszenierung hingelegt. Wunderbare Bühnenbilder luden ein in die Welt von Frankenstein. Blut, Gewalt und Tod gab es in gewohnter Manier zu bestaunen. Die Schreie der vergewaltigten Elisabeth alias Lena Vogt hätten für meinen Geschmack noch etwas inbrünstiger sein können.

Die Live-Video-Szenen  mit verschiedenen Trickeffekten brachten so manchen Zuschauer zum Schmunzeln. So wurde beispielsweise vor einer Leinwand mit Bergkulisse ein schwieriger Bergaufstieg simuliert.

Das Monster (Yves Wüthrich) überzeugte durch gekonntes  und leidenschaftliches Spiel, gekrönt vom Maskenbild, wie es hätte schauriger nicht sein können. Schön herausgearbeitet wurde die innere Zerrissenheit des Monsters. So ist es im Grunde seines Herzens gar nicht böse und wird erst durch die permanente Ablehnung und Verabscheuung seiner Umwelt zu dem gemacht, was es ist: ein rachsüchtiges mordlüsternes Geschöpf, welches an seinem bisschen Leben hängt und seinem Schicksal letztendlich nicht entrinnen kann. Schöpfer Viktor Frankenstein schreitet am Ende als das wahre Monster von der Bühne.

Wer es gestern noch nicht miterlebt hat, dem kann ich dieses Spektakel nur wärmstens ans Herz legen. Für Samstag und Sonntag gibt es noch Karten.