Als Jesus ein „arischer Galiläer“ war

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In diesem Gebäude in der Eisenacher Bornstraße hatte das „Entjudungsinstitut“ seinen ersten Sitz. (Foto: Stiftung Lutherhaus Eisenach)

Jena (tbx/FSU) Jeglicher Einfluss des Judentums auf das Christentum sollte aus den Schriften und Glaubenspraktiken der evangelischen Kirche entfernt werden. Mit diesem Ziel gründeten evangelische Theologen, Kirchenleiter und Vertreter von elf Landeskirchen im Jahr 1939 das „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“, kurz „Entjudungsinstitut“, im Hotel auf der Wartburg in Eisenach. 80 Jahre danach findet am selben Ort eine wissenschaftliche Tagung unter Leitung der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Christopher Spehr von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Prof. Dr. Harry Oelke von der Ludwig-Maximilians-Universität München statt. Vom 18. bis zum 20. September treffen sich dort Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, um bisherige Forschungen zum „Entjudungsinstitut“ zusammenzuführen und somit zur Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels der Kirchengeschichte beizutragen. Der Universität Jena ist diese Aufarbeitung ein besonders wichtiges Anliegen, nicht zuletzt, weil mit Walter Grundmann ein ehemaliger Jenaer Theologieprofessor an der Spitze des „Instituts“ stand.

Wirkung des „Instituts“ in Ost- und Westdeutschland

In Vorträgen und Diskussionsrunden nähert sich die Tagung dem Thema „Kirche und Antisemitismus in der NS-Zeit“ aus verschiedenen Perspektiven. So wird etwa die Verbindung von Ideologie und Theologie der antisemitischen Einrichtung besprochen und mit ähnlichen pseudowissenschaftlichen Instituten der NS-Zeit verglichen. Ein weiterer Programmpunkt ist das Engagement der Bekennenden Kirche, einer Oppositionsbewegung evangelischer Christen, die das Eisenacher Institut heftig kritisierte. Überdies wird diskutiert, welche Auswirkungen das „Institut“ nach dem Ende des Nazi-Regimes in Ost- und Westdeutschland hatte und wie die evangelische Kirche mit ihrer NS-Vergangenheit umgegangen ist.

Jesus als „arischer Galiläer“ dargestellt

Auf Betreiben der Kirchenpartei „Nationalkirchliche Einung Deutsche Christen“ wurde das „Entjudungsinstitut“ am 6. Mai 1939 in Eisenach gegründet und bestand bis 1945. Zur Umsetzung der angestrebten „Entjudung“ erarbeitete es das Gesangbuch „Großer Gott wir loben dich“ und den Katechismus „Deutsche mit Gott“. Auch suchte es Einfluss auf die Ausbildung von Theologen zu nehmen. Im Jahr 1941 brachte das „Institut“ ein „Volkstestament“ heraus, in dem Jesus nicht als Jude, sondern als „arischer Galiläer“ dargestellt wird. Durch Tagungen und Arbeitskreise sammelte das „Institut“ europaweit einen großen Unterstützerkreis. Kirchenleitende Persönlichkeiten und Professoren mehrerer Universitäten schlossen sich der Arbeit an. Schließlich kamen die Handlungen des „Instituts“ durch den Kriegsverlauf zunehmend zum Erliegen. Im Nachkriegsdeutschland fanden viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des „Instituts“ neue Tätigkeiten in Wissenschaft und Kirche. Auch deshalb bedarf das Thema – über die bereits geleistete Forschung hinaus – einer soliden wissenschaftlichen Aufarbeitung.

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