Etwas unscheinbar gelegen, aber jedem Ballstädter bekannt, befindet sich in der Stubengasse 2 „Tinas neuer Konsum“. Hier wird Wert auf Regionalität gelegt und aus Überzeugung und Liebe zur Gemeinschaft gearbeitet.
Tina Schmidt ist seit Januar 2023 die Besitzerin des kleinen Geschäftes. Die gebürtige Ballstädterin hatte den Laden von der – extra für den Konsum gegründeten – Bürgergenossenschaft aus der Gemeinde im Nessetal übernommen. „Es war schon immer mein Wunsch, irgendwann einmal selbstständig zu sein.“
Die Voraussetzungen dafür hat sie: Tina Schmidt wurde bei „Leifer Schuhmode“ zur Einzelhandelskauffrau ausgebildet – und übernahm danach verschiedene Verkaufsjobs. Vor fünf Jahren lockte sie eine Stelle in ihren Heimatort zurück – in eben jenem Genossenschaftskonsum. Dort übernahm sie schnell Leitungsaufgaben. „Seit der Übernahme 2015 wurde hier viel erreicht. Aber die Umsetzung eines neuen Projektes oder einer Idee nahm immer viel Zeit in Anspruch. Es mussten alle Mitglieder befragt werden, dann wurde geprüft, ob Gelder da sind, und wenn doch mal zwei Anteilhaber dagegen waren, wurde alles verworfen“, schaut Frau Schmidt zurück. Ihr Interesse, das Geschäft selbst zu übernehmen, wuchs mit jedem Monat ihrer Tätigkeit. Der Wunsch stieß bei der Bürgergenossenschaft auf größtes Interesse – und Zuspruch. Dabei verspürte die zweifache Mutter Freude und Angst gleichermaßen. „Es ist toll, gesteckte Ziele zu erreichen. Aber ich hatte Bedenken, wie alles unter einen Hut gebracht werden könnte. Mit zwei Kindern und meinem Mann, der ebenfalls selbstständig ist, standen wir als Familie vor keiner leichten Aufgabe.“ Am 1. Januar 2023 über- nahm sie das Geschäft – und bisher „ist alles glatt gelaufen“.
Als Leiterin des gemütlichen Konsums verschwimmt jedoch die Grenze von Arbeit und Freizeit. Einen wirklichen Feierabend hat Tina Schmidt nicht. Einerseits haben Kunden die Telefonnummer der 36-Jährigen – etwa, um Bestellungen zu tätigen. Andererseits driften ihre Gedanken immer wieder zum Laden zurück. „Ich überlege ständig: Was kann man noch Neues machen? – Wo stelle ich etwas um? – Welche Bestellungen muss ich noch machen?“ Wirklich abschalten kann Frau Schmidt nur im Urlaub, wenn der Konsum zwei oder drei Wochen geschlossen ist.
Trotzdem will die Inhaberin nicht klagen. Das kleine Geschäft bleibt in Ballstädt ein Treffpunkt und Ort des Austausches für die Gemeinschaft. Damit nicht nur ältere Menschen den Konsum oft besuchen, wurden zum Beispiel zwei Eismaschinen aufgestellt. „Das Eis mache ich selber und es freut mich, wenn Kinder nach der Schule zu mir kommen.“ Besonders im Sommer lockt die beliebte Leckerei die Kunden in das Geschäft. Doch das allein kann die Atmosphäre und Auswahl im Laden kaum beschreiben. Der „Neue Konsum“ führt alle Produkte des täglichen Bedarfs. Dabei achtet die gebürtige Ballstädterin auf Regionalität. „Unsere Wursttheke füllen wir mit Produkten der Fleischerei Keyßner aus Pferdingsleben, der Honig stammt aus Hausen, und Obst sowie Gemüse erhalten wir zum
Großteil frisch vom Feld aus Herbsleben.“ Das würden die Kunden am Preis kaum spüren. Laut Schmidt seien ihre Preise vergleichbar mit denen eines REWE-Supermarktes.
Einen Teil der Produktpalette hat sie von der Bürgergenossenschaft übernommen. „Unsere Eier stammen aus Hochheim. Ich fand deren Bedingungen und Qualität gut.”
Mit einer Festangestellten und einer Teilzeitkraft ist das Geschäft gut aufgestellt. Um in der digitalisierten Welt zu bestehen, arbeite sie an verschiedenen Projekten, so Tina Schmidt. „Für den Konsum habe ich eine Webseite, wir sind auf Instagram und Facebook vertreten und seit kurzem haben wir einen WhatsApp-Kanal eingerichtet!“ Jetzt müsse nur noch der Online-Shop besser laufen. Doch um die Zukunft des Konsums macht sich die Chefin keine Sorgen. Wünschen wir dem kleinen Laden alles Gute.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 8 (2025)




















