Was wir überhaupt noch essen können: Ein Gespräch über gesunde Lebensmittel und kluges Einkaufen

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Volker Manz (Foto: privat)

Das Sachbuch „Was wir überhaupt noch essen können“ (erscheint am 24. Februar im Next Level Verlag, 19,90 Euro) führt den Leser durch die verschiedenen Abteilungen des Supermarktes und hilft ihm, die richtige Wahl beim Einkauf seiner Lebensmittel zu treffen. Dabei entlarvt Journalist Ron Perduss die Tricks der Industrie, während Dr. Volker Manz, Gründer des SI Ernährungsinstituts und regelmäßiger Experte in TV-Formaten wie RTL Punkt 12 und Galileo, auf unterhaltsame Weise die Grundlagen einer gesunden Ernährung vermittelt, die im Markt beginnt. Ein Gespräch mit unserem Mitarbeiter André Wesche aus Waltershausen.

Dr. Manz, wie sah Ihre letzte Mahlzeit aus?

Ich leite ein Ernährungsinstitut und bin da schon Profi. Was ich lehre, mache ich größtenteils auch selbst. Es ist wie ein Training: Alles, was ich erzähle, probiere ich natürlich auch aus. Dieser Lebensstil, die Form der Ernährung ist bei mir schon in Fleisch und Blut übergegangen. Das Frühstück ist für mich eine der wichtigsten Mahlzeiten des Tages, aber das ist ganz individuell. Mit dem Frühstück bringe ich den Stoffwechsel in Wallung. Für mich ist die Auswahl der Produkte wichtig, deren Qualität, aber auch die Reihenfolge, in der ich etwas esse. Ich nehme Proteine und Ballaststoffe zu mir, das bringt ein gutes Sättigungsgefühl. Wir haben jetzt 15 Uhr und es hält immer noch vor. Zwischendurch habe ich einen Apfel als Snack gegessen. Aber es geht nicht nur um die bloße Nahrungsaufnahme, essen soll auch ein Wohlgefühl auslösen. Man kann den Körper entsprechend trainieren und neu ausrichten. Ich war neulich mit meiner Familie Burger essen und er ist mir nicht bekommen.

Wo lag das Problem?

Nicht, dass der Burger schlecht gewesen wäre, es lag am verwendeten Fett. Das wäre mir früher nie aufgefallen, aber man gewöhnt sich an gute Ernährung. Mein Körper ist an eine naturbelassene Ernährung gewöhnt. Stark verarbeitete Fette vertrage ich deshalb schlechter. Eines meiner Therapiezentren liegt genau zwischen den Filialen zweier Fastfood-Ketten. Kunden kommen in erster Linie zur Gewichtsabnahme zu mir und viele sagen im Erstgespräch, wie gemein das ist. Das riecht so gut! Wenn sie dann in meinem Programm sind und das Gute von dem weniger Guten unterscheiden, beklagen sie schon nach wenigen Wochen den Geruch nach ranzigem Fett.

Inwieweit war es wichtig, sich rechtlich gegenüber der Food-Lobby abzusichern?

Ich bin schon sehr lange in diesem Geschäft und verurteile niemand. Ich komme aus dem Leben und kenne alle Perspektiven: die Verbraucherperspektive, die Sportlerperspektive und die Perspektive, etwas anzubieten. Man darf nicht immer über „die bösen Lebensmittelhersteller“ und die langen Zutatenlisten schimpfen. Das wäre zu einfach. Die Lebensmittelindustrie möchte verkaufen und Profit machen. Das würde ich auch wollen, wenn ich Hersteller wäre. Ich habe selbst ein Produkt in der Pipeline, ein Lebensmittel, das ich markttauglich machen möchte. Wenige Zutaten, für Kinder und Erwachsene, vegan. Das wollte ich auf den Markt bringen. Und dann kam das Rechtliche. So einfach geht es dann doch nicht!

Inwiefern?

Ich muss die Konsistenz erhalten, konservieren, das Produkt transportfähig machen und so weiter. Da komme ich häufig um Zusatzstoffe nicht herum. Wenn ich etwas Gutes und Einfaches anbieten möchte, kann ich das auf dem Kindergarten- oder Schulfest tun, aber nicht, wenn ich es produzieren und transportieren will. Da wird es wirklich
anspruchsvoll. Die Zutaten der Lebensmittelhersteller haben aus unternehmerischer Sicht durchaus ihre Daseinsberechtigung, es geht um Konsistenz, Farbe, Geschmack. Mainstream. „Sweetness sells“. Ich spreche nie von schlechten Lebensmitteln, ich sage immer nur „gute und weniger gute Lebensmittel”. Die Industrie will den Verbraucher nicht veräppeln, aber sie verpackt ein Produkt geschickt und umgarnt einen so, dass es gesund erscheint. Die wollen mir nicht schaden, aber sie wollen mich auch nicht gesund machen. Sie wollen verkaufen und deshalb spielen Logo, Farbe, Marketing, Geruch, Licht, Musik eine Rolle dabei, etwas an den Mann zu bringen. Das ist nicht verboten und der Verbraucher muss selbst wissen, worauf es ankommt, denn es gibt sie eben doch – die guten und hochwertigen Lebensmittel. Bei deren Entdeckung hilft mein Buch.

Im Buch wird Essen in drei Kategorien eingeteilt: Lebensmittel, Überlebensmittel und Genussmittel.

Diese Dreiteilung ist tatsächlich meine persönliche Einteilung. Ich benutze gern das Beispiel eines Autos, um den Zusammenhang herunterzubrechen. Alle stürzen sich auf das Benzin, den Strom – den Antriebsstoff eben, denn damit fährt das Auto. Das stimmt aber nicht ganz. Wenn ich als Mensch immer Überlebensmittel tanke – Fertiggerichte, die einen hohen Energie- aber einen geringen Nährstoffgehalt haben – halten die mich am Leben. Das Auto fährt, aber irgendwann fängt die Öllampe an zu blinken und das Wischwasser und die Bremsflüssigkeit sind alle. Die Bremsen verschleißen und die Batterie schwächelt. Das sind ganz konkret die Mikronährstoffe. Fehlen sie, wird das ganze System fehlerhaft. Die Lebensmittel sind viel wichtiger als die Überlebensmittel. Lebensmittel vermitteln ein gutes Leben, Überlebensmittel sind die Convenience-Produkte. Wir haben Stress und alles soll schnell gehen. Das aber ist doch nicht alles im Leben.

Fragen: André Wesche

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 2 (2026)

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