Erster Matchball um Klassenerhalt verwandelt

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Susann Utes (links) gegen die Essenerin Ina Lehmann im Bundesliga-Spiel FF USV Jena gegen SGS Essen im Ernst-Abbe-Sportfeld. Foto: Jürgen Scheere/FFUSV

Die Geschichte zu diesem Sonntag beginnt nicht um 14:00 Uhr im Essener Stadion an der Hafenstraße, beim Allianz Frauen-Bundesliga-Gastspiel der Jenaerinnen bei der SGS, sondern gut siebzig Kilometer südwestlich: Im Vormittagsspiel des 19. Spieltags besiegt im Kellerduell Mönchengladbach gegen Leverkusen der quasi schon abgestiegene Tabellenletzte Borussia den Tabellenelften Bayer 04 in der Schlussviertelstunde noch mit 2:1 Toren. Das bedeutet, der FF USV geht drei Stunden später – wider Erwarten doch mit nach wie vor vier Zählern Vorsprung auf die Bayer-Frauen und damit den ersten Abstiegsplatz – in Essen in die schwierige Partie gegen den Tabellenfünften.

Torvorlage am Essener Anstoßpunkt

Diese Vorlage der Gladbacher Fohlen müssen die Jenaerinnen aber erst einmal in ihrem eigenen Spiel nutzen. Und das tun sie, wortwörtlich vom Anstoßpunkt weg: Lucie Vonkova übertölpelt die Essenerinnen bei deren Anstoßpass, läuft mit dem eroberten Spielgerät auf das Tor der Gastgeberinnen zu und schließt erfolgreich zur ganz frühen Jenaer Führung ab (1.).
Zur Erinnerung: Im Hinspiel am 8. Spieltag stand es nach einer Spielminute ebenfalls 1:0 für die Gästeelf; damals fügten die SGS dem FF USV am Ende mit 4:0 Toren sogar die höchste Saison-Niederlage in der diesjährigen Erstliga-Runde Jenas zu. Nun, im Rückspiel, war nach dem zweitschnellsten Tor in Jenas Bundesliga-Historie dieselbe Situation gegeben, dieses Mal aber zugunsten der Jenaerinnen.

Es entwickelt sich ein rasantes Spiel zwischen dem Tabellenfünften aus dem Ruhrpott und dem Neunten aus Thüringen. Essen, in Person von Isabel Hochstein, sucht den zügigen Ausgleich (6.) – Jena, vor allem über die Torschützin Vonkova, hat weitere gute Chancen.
Spätestens bei Justien Odeurs im Jenaer Tor ist aber für die Heimelf unter Führung des früheren FF-USV-Coach Daniel Kraus Schluss: So rettet die 19-Jährige artistisch einen nicht minder artistischen Seitfallzieher der SGS-Aktiven Lea Schüller (20.).

„Alles ist heute für uns aufgegangen: Wir sind extrem schnell in Front gegangen und haben dann nicht nachgelassen, sondern engagiert – und erfolgreich – nachgelegt“, war das euphorische erste Fazit von Jenas Cheftrainerin Katja Greulich und sie spielte damit auch auf die 29. Spielminute an: Nach einer Essen-Ecke schaltet der FF USV auf Konter, Lisa Seiler legt uneigennützig auf Vonkova quer und die tschechische Nationalstürmerin netzt zum 2:0-Vorsprung aus Gästesicht ein.
Sogar das Aluminium spielt an diesem Sonntag für die Universitätsstädterinnen mit (39.). Das Einzige, was das Spiel der Blau-Weißen trübt, ist der Foulelfmeter – Heinze an Dallmann – kurz vor Ende des ersten Durchgangs; Essens Routinierin Charline Hartmann lässt in ihrem 201. Bundesliga-Spiel Odeurs vom Punkt keine Chance und verkürzt auf 1:2 Tore (40.).

Aber auch hier ist die Reaktion der Jenaerinnen in diesem Spiel von Erfolg gekrönt. Denn direkt nach dem Anschlusstreffer schaltet vorne Susann Utes bei einer Freistoßhereingabe am schnellsten und drückt den Ball zum nächsten Treffer über die Linie (42.).
Vor der Partie hatte Katja Greulich für das Duell gegen ihren alten Kollegen an der Jenaer Seitenlinie Daniel Kraus ihre Mannschaft umgebaut.
Für die gesperrte Lina Hausicke rückte Jana Sedlackova neu in die Innenverteidigung, dafür zog Greulich Susann Utes ins Mittelfeld vor. „Wir brauchen Sanni Utes für mehr Stabilität im Zentrum und ihre Spielintelligenz ist wichtig in unserem Mittelfeld“, erläuterte die Fußballlehrerin die personelle wie taktische Änderung. Toreschießen war in dieser Aufzählung für Utes‘ Aufgabenprofil zwar nicht dabei – ihren Treffer tat dem FF USV trotzdem sehr gut pünktlich zum Gang in die Kabine.

