Stadtwerke Gotha springen als Grundversorger ein

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Strom ist unverzichtbar. Foto: Geralt/Pixabay

Gotha (red/se, 14. Januar). Etwa 200 neue Kunden würden aufgrund der aktuellen Entwicklungen derzeit von den Stadtwerken Gotha mit Energie versorgt, so Sabine Erlewein, Pressesprecherin der Stadtwerke Gotha.

Als vorübergehende Maßnahme stelle die Stadtwerke Gotha das Neukundengeschäft ein. Die Preise der Grundversorgung müsse der lokale Versorger allerdings vorübergehend erhöhen, um wirtschaftlich handeln zu können. Die Preise für Bestandskunden blieben indes unangetastet.

Die Situation am Energiemarkt spitzte sich zu: Durch die hohen Energie-Beschaffungspreise an der Börse seien die Billiganbieter unter Druck geraten und stellten ohne Vorwarnung die Belieferung ihrer Kunden ein. So geschehen zuletzt bei Stromio.

In ihrer Funktion als Grundversorger würden die Stadtwerke Gotha nun einspringen und diese Kunden ersatzweise mit Energie versorgen. „In unserem Versorgungsgebiet bleibt kein Wohnzimmer dunkel oder kalt“, versicherte Dirk Gabriel, Geschäftsführer der Stadtwerke Gotha GmbH.

Auf die zusätzlichen Kunden seien Grundversorger grundsätzlich vorbereitet. Mit einer langfristigen Beschaffungsstrategie würden sie Energie in Tranchen über Jahre im Voraus beschaffen und so die Versorgung in ihrer Region absichern.

Discounter hingegen würden auf kurzfristige günstige Angebote an der Strombörse spekulieren – und gerieten unter Druck, wenn die Preise am Beschaffungsmarkt so steigen wie in den letzten Monaten. Weil sie ihre Kunden dann buchstäblich auf die Straße setzten, gerate das System ins Wanken: Auf Grund der ungewöhnlich großen Menge an Neukunden müssten jetzt viele Grundversorger zusätzliche Mengen an Energie kurzfristig zu den extrem hohen Preisen einkaufen.

Dirk Gabriel findet klare Worte für die Situation: „Die Strategie der Billiganbieter funktioniert in der aktuellen Situation nicht mehr. Sie haben bisher spekulativ eingekauft und lockten Kunden mit niedrigen Preisen, unterstützt von Wechselportalen. Jetzt sichern sie ihre Erträge, indem sie sich einfach durch Lieferstopp von ihren Kunden befreien. Das geht zulasten der Grundversorger.“

Man sehe sich in der Verpflichtung, seine Bestandskunden vor Preiserhöhungen zu bewahren. Deshalb habe die Stadtwerke Gotha das Neukundengeschäft vorübergehend eingestellt und – ebenfalls für eine Übergangszeit – die Strompreise in der Grundversorgung auf 86,57 Cent pro Kilowattstunde erhöht. „Damit wollen wir niemanden bestrafen. Wir haben diesen Preis kalkuliert auf Basis der Einkaufspreise zum Jahreswechsel. Denn wir tragen Verantwortung für unsere Bestandskunden sowie für unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hier in der Region“, sagt der Geschäftsführer.

Raus aus der Grundversorgung, rein in den Sondertarif
Allerdings könne, wer in der Grundversorgung der Stadtwerke Gotha landet, diesen Vertrag kündigen und – trotz Stopp des Neukundengeschäfts – in einen der Sondertarife einsteigen. „Die Grundversorgung stellt einen Tarif für eine Übergangszeit in einer besonderen Situation dar. Wir bieten unseren neuen Kunden an, in einen günstigeren Tarif bei uns zu wechseln“, erläutert Dirk Gabriel.

Auch werde die momentane Situation langfristig nicht so bleiben: „Wir werden in den nächsten Wochen eine weitere Anpassung vornehmen können und den Preis für die Grundversorgung wieder reduzieren.

Deutlich kritisiert der Geschäftsführer das Geschäftsmodell der Billiganbieter: „Es darf nicht sein, dass dieses Fehlverhalten immer wieder durch die Solidargemeinschaft der seriösen Anbieter aufgefangen werden muss.“ Er forderte den Gesetzgeber auf, diesem Verhalten durch klare Regelungen Einhalt zu gebieten.

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