„Wir haben es noch nie probiert, also geht es sicher gut.“

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Bad Tabarz (red, 27. September). In Bad Tabarz fanden am Wochenende nicht nur die Wahlen zum Deutschen Bundestag statt.
Die Gemeinde möchte Jugendlichen mehr Mitsprachemöglichkeiten geben. Deshalb waren 221 Zwölf- bis Achtzehnjährige aufgerufen, ihr Jugendparlament zu wählen. Bürgermeister David Ortmann erklärt im Interview, warum das sinnvoll ist – und was die Gemeinde noch so alles für Kinder und Jugendliche plant.

Herr Ortmann, am Sonntag wurde in Bad Tabarz ein Jugendparlament gewählt. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen – und was soll das bringen?
Der Gemeinderat hat im vergangenen Jahr ein knapp 20 Seiten umfassendes Maßnamenspapier beschlossen, das helfen soll, Bad Tabarz kinder- und familienfreundlicher zu machen. Im Rahmen der Erarbeitung hat unsere stellvertretende Sozialausschussvorsitzende Claudia Göpel mehr Mitsprachemöglichkeit in Form eines Jugendparlamentes angeregt.

Was versprechen Sie sich davon?
Vor allem finde ich es wichtig, dass sich Kinder und Jugendliche selbst mit den Themen, die sie betreffen auseinandersetzen, das fördert auch den demokratischen Prozess. Außerdem haben sie es verdient, ernst genommen zu werden. Das Jugendparlament hat ja nicht nur die Aufgabe, Wünsche zu formulieren, sondern wir haben auch geregelt, dass der Gemeinderat das Jugendparlament vor jedem Beschluss der Familien, Kinder und Jugendliche betrifft, befragen muss. Übrigens glaube ich auch, dass es der Wirtschaftlichkeit dient.

Wie meinen Sie das?
Ich finde es sinnvoll, wenn diejenigen für die Maßnahmen oder auch Investition geplant werden, im Vorfeld befragt, worauf es ihnen ankommt. Wenn wir zum Beispiel neue Freizeitflächen für Kinder- und Jugendliche planen, sollten wir fragen, was sie im Einzelnen benötigen und was sie sich wünschen. Sonst kann es passieren, dass das Erschaffene vielleicht gar nicht genutzt wird, weil an der Zielgruppe vorbei geplant wurde.

In Bad Tabarz ist kürzlich ein Pumptrack im Lauchagrund eröffnet worden. Der wird doch gut angenommen…
Ja, weil der Wunsch von den Kindern und Jugendlichen selbst formuliert wurde und sie an der Planung und der Errichtung selbst mitgearbeitet haben.

Nun liegt die Anlage ja genau an einer Kurparkanlage, die ja vor allem auch von Älteren genutzt wird. Gibt es da keine Interessenkonflikte?
Es wurde schon diskutiert, ob der Platz wirklich geeignet ist. Ich finde es richtig, wenn sich unterschiedliche Altersgruppen Plätze teilen, weil wir mehr miteinander leben müssen und nicht aneinander vorbei. Die Gesellschaft braucht mehr Zusammenhalt. Das erreichen wir nicht, wenn wir alle voneinander abschirmen. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: Um ein Kind großzuziehen, braucht man ein ganzes Dorf.

Was steht eigentlich noch in Ihrem Maßnahmepapier für eine kinder- und familienfreundliche Gemeinde?
Es handelt sich um über 20 Einzelmaßnahmen und betrifft unter anderem das Kinderbetreuungsangebot, das Freizeitangebot, den ÖPNV, Wohnraum für Familien und eben Mitbestimmungsmöglichkeiten.

Freizeitmöglichkeiten gibt es ja in dem kleinen Bad Tabarz genug.
Das stimmt. Wichtig ist aber auch, dass die Eintrittspreise so erschwinglich sind, dass es sich jedes Bad Tabarzer Kind leisten kann, diese Einrichtungen oder auch den ÖPNV zu nutzen. Deshalb haben wir zum Beispiel den Bad Tabarzer Freizeitpass eingeführt, eine Art Personalausweis, der es allen Kindern und Jugendlichen ermöglicht, massive Vergünstigungen in unseren Freizeiteinrichtungen und dem ÖPNV zu erhalten. Dadurch werden die Kinder und Jugendlichen auch freier in ihrer Freizeitgestaltung.

Das hört sich aber toll an!
Ja. Bad Tabarz soll ja auch eine der kinderfreundlichsten Kommunen im Land werden.

Das ist aber ein großes Ziel…
Ja und es wird noch einige Jahre dauern, bis wir das erreichen. Aber wie Pippi Langstrumpf schon sagte: „Wir haben es noch nie probiert, also geht es sicher gut.“

H&H Makler

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