„Der ganze Spieltag lief für uns“

Aus dieser kamen beide Teams mit demselben Offensivdrang wieder zurück auf den Rasen. Zuerst scheitert in einer torszenenreichen zweiten Halbzeit die eingewechselte Ivana Rudelic im Eins-gegen-Eins vor Lisa Weiß im SGS-Kasten. Im Gegenzug verpasst die deutsche Nationalspielerin Linda Dallmann (48.).
Über Claudia van den Heiligenberg entsteht sogleich der vierte Torerfolg für Jena: Kapitänin Julia Arnold besorgt den komfortablen Drei-Tore-Vorsprung für ihre Frauen (51.).
Beide Trainerteams stellen ob dieses Zwischenstands noch einmal um; Kraus stellt seine Formation offensiv auf volles Risiko ein, Greulich setzt noch mehr auf Stabilität und Kompaktheit.
Und die auf beiden Seiten neu gebrachten Spielerinnen, zum Beispiel Radke für Essen (81.) und Graser für Jena (89.), versuchen sich noch einmal mit Abschlüssen – doch das Resultat bleibt auf der Anzeige unverändert: „Hier so zu gewinnen, das fühlt sich richtig cool an“, freute sich Katja Greulich sichtlich erleichtert. „Der ganze Spieltag lief für uns. Wir sind zwar noch nicht durch, aber sehr nah dran.“

Aus vier Punkten Vorsprung vor dem Anpfiff sind dank des 4:1-Auswärtserfolgs mit Abpfiff sieben geworden. Drei Spiele stehen nun nach diesem ersten erfolgreichen Matchball in Richtung fester Klassenerhalt noch aus.
In der englischen Woche kann der zweite gleich diesen Mittwoch, den 10. Mai 2017, folgen: Im Ernst-Abbe-Sportfeld empfängt der FF USV um 14:00 Uhr den SC Freiburg.
Am Sonntag (14.05.2017, Anstoß 14:00 Uhr) kommt der Pokalfinalist SC Sand ins Jenaer Paradies. Und die Woche darauf beschließt die Auswärtspartie beim zweiten Pokalfinalteilnehmer, dem VfL Wolfsburg, die Allianz Frauen-Bundesliga-Saison.

Ticket-Aktion zum Doppel-Heimspieltag

Die Blau-Weißen haben somit diese Woche zu Hause die große Chance die Feier für den Klassenverbleib klarzumachen. Und dazu stellt der FF USV Jena zum Doppel-Heimspieltag die folgende Gleichung auf: Tagesticket + Freikarte = FF USV 2.
Der Verein bedankt sich bei allen treuen Fans, die die Blau-Weißen selbst an einem Mittwochnachmittag im Stadion unterstützen werden.

Alle, die zum Freiburg-Heimspiel am Mittwoch an der Tageskasse ein Ticket kaufen, erhalten je Karte zusätzlich eine Freikarte, die am Sonntag gegen den SC Sand einlösbar ist *. Als kleines Geschenk zum „Heimspiel-Doppel“ gibt es somit den diesjährigen DFB-Pokalfinalisten frei Haus – oder besser: frei Stadion. Und im besten Fall die große Jubelfeier obendrauf.

SGS Essen: Weiß – Hochstein, Klasen, Lehmann, Ostermeier (55. Ando) – Brüggemann (69. Radke), Doorsoun-Khajeh – Schüller, Wilde, Dallmann – Hartmann

FF USV Jena: Odeurs – Heinze (70. Luis), Woeller, Sedlackova, van den Heiligenberg – Silva, Utes, Arnold (87. Graser), Seiler – Vonkova (46. Rudelic), Hearn

Tore: 0:1 und 0:2 Vonkova (1. und 29.), 1:2 Hartmann (40. / FE), 1:3 Utes (42.), 1:4 Arnold (51.)

Gelbe Karten: Doorsoun-Khajeh / Arnold, Heinze, Utes

Schiedsrichterin: Susann Kunkel (Hamburg)

Zuschauerzahl: 1.024

* Diese Aktion gilt nur für an der Tageskasse erworbene Tagestickets; die Freikarte ist übertragbar. Keine Auszahlung möglich. Nur gültig zum Allianz Frauen-Bundesliga-Heimspiel gegen den SC Sand am 14.05.2017.

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