
Keine Schnittblume ist derzeit so populär wie die Tulpe. Vom Markt bis zum Discounter – es gibt kaum eine Verkaufsstelle, an der die Zwiebelgewächse jetzt nicht erhältlich sind. Das Sortiment ist groß und die Blütenfarben und -formen lassen bei den Verbrauchern keine Wünsche offen. Noch bis Ende Mai werden tagtäglich in den Niederlanden abertausende Stiele geerntet, gebündelt, verpackt und binnen 24 Stunden auf den Weg in den deutschen Handel gebracht.
Farbenfrohe Landschaft
Wer im Frühjahr einmal in unserem Nachbarland unterwegs war, verbindet die Tulpe vielleicht auch mit dem legendären Keukenhof, der ab der dritten Märzwoche wieder seine Pforten geöffnet hat. Hier präsentierten die Blumenzwiebelgärtner sowohl den Blumenzwiebelhändlern und gärtnerischen Kollegen, als auch interessierten Besuchern seit mehr als 75 Jahren ihre Sortimente, Spezialitäten, Besonderheiten und all das, was sie in langwierigen Veredlungsprozessen hervorgebracht haben. Aber nicht nur der Park selbst, die gesamte Region ist zu dieser Jahreszeit ein touristisches Highlight. Zwischen den Städten Haarlem und Leiden lässt sich dann auf der sogenannten Bollenstreek eine farbenfrohe Blumenlandschaft bestaunen, die einzigartig auf der Welt ist. Riesige Felder mit Millionen von Tulpen, Narzissen, Hyazinthen schaffen eine unglaubliche Atmosphäre, die nicht nur aus der Luft an die Gemälde des Künstlers Piet Mondrian erinnern.
Wenn die Mähmaschinen kommen
Viele Touristen glauben, die schönen Frühlingsblüher würden irgendwann geschnitten und früher oder später irgendwo in einer Vase stehen. Deshalb sind sie oft entsetzt, wenn sie im April beobachten, dass Tulpen und Co. im Stadium voller Reife von riesigen Mähmaschinen geköpft werden. Zurück bleiben kahle Stiele und Laub sowie farbige Berge von Blütenblättern, die entlang der Felder aufgehäuft sind. Aber keine Sorge: Hier wird nicht etwa eine nicht verkaufte Ernte vernichtet. Die Frühlingsblüher wurden nämlich gar nicht als Schnittblumen angebaut. Das Augenmerk liegt im Freiland zumeist voll und ganz auf den Blumenzwiebeln in der Erde. Sie sollen sich möglichst gut und kräftig entwickeln. Deshalb werden auch die Blüten entfernt. Denn nimmt man den Tulpen die Möglichkeit Samen zu bilden, fließt alle Energie in die Bollen (wie die Niederländer sagen) und lässt diese wachsen. Im späten Sommer, wenn das Laub der Pflanzen längst eingetrocknet ist, ist dann Erntezeit. Einige von den prächtigen Exemplaren kommen nun in den Handel und können im Herbst in Privatgärten gepflanzt werden. Der Großteil aber geht in eine der 400 niederländischen Tulpengärtnereien, die Schnittblumen produzieren. Dort werden sie zunächst in riesigen Kühlzellen temperaturkonditioniert eingelagert. Ab November kommen sie dann nach und nach ins 16 bis 18 Grad Celsius warme Gewächshaus, das mit Photovoltaikanlagen temperiert wird und den Zwiebeln den Frühling vorgaukelt. Innerhalb von nur drei Wochen treiben sie hier meistens nur auf Wasser und bilden ihre zauberhaften Blüten.




















