Am 12. September 2025 feierte der Spatz sein großes Jubiläumsfest. Zusammen mit der Initiative „Buntes Waltershausen“ wurde die August-Bebel-Straße zu einer bunten Festmeile mit Spiel, Spaß, Musik und Flohmarkt. „Es hat alles wunderbar funktioniert. Viele haben mit angepackt, egal ob am Buffet oder beim Flohmarkt“, sagte Elke Zuch vom Spatz-Team (siehe Bild).
Es sei so viel Kuchen gemacht worden, dass selbst Tage nach dem Fest noch einiges übrig war. Rund 200 Gäste zählten die Organisatoren. Dieser Septembertag bot die Möglichkeit, die Waltershäuser zusammenzubringen. Das sei es, was die Betreiber der Kneipe anstreben und antreibe, so Zuch.
„Der Spatz ist ein ‚Safe Space‘. Jeder ist willkommen. Jeder darf sich einbringen. Wir wollen den Blick unserer Gäste weiten, und jeder soll sich wohlfühlen“, so die Buchhändlerin aus Waltershausen. Integration, Inklusion, Bildung und Demokratieverständnis prägen die Arbeit in der Kulturkneipe.
Und Kultur ist hier das Stichwort: Seit 20 Jahren bereichert der Spatz die Kleinstadt im Westen des Landkreises. Mit festen Formaten und Veranstaltungen biete die beschauliche Einrichtung ein abwechslungsreiches Angebot für Jung und Alt. Allerdings bleibt auch sie vom demografischen Wandel nicht verschont. „Im Durchschnitt sind unsere Besucher Ende 30. Wir arbeiten an neuen Formaten, die noch stärker Jugendliche ansprechen. Zur Umsetzung fehlt uns jedoch das notwendige Personal“, meinte Elke Zuch. Ein Bruchteil des Teams ist Teil der „Kommune Waltershausen“. Die überwiegende Anzahl jedoch sind freiwillige Helfer. Für die Betreiber heißt es daher, ordentlich die Werbetrommel zu rühren. Viele Waltershäuser kommen mit guten Ideen auf den Spatz zu. Oft sei jedoch kaum jemand bereit, vor Ort aktiv zu werden, bedauerte Zuch.
Das solle das Engagement der übrigen Helfer nicht schmälern: Hauptsache, das Kulturangebot bleibt erhalten. Für die Buchhändlerin sticht der Spatz in Waltershausen gerade deshalb hervor, da es keine vergleichbare Kultureinrichtung mehr gebe. Dabei habe sich bis zum Ende der 2010er-Jahre eine vielfältige Kulturlandschaft in Waltershausen entfalten können, schilderte Zuch rückblickend. Die Corona-Pandemie hat den Betrieb teilweise zum Erliegen gebracht, und seitdem ist er aus seinem Tiefschlaf nicht mehr richtig erwacht, wie die Spatz-Mitarbeiterin es umschreibt. Projekte wie der „Kulturrausch“ und ein großer Vereins- und Kulturstammtisch konnten sich von den Beschränkungen nicht erholen. Leider, wie Elke Zuch und das Spatz-Team immer wieder feststellen müssen, unterstütze die Stadtverwaltung die Kommune Waltershausen und weitere Initiativen kaum bis gar nicht bei der Schaffung und dem Erhalt von Kulturangeboten. Aus Sicht der Buchhändlerin fehle in Verwaltung und Stadtrat ein grundsätzliches Interesse. „Ich sitze oft in den Stadtratssitzungen. Es ist ein Ärgernis. Wenn es nicht um städtische Veranstaltungen geht, finden wir kaum Beachtung.“
Wer seinen Blick über Waltershausen hinaus richtet, könne im Landkreis Gotha eine wachsende Kulturszene vorfinden. Lobend hob Elke Zuch das KUKUNA in Bad Tabarz und den art der stadt e. V. Gotha hervor. „Hier setzen sich die Verantwortlichen für eine lebendige Kulturlandschaft ein“, merkte sie an.
Nun aber zurück nach Waltershausen: Den Spatz zu erhalten und das Konzept stetig weiterzuentwickeln, habe oberste Priorität. Kultur sei nicht nur Selbstzweck und diene allein der Unterhaltung. Die Veranstaltungen bringen Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft zusammen. Kultur bildet und stärkt die Demokratie. „Wir hatten schon einige Veranstaltungen, die sich schwerpunktmäßig mit selbstbestimmter Sexualität und der Integration von Geflüchteten beschäftigen. Derzeit arbeiten wir mit dem Bodelschwingh-Hof aus Mechterstädt an einer inklusiven Veranstaltung“, so Elke Zuch. Unter anderem gab es bereits Kooperationen mit dem DGB-Bildungswerk Thüringen e. V., der Heinrich-Böll-Stiftung und der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Oscar am Freitag-Magazin, Ausgabe 3 (2026)






















