Da steht sie, verborgen hinter Bäumen, ein ruhiges Fleckchen am Rande der stark befahrenen Europakreuzung in Gotha: die Kesselmühle.
Die Kesselmühle ist Gothas ältester noch bestehender Wirtschaftsbetrieb und die älteste Mühle der Stadt. Ihre urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1349 zurück. Das Gebäude hat sieben abwechslungsreiche Jahrhunderte überstanden. Im 18. und 20. Jahrhundert wurde das Gebäude mehrfach umgebaut, erweitert und modernisiert. „Bereits 1935 wurde ein Elektromotor eingebaut. Das alte Wasserrad musste weichen“, erzählte Klaus Weibezahl, Tischlermeister und Besitzer des Grundstücks. Von klein auf lebte er hier und liebte die alte Mühle. Der Einbau eines Motors war damals unumgänglich, da der Graben an der Mühle zu wenig Wasser führte.
Im Inneren der historischen Anlage ist alles so erhalten, wie es 1992 zurückgelassen wurde. Damals stellte die Familie Weibezahl, ehemals Willing, den Betrieb ein. „Das hat zwei einfache Gründe“, erklärte Klaus Weibezahl. „Gegen die großen Industriemühlen und ihre Logistik kam hier niemand an. Dazu kommt, dass mein Onkel aufgrund seiner Gesundheit die Müllertätigkeit einstellen musste.“
Über 30 Jahre lang standen die Mahlgänge still. Verfallen ist hier jedoch nichts. Klaus Weibezahl hat sich mit vollem Einsatz einem Projekt verschrieben. Entweder greift er selbst zu Hobel und Lochsäge oder er lässt einen professionellen Mühlenbauer die Anlage warten. Die Restaurierung verfolgt ein klares Ziel: Der historische Steinmahlgang soll wieder voll funktionsfähig werden.
„Ich würde mir schon wünschen, dass hier alle zwei oder drei Monate wieder Getreide gemahlen wird“, so der Eigentümer bei einem Rundgang durch sein „Goldstück“. Bis sich der Steinmahlgang wieder dreht, ist noch eine lange Mängelliste abzuarbeiten. Die Steine müssen geschärft werden, außerdem gilt es, einen neuen Elektromotor sowie einen Sichter einzubauen, und die Transmissionswelle muss repariert werden.
Insgesamt rechnet Klaus Weibezahl mit einer Investitionssumme von 25.000 Euro. Einen Großteil dieser Kosten kann er über Fördermittel decken. Von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz erhielt der Tischlermeister 10.000 Euro. Überzeugt von seinem Weg ist Klaus Weibezahl allemal. „Die Kesselmühle ist etwas Seltenes. So etwas wie hier gibt es wohl kein zweites Mal“, bekräftigte der Besitzer.
Wenn alles gut läuft, hofft Weibezahl, dass Führungen durch die Mühle schon im kommenden Jahr am Deutschen Mühlentag oder am Tag des offenen Denkmals möglich sein werden. Dann können Interessierte selbst Steinboden, Getriebekeller, Rohrboden und Sichterboden entdecken.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 6 (2026)

















