290 Mio. Jahre alte Funde am Bromacker

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Kooperationspartner und Förderer des Bromacker-Projekts: Trümper, Martens, Fröbisch, Heubeck, Holland-Nell, Hofmann , Schütz, Schipanski (v.l.n.r.). Foto: Susanne Hörr

Tambach-Dietharz/Bromacker (red/mk, 25. Oktober). Nach zehn Jahren wird am Bromacker wieder gegraben und geforscht.

Die Funde der Testgrabung, die seit dem 12. und noch bis zum 25. Oktober läuft, sind vielversprechend: Wurzeln, Grabgänge und einzelne Skelett-Teile kamen nach etwa 290 Millionen Jahren wieder ans Tageslicht. Als besonderen Fund stufen die Forscher Grabbauten ein, die noch nicht näher bekannte Tiere des Perm hinterlassen haben.

Bei einem informellen Treffen auf dem Bromacker haben die Projektpartner heute allen regionalen und überregionalen wissenschaftlichen und politischen Akteuren herzlich gedankt, durch deren Unterstützung dieses wegweisende Projekt realisiert werden kann.

Unter dem Titel „Öffnen von Wissenschaft: Neue Wege des Wissenstransfers am Beispiel des Forschungsprojekts Bromacker“ startete im August die Kooperation der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, des Museums für Naturkunde Berlin – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Nationalen GeoParks Thüringen Inselsberg – Drei Gleichen.

Das einzigartige Forschungsprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und soll bis 2025 detaillierte Einblicke in das Leben früher Landwirbeltiere und in deren Umwelt geben.

Nicht nur was die Paläontologen aus der Erde graben, macht das Vorhaben besonders, sondern auch wie die Öffentlichkeit daran teilhaben kann. Ziel des Bromacker-Forschungsprojekts ist es, auf Augenhöhe zu forschen und mittels einer klugen und ansprechenden Verzahnung der Forschungsfelder Naturwissenschaft und Wissenstransfer die Öffentlichkeit von Beginn an teilhaben zu lassen. Mit neuen Arten der Wissenschaftskommunikation möchte sich die Forschung öffnen: So wird es neben einem Bromacker Lab(oratorium), auch digitale Medien und Führungen zur Ausgrabungsstelle sowie Einblicke in die Live-Präparation und Live-CT-Scans von Fossilien geben. Im Verlauf des Projekts soll versucht werden, Bürgerwissenschaftlerinnen und Bürgerwissenschaftler an Forschungsaufgaben mitwirken zu lassen.

Die Fossillagerstätte „Bromacker“ zwischen den Gemeinden Tambach-Dietharz und Georgenthal im Thüringer Wald ist seit mehr als 100 Jahren bekannt. Sie ist eine der bedeutendsten und produktivsten Fossillagerstätten weltweit und einzigartig, wenn es um erstklassig erhaltene, dreidimensionale Wirbeltierfossilien und eine außerordentlich große Artenvielfalt im frühen Perm vor etwa 290 Millionen Jahren geht.

Ziel der Testgrabung ist, neben dem Austausch der Kooperationspartner, eine geologische und geophysikalische Erkundung des Grabungsareales und der Umgebung vorzunehmen. Ab 2021 wird dann regelmäßig mehrere Wochen im Jahr an der Fundstelle gearbeitet. Die während der Grabung geborgenen Funde werden in den nächsten Jahren in Berlin und Gotha präpariert und erforscht. Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten sollen in innovativen Kommunikationsformaten an den einzelnen Einrichtungen der Projektpartner präsentiert werden.

