Die Tuten zum (Laub-)Blasen

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Ein Platzwart bläst Herbstlaub auf dem Homewood-Friedhof in Pittsburgh. Foto: Cbaile19/Wikimedia

Gotha (red/NABU). Die Motorisierung macht auch vor den Gartengeräten nicht halt. Beunruhigend ist das Versprechen, dass es mit dem Sauger praktisch „keine unerreichbaren Flächen“ mehr gebe. Bodenlebende Kleintiere können sich kaum dem Turbo-Luftstrom widersetzen.

Statt Sauzahn, Krail, Grabgabel, Fugenkratzer oder Schere kommen zunehmend elektro- oder benzinbetriebene Fräsen, Abflämmer, Häcksler, Heckenscheren und Rasentrimmer für eine ökologisch fragwürdige Garten-Gründlichkeit zum Einsatz. Endgültig passé sind auch Rechen und Besen, denn „jetzt weht ein frischer Wind in Ihrem Garten“ – mit dem Laubsauger. „Im Kampf gegen die Laubfluten“ muss der geplagte Gärtner den Prospekten zufolge „nie wieder auf den Knien rutschen“ oder sich gar krumm machen, bis sein Garten endlich wieder „einladend sauber“ aussieht.

Turbinengetrieben blasen Laubsauger neben Blättern auch Zweige und Müll vor sich her und können Laub, Gras, Tannenzapfen und Abfall bis hin zur Getränkedose oder Zigarettenschachtel aufsaugen. Für den „Sog, der alles mitreißt“ werden Luftgeschwindigkeiten bis zu 160 Stundenkilometern und Saugleistungen von bis zu zehn Kubikmeter pro Minute erzeugt. Mit Hilfe einer Häckselfunktion, die zwischen Abfällen und häckselbarer Biomasse differenziert, wird aufgesaugtes Laub gleich kompost- und mulchgerecht zerkleinert.

Sauber bis in den letzten Winkel
Zu den ökologischen Auswirkungen erfahren Kunden lediglich, dass Kieselsteine nicht aufgesaugt und empfindliche Pflanzen am Beetrand geschont würden. Biologisch eher beunruhigend ist das Versprechen, dass es mit dem Sauger praktisch „keine unerreichbaren Flächen“ wie große Hecken, Randbepflanzungen oder Lichtschächte mehr gebe. Denn geht es dort „mit starkem Strahl bis in den letzen Winkel“ ist eine Gefährdung zahlreicher boden- und krautschichtbewohnender Kleinlebewesen nicht ausgeschlossen. Käfer, Spinnen, Tausendfüssler, Asseln, Springschwänze und Amphibien werden sich kaum dem Turbo-Blas- oder Saugstrahl widersetzen können.

Bei der Saugmahd an Straßenrändern zeigte sich, dass kein Insekt der Krautschicht, das in einen Saugmäher gelangt, überlebt und sich nur ein Teil der Krautschichtbewohner durch Flucht in den Boden retten kann. Möglicherweise kommen auch Kleinsäuger in Gefahr. Selbst wenn sie sich durch Flucht der unmittelbaren Gefahr noch entziehen können, sind Nachteile für Kleinsäuger ohne Fluchtverhalten wie Igel, für Jungtiere sowie für Verstecke und Unterschlupfe von Kleinsäugern und deren Nahrungsgrundlagen zu erwarten.

Laubstreu besser liegen lassen
Im Interesse naturnaher Gärten und der Artenvielfalt an Kleinlebewesen erscheint der Laubsaugereinsatz nur auf unbelebten Wegen, Bürgersteigen, Parkplätzen und Lagerflächen empfehlenswert. Gerade in Gärten und auf Grünflächen muss jedoch nicht jedes Blatt feinsäuberlich abgesaugt werden. Unter Sträuchern und Hecken belassene Laubstreu bietet vielen Tieren Nahrung und Lebensraum und bleibt über die Zersetzung im natürlichen Stoffkreislauf.

Vor der Bearbeitung einer Grünfläche sollte diese auf mögliche Bewohner untersucht und bei vorhandenen Kleintieren auf das Saugen besser verzichtet werden. Entsprechende Hinweise an die Käufer wurden auf Drängen von Naturschützern bei Motorsensen bereits in die Betriebsanleitungen aufgenommen, gleiches wäre bei den Laubsaugern erforderlich.

 

 

Fliesenstudio Arnold

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