Jeden Dienstag um 15:30 Uhr heißt es für ca. 25 Schülerinnen und Schüler der Grundschule „Dr. Louis Mayer“ in Georgenthal: „Sport frei!“
So werden Sie vom Gothaer Unternehmer und Ex-Boxer Mike Creutzburg und Hortkoordinator Thomas Marmulla zur Schul-AG „Selbstverteidigung, Selbstbehauptung und Aggressionskontrolle mittels boxsportlicher Elemente“ – ab hier als Box-AG bezeichnet – empfangen.
„Wir haben hier nur eine Grundregel: ‚Wir schlagen nur auf die Deckung‘. Der gegenseitige Respekt und das Schaffen von Empathie füreinander stehen an oberster Stelle“, erklärte Mike Creutzburg die Ausrichtung seiner AG. Auch deswegen versammelt der ehemalige DDR-Boxer seine Schützlinge und spricht ernste Themen an. Dieses Mal ging es um Gewalt unter Jugendlichen. Dabei versucht er den Schülern klarzumachen, dass Gewalt nie eine Lösung ist. „Wir brauchen auf den Straßen keine Superhelden, die sich kopflos in eine Auseinandersetzung stürzen. Häufiger ist es klug, mal einen Schritt zurückzutreten und keinen Streit zu provozieren.“ Creutzburg wünscht sich, dass die Kinder auch Problemlösungskompetenzen aus seiner AG mitnehmen.
Die Box-AG an der Grundschule leiten Mike Creutzburg und Thomas Marmulla nun seit gut eineinhalb Jahren. Zugang haben alle Schüler der ersten bis vierten Klassen. Doch wieso denkt sich eine verdiente Boxgröße, die hauptberuflich eine eigene Textilreinigung in Gotha betreibt, sie müsse jetzt noch einmal aktiv werden?
„Sport ist für Kinder im Allgemeinen wichtig. Und mir ist aufgefallen, dass das Angebot immer weiter zurückgeht und bestehendes teurer wird.“ Das Fehlen sportlicher Betätigung habe neben den gesundheitlichen Folgen auch weiter reichende Auswirkungen. Eine Tätigkeit in einem Verein oder ein Freiwilligendienst sei die Grundlage für eine gut funktionierende Gesellschaft, so Creutzburg. Hier lernen Kinder Zusammenhalt und Empathie, aber so etwas dient auch der eigenen Selbstfindung – und die jungen Leute sind beschäftigt. „Viele ältere Zeitgenossen beschweren sich über die steigende Jugendkriminalität. In der AG haben die Kinder was zu tun. Da kommen sie gar nicht auf dumme Ideen“, meinte Creutzburg.
Zum Beginn jeder Stunde wird gemeinsam angetreten. Nach der Begrüßung folgt das Aufwärmen. „Alle sollen Spaß haben, aber es geht auch um Disziplin“, so Thomas Marmulla. Bei Widerworten müssen die Kinder eine Extrarunde laufen oder Liegestütze machen. Des Weiteren setze Mike Creutzburg auf eine Weiterentwicklung der Persönlichkeit der Schüler und ihrer Fähigkeiten im Boxen über ein Schuljahr hinweg. Nach dem Aufwärmen folgen dann Boxeinheiten in Paaren oder technische Übungen, beispielsweise zur richtigen Armhaltung.
Für den Ex-Boxer ist klar, dass an diesem Beispiel gelebte und praktische Integration geschieht. Alle lernen dieselben Grundtugenden. Auch deshalb ist eine Erweiterung des Angebots in Planung. „Mir schwebt die Gründung eines Boxvereins vor“, sagte Creutzburg begeistert. Dazu stehe er bereits in Rücksprache mit Gothas Landrat Onno Eckert und Florian Hofmann, dem Bürgermeister der Landgemeinde Georgenthal. Dabei macht der Ex-Boxer klar, dass ein solcher Verein in der Region großes Potenzial hätte.
„Es wird noch viel zu machen sein, ich werde auch Hilfe brauchen. Aber ich glaube fest daran, dass ein Boxverein Zukunft hat.“ Nach der schweißtreibenden Trainingsstunde verabschieden sich Kinder und Trainer – und nun auch wir uns von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser – mit einem kräftigen „Ring frei!“.
Dieser Artikel stammt aus dem Oscar am Freitag, Ausgabe 9 (2025)