Voller Tatendrang: Nach einem Jahrzehnt wird am Bromacker wieder gegraben. Foto: Philipp Knaus

Zitate der Redner:
„Das Museum für Naturkunde Berlin freut sich sehr, Teil dieses einzigartigen Kooperationsprojekts zu sein, welches von Beginn an und eng miteinander verknüpft den Wissenstransfer sowie die naturwissenschaftliche Forschung an der Fossilfundstelle Bromacker erforscht. Im Mittelpunkt des Projektes steht zum einen das Experimentieren und Entwickeln von modernen, innovativen Formaten der Wissenschaftskommunikation mit partizipativen Ansätzen, wie beispielsweise das Bromacker-Lab oder eine digitale Ausstellung. Zum anderen ermöglicht die breite Kooperation mit ihren vielseitigen Ansätzen, die Möglichkeit einer ganzheitlichen und interdisziplinären Erschließung des Bromacker-Ökosystems. Im Fokus des Museums für Naturkunde Berlin steht dabei die organismische Biologie der frühen Landwirbeltiere sowie innovative Ansätze der Wissenschaftskommunikation.“
Prof. Dr. Jörg Fröbisch, Museum für Naturkunde Berlin, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung

„Das kleine Tambach-Dietharzer Sedimentbecken stellt in seiner Schichtenfolge und durch seine Fossilien ein einzigartiges Schaufenster in die Erdgeschichte dar.  Es reiht sich ein in eine Kette von Becken, die sich entlang des Nordrandes eines inzwischen längst abgetragenen Gebirgszugs vom Ural bis nach Mexiko erstreckte. Die harschen klimatischen Bedingungen im Inneren des neu entstandenen Superkontinents Pangäa stellten die Inland-Ökosysteme vor zahlreiche Herausforderungen und verlangten von ihren Bewohnern Innovation und Anpassungen. Darin erkennen wir zahlreiche Parallelen zur Gegenwart.“
Prof. Dr. Christoph Heubeck, Friedrich-Schiller-Universität Jena

„Der Nationale GeoPark Thüringen Inselsberg – Drei Gleichen selbst und insbesondere der Bromacker mit seinen Ursauriern ist etwas Einzigartiges auf der Welt. Er hat das konkrete Potenzial, den Thüringer Wald in etwas noch Größeres zu verwandeln. In der Möglichkeit, mit Akteuren aus aller Welt in der breiten Öffentlichkeit zu kommunizieren und gleichzeitig wissenschaftliche Forschung zu betreiben, sehen wir die Chance für eine nachhaltige Zukunft – mit internationalen Perspektiven für die beteiligten Geopark-Gemeinden.“
Ralf Holland-Nell, Bürgermeister der Gemeinde Floh-Seligenthal, Nationaler GeoPark Thüringen Inselsberg – Drei Gleichen

„Geoparks sind Fenster in unsere Erdgeschichte und somit ein wichtiger Baustein in der Wissenschaftskommunikation. Sie vermitteln unbelebte Natur und die Erkenntnis über die Entwicklung der Erde und des Lebens. Für die Anerkennung des Nationalen GeoParks Thüringen Inselsberg – Drei Gleichen als UNESCO Geopark ist das Ausgrabungsprojekt Bromacker ausschlaggebend. Es ist gelebte und sichtbar gemachte Forschung und somit Schaufenster der Wissenschaft.“
Tankred Schipanski, Bundestagsabgeordneter für den Landkreis Gotha und den Ilm-Kreis

„Für die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha ist die Fortsetzung der Grabungen von großer Bedeutung, stehen diese doch in einer langen Tradition der Sammlungen und Wissenschaften in Gotha. Geologische Exponate waren Teil der historischen Kunstkammer und bereits 1833 wurde die erste Fährtenplatte durch Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha erworben. Neben der wissenschaftlichen Erforschung, die gemeinsam mit unseren Partnern stattfindet, ist für uns die Wissensvermittlung an ein möglichst breites Publikum ein wesentlicher Baustein des Projekts. Hierfür werden wir neben klassischen Formaten auch neue Möglichkeiten entwickeln, die sowohl partizipativ als auch digital jeden Interessierten am Bromacker-Projekt teilhaben lassen.“
Dr. Timo Trümper, Direktor Wissenschaft und Sammlung, Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Voller Tatendrang: Nach einem Jahrzehnt wird am Bromacker wieder gegraben © Philipp Knaus

2)    Geburtshilfe: Das Grabungsteam bringt nach etwa 290 Millionen Jahren Überreste von Wirbeltieren wieder ans Tageslicht © Philipp Knaus

 

 

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