375 Jahre: Intendantin über das Jubiläum der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach

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Michaela Barchevitch (Quelle: Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach)
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Bereits seit Januar dieses Jahres begeht die Thüringen Philharmonie Gotha-
Eisenach ein ihr 375-jähriges Jubiläum. Grund genug für ein Grußwort der Intendantin Michaela Barchevitch:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter unserer Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach, liebes Publikum,

im Jahr 2026 begeht die Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach ein außergewöhnliches Jubiläum: Seit der Gründung der Gothaer Hofkapelle durch Herzog Ernst I. im Jahr 1651 prägt unser Orchester – eines der weltweit ältesten – ununterbrochen und auf höchstem Niveau die Musik- und Kulturlandschaft Thüringens.

Was einst im höfischen Rahmen begann, hat sich über mehr als 375 Jahre hinweg zu einer Institution von regionaler und nationaler Strahlkraft entwickelt. Noch während des Dreißigjährigen Krieges ließ Herzog Ernst I. auf den Ruinen der Burg Grimmenstein das Schloss Friedenstein errichten – ein Bau, dessen Name den Wunsch nach einem friedvollen und gesellschaftlich-kulturellen Neubeginn trug. Mit der Gründung der „Herzoglichen Hofkapelle Gotha“ legte er den Grundstein für eine Epoche, in der Bildung, Wissenschaft, Kunst und Musik prägenden Einfluss hatten und die unser Orchester bis heute trägt.

Als Orches­ter ohne eigenes Haus gestalten wir unsere Arbeit seit dem Verlust des Hoftheaters 1945 in beständiger räumlicher Wanderschaft – zwischen Gotha und Eisenach, in Residenzen, Kirchen und besonderen Orten Thüringens. Diese Mobilität ist eine Quelle ständiger Inspiration: Sie ermöglicht es, Musik in vielfältigen Räumen erlebbar zu machen, den Dialog mit Menschen und Geschichte zu suchen und Begegnungen mit der reichen Natur- und Kulturlandschaft Thüringens zu schaffen.

In jedem Konzert wird spürbar, wie Musik Räume öffnet, Erinnerungen weckt und Menschen über Generationen verbindet. Die Vielfalt der Aufführungsorte inspiriert uns, alte Traditionen mit frischen Perspektiven zu verweben. So bleibt das seit 1651 verankerte Versprechen lebendig: Musik überdauert die Zeiten, wenn wir sie mutig und frisch gestalten. Jede Spielzeit bestätigt, dass die Suche nach besonderen Orten unsere künstlerische Freiheit bereichert, Menschen berührt und die Landschaft belebt. In dieser ständigen Bewegung entfaltet sich unsere Arbeit – ein Wandern zwischen Geschichte, Natur und Klang, das Musik zum lebendigen Erlebnis macht.

Mit der Jubiläumsspielzeit 2026 „Wanderer zwischen den Welten – Thüringen entdecken mit der Thüringen Philharmonie“ setzt der Klangkörper seit Januar 2026 ein Novum in der deutschen Orchesterlandschaft: Erstmals wird eine gesamte Spielzeit als Jahresspielzeit konzipiert, die sich am Kalenderjahr orientiert. Diese Entscheidung schafft nicht nur neue Freiräume in der künstlerischen Planung, sondern bekräftigt auch das Selbstverständnis eines Orchesters, das seine Musik zu den Menschen bringt – dorthin, wo sie leben, arbeiten und ihre Freizeit gestalten. Seit Jahren ist die Philharmonie für Konzerte an besonderen Orten bekannt – ein prägendes Alleinstellungsmerkmal Thüringens.

