Zahl der Wölfe wächst langsamer

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Wolfsrudel. Foto: Heiko Anders/NABU Thüringen

Gotha (red/NABU, 29. November). Wie das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mitteilte, wurden im Monitoringjahr 2021/22 161 Wolfsrudel, 43 Paare und 21 sesshafte Einzeltiere in Deutschland festgestellt. Das entspricht einem Anstieg der Territorien um knapp 5 %.

Damit hat sich das Wachstum der Wolfspopulation deutlich verlangsamt, wie das schon in den letzten Jahren absehbar war. Das oft behauptete exponentielle, oder gar unkontrollierte Wachstum der Wolfspopulation in Deutschland gebe es nicht, zeigten die neuen Zahlen des BfN, betont Silvester Tamás von der Landesarbeitsgruppe Wolf und Luchs beim NABU Thüringen: „Diese Tendenz ist auch in Thüringen zu beobachten. Mit etwas mehr als einer Hand voll Nachweisen und bislang zwei Rudeln ist der Wolf in Thüringen noch sehr selten und auch die Zahl der Weidetierrisse hält sich dank guter Herdenschutzmaßnahmen in Grenzen. Außerdem beobachten wir, dass in Thüringen die Rückkehr des Wolfes in sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet stagniert. Allein im Januar und Februar 2022 wurden drei Wölfe in Thüringen im Straßenverkehr getötet. Damit starben seit der Rückkehr des Wolfes nach Thüringen bereits insgesamt fünf Wölfe auf Thüringer Straßen.“

Da es noch viele Regionen gebe, in denen Wölfe einen passenden Lebensraum finden können, geht der NABU bundesweit davon aus, dass es auch in den nächsten Jahren nach und nach weitere neue Territorien geben werde. In Gebieten wie der Oberlausitz, in denen Rudel seit Jahren aneinandergrenzen, stehe inzwischen kaum noch geeigneter, freier Lebensraum zur Verfügung. NABU-Wolfsexpertin Marie Neuwald: „Wir sehen dort eine hohe Dynamik, angestammte Rudel werden teilweise von anderen Wölfen verdrängt.“ In der Oberlausitz kamen im letzten Monitoringjahr drei neue Rudel hinzu, fünf Rudel konnten dafür nicht mehr nachgewiesen werden. Aufgrund der Territorialität von Wölfen wird es nicht dazu kommen, dass sehr viele auf kleinem Raum leben. Ein Territorium in Deutschland ist etwa 150 bis 250 km² groß und wird von nur einem Rudel, also von durchschnittlich acht Wölfen bewohnt.

„Oft wird behauptet, dass eine Bejagung von Wölfen für den Herdenschutz hilfreich sei“, kritisiert Neuwald. „Fakt ist jedoch: Sobald ein Wolf in einer Region ist, müssen Weidetiere geschützt werden, denn auch ein Einzelwolf kann Schaden anrichten. Wölfe lernen durch eine Bejagung nicht, Abstand zu Weidetieren zu halten. Dies kann nur durch Herdenschutz mit Elektrozäunen oder – dort wo es passt – Herdenschutzhunden erreicht werden.“ 2021 sind die Risse in Deutschland trotz Wachstums des Wolfsbestandes um 15 % zurückgegangen. Die Förderung von Herdenschutz darf sich nicht nur auf die Anschaffung beschränken, ins Gewicht fallen vor allem die laufenden Kosten. Wölfe, die tatsächlich guten Herdenschutz überwunden haben, können als letztes Mittel getötet werden. „Die rechtlichen Voraussetzungen hierfür sind bereits geschaffen, es braucht daher keine Aufnahme ins Jagdrecht. Dies würde Entnahmen sogar aufgrund höherer Bürokratie nur verkomplizieren“, so Neuwald.

Der NABU fordert Bund und Länder auf, die Dokumentation von Rissen zu vereinheitlichen und die Statistiken zugänglich zu machen. Art und Alter des betroffenen Tieres sowie der Zustand des Herdenschutzes müssen in den Risstabellen zu finden sein. Die alleinige Angabe von Rissen pro Jahr suggeriert, Herdenschutz bringe nichts. Jedoch sind 2021 z.B. in Niedersachsen knapp 73 % der Risse an Schafen auf mangelhaft oder ungeschützten Weiden geschehen.

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