Thüringer Mundart ist Sprache der Heimat

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Bach-Stammort Wechmar: Seit rund acht Jahren macht der Thüringer Landestrachtenverband e.V. am „Tag des Thüringer Brauchs“ auf besondere Sitten und Bräuche in Thüringen aufmerksam.

Nicht selten sind diese Traditionen im Alltagsleben vergessen und drohen auszusterben. Dem stellen sich die engagierten fünftausend Mitglieder des Landesverbandes in ihrer täglichen ehrenamtlichen Arbeit unerschrocken entgegen.

Unter dem Motto „Mundart – die vergessene Muttersprache“ hatte der Landesverband am 25. August 2013 zu einer Tagung ins Landhaus Studnitz geladen. Dass das Thema spannend wird, dass wussten die Verantwortlichen um Landesgeschäftsführerin Eva Kowalewski, dass aber 76 Teilnehmer den Tagungsraum überfüllten, das war wohl kaum zu erwarten und stimmte hoffnungsvoll.

Landesvorsitzender Knut Kreuch begrüßte und machte deutlich, wie oft schon Thüringer Trachtenträger in den letzten zwanzig Jahren Pionierarbeit leisten durften, nicht zuletzt mit der einzigartigen 50. EUROPEADE in Gotha, wo vor zwei Jahren kaum ein Verantwortlicher bereit war, an diesen Erfolg zu glauben. Rund zwanzig Mundartgruppen in Thüringen widmen sich zur Zeit der Muttersprache und sorgen dafür, dass der Dialekt erhalten wird. Noch mangelt es an einer staatlichen Förderung der Muttersprache, wie im Falle der Pflege des Platt in Norddeutschland oder des Sorbischen in Brandenburg und Sachsen.

Die Teilnehmer des Tages erlebten spannende Vorträge. Dr. Peter Fauser von der Volkskundlichen Beratungs- und Dokumentationsstelle für Thüringen begann, nachdem die Folklore-Vereinigung „Alt-Ruhla“ mit zwei Liedern in Mundart den Tag eröffnete, in seinem Vortrag „Die Sprache des Alltäglichen – Ein Plädoyer für die Mundart“ einen ersten umfassenden Eindruck über die Mundartpflege in Thüringen zu geben.

Wido Hertzsch, der engagierte Kreisheimatpfleger des Altenburger Landes, war mit zwei tollen Beiträgen in Wort und Musik aus dem kulturell reichen Ostthüringer Landstrich dabei, Christel Kinzel und Monika Klingebiel aus Steinbach/Eichsfeld rissen die Zuhörer zu Lachsalven und Beifallsstürmen hin, wenn sie erzählten oder nach Akkordeonmelodien sangen. Ingrid Gruhl aus Arnstadt hat schon erste Mundartbücher veröffentlicht und erzählte über „Arnscht und Umgebung in der heutigen Zeit – eben den Leuten aufs Maul geschaut“. Elfi Reichert aus Steinbach im Thüringer Wald brachte die von ihrer Mutter Ruth Kindler in Mundart verfassten Gedichte zu Gehör.
Eine der schönsten Mundarten Thüringens ist immer noch täglich in den Bergstädtchen Ruhla zu hören. Lotar Köllner und  Achim Brenn erklärten die Details dieser einzigartigen Sprache in tollen Wortbeiträgen.
Den Abschluss des Tages bildete die Gruppe um Dr. Hans Hochberg. Wilma und Friedhelm Kronfeld, Magdalene Gleichmar, Ingeborg Stier, Werner Kästner und Marlis Peters brillierten mit Schnärzchen und Schnurren in der Muttersprache ihres Heimatortes, denn sie sind die Wechmarer Mundartschwätzer.

Am Ende des Tages waren sich alle einig, 2014 soll es wieder eine Tagung zur Thüringer Mundart geben. Aus der Mitte der Veranstaltung kam die Anregung, doch über die Stiftung eines „Thüringer Mundartpreises für junge Leute“ nachzudenken, denn die junge Generation ist es, die in Bild und Ton im Facebook, über Twitter und SMS das Schönste ihres Heimatortes, die Sprache verbreiten und damit erhalten kann.

Foto: Teilnehmergruppe aus Ruhla

Foto: Eva Kowalewski

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