Auch 2026 verlassen wir vertraute Konzertsäle, wagen musikalische und organisatorische Experimente und lassen die Aura außergewöhnlicher Orte in die Musik einfließen. Der Leitgedanke „Thüringen entdecken mit der Thüringen Philharmonie“ hat zu einer Partnerschaft mit der Thüringer Tourismus GmbH (TTG) geführt, die uns bei der Auswahl der Orte, die nicht nur musikalisch, sondern auch touristisch eine herausragende Attraktivität besitzen, unterstützt – dafür danken wir herzlich. Solche Vorhaben gelingen nur in enger Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten, die Thüringens Kulturlandschaft und Tourismus mit Erfahrung, Sensibilität und Weitblick gestalten. Historische Schlösser, Kirchen, Kulturdenkmäler sowie Landschafts- und Naturkulissen werden so zu Konzertbühnen, auf denen Kultur und Natur auf besondere Weise zusammenkommen. Auch unser Jubiläums-Spielzeitheft ist zu einer außergewöhnlichen, äußerst umfangreichen Lektüre avanciert. So präsentiert es sich nicht nur als umfassende Programmübersicht, sondern vereint Konzertkalender und musikalischen Reiseführer zugleich – reich bestückt mit faszinierenden kulturtouristischen Hintergrundgeschichten, exklusiven Empfehlungen und inspirierenden Entdeckungsanregungen.

Und so laden wir Sie zu einer musikalischen Entdeckungsreise durch Epochen und Stilrichtungen ein: Legenden, Mythen, Liebesgeschichten, Heldensagen, Minnesänger und Fabelwesen begleiten Sie ebenso wie die wilde Natur des Thüringer Urwalds. Sie begeben sich auf Zeitreisen zu authentischen Bach-Orten, erleben die Geschichten der heiligen Elisabeth von Thüringen und Martin Luthers der Wartburg, entdecken mystische Plätze, malerische Schlösser, stille Täler, klare Seen, kulturhistorische Geheimtipps und einzigartige UNESCO-Welterbestätten. Lauschen Sie unserer Musik auf Waldbühnen, wandeln Sie über Baumwipfelpfade, erkunden Fossilien im Geopark, genießen Picknick-Konzerte im Rosengarten von Bad Langensalza, folgen dem Goethewanderweg oder entspannen in wohltuenden Thermen – mitten im grünen Herzen Deutschlands.

Das Leitmotiv „Wanderer zwischen den Welten“ ist bewusst mehrdeutig: Es verweist auf die historische Bewegung des Orchesters zwischen Hofkultur und bürgerlicher Öffentlichkeit, zwischen Gotha und Eisenach, zwischen lokaler Verwurzelung und internationaler Ausstrahlung – und auf die ästhetische Idee, dass Musik Grenzen überschreitet und Räume wie Zeiten verbindet. Die Programmgestaltung spiegelt dies durch Sinfonik, Barock, zeitgenössische Werke und Crossover-Formate wider. Das Friedenstein Open Air, bei dem die Philharmonie mit internationalen Pop- und klassischen Künstlern zusammentrifft, steht exemplarisch dafür.

Besonders hervorzuheben sind unsere Artists in Residence: der international gefeierte Cellist Alexey Stadler, der in mehreren Sinfoniekonzerten bedeutende Werke interpretiert und zwei kammermusikalische Abende gestaltet, sowie der Countertenor und Crossover-Künstler Nils Wanderer. Mit seinem Projekt „Wanderer zwischen den Welten“ verbindet er Barockmusik mit elektronischen Klängen und schlägt eindrucksvoll eine Brücke zwischen E- und U-Musik. Seine Konzerte entfalten eine sinnliche, innovative Tonsprache, die das Publikum einlädt, musikalische Grenzen zu überschreiten.

In einer Welt, die von Geräuschen überflutet ist, sollten wir uns bewusst Zeit nehmen – für das Hören von Musik im Konzert, für das Eintauchen in Klänge und in die Stille des Moments. Gönnen Sie sich diese Auszeit, um zu entspannen, zu träumen, zu staunen, Neues zu entdecken und sich inspirieren zu lassen – gemeinsam mit Ihrer Thüringen Philharmonie an einzigartigen Orten Thüringens.

Sie, liebes Publikum, begleiten unsere Philharmonie seit vielen Jahren und sind dem Orchester sowie seinen Konzerten treu verbunden. Dafür danken wir Ihnen von Herzen. Sie sind Quelle der Inspiration und Ziel unseres künstlerischen Weges – unser Ansporn, Musik zu besonderen Erlebnissen werden zu lassen. Feiern Sie mit uns und lassen Sie sich von unserem Orchester sowie von Konzerten an außergewöhnlichen Orten verzaubern.

Ihre Michaela Barchevitch

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 7 (2026)

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