Retter des Auszugs- und Stallhauses geehrt

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Familie Rothe aus Fröttstädt erhält den Denkmalschutzpreis 2012

Der mit 1.500 Euro dotierte Denkmalschutzpreis des Landkreises Gotha geht in diesem Jahr an Sabine Herschel-Rothe und Gunter Rothe aus Fröttstädt. Das Ehepaar hat seit 1997 rund 335.000 Euro, darunter 81.000 Euro Fördermittel, sowie ungezählte Arbeitsstunden in die Rettung und fachgerechte Instandsetzung des ehemaligen Auszugs-* und des Stallhauses der Domäne Fröttstädt investiert. Der Denkmalschutzpreis würdigt im Zweijahresturnus die Anstrengungen zum Erhalt historischer und bewahrenswerter Bausubstanz zwischen Fahner´scher Höhe und Rennsteig. Überreicht wurde die Auszeichnung im Rahmen der Auftaktveranstaltung zum Tag des offenen Denkmals im ehemaligen Waisenhaus von Friedrichswerth.

Befunden und historischen Techniken Rechnung getragen

Familie Rothe hat vor 15 Jahren die Gebäude erworben, um den fortwährenden Verfall zu stoppen. Das Auszugs- und Stallhaus gehören zum Ensemble der Ortsbild prägenden Domäne Fröttstädt. Während deren Gutshaus zu Wohnzwecken genutzt wurde, verfiel das Auszugshaus mit dem angrenzenden Stall-Scheunengebäude Mitte der 1990er Jahre zusehends.

Ohne Nutzung und Pflege schritt der Verfall kontinuierlich voran, Regenwasser drang durch das defekte Dach ein, Balken verfaulten, Teile der Natursteinmauern des Nebengebäudes stürzten ein und der Hausschwamm breitete sich aus. Noch im gleichen Jahr begann Familie Rothe mit Notsicherungsarbeiten an der Fachwerkkonstruktion, am Dach und an den Natursteinwänden. Schritt für Schritt wurden danach die Gebäude behutsam instand gesetzt: der Dachstuhl wurde repariert, die alten Dachziegel umgedeckt, die Fachwerkkonstruktion fachgerecht saniert und eine einst nicht vorhandene massive Hohlblocksteinwand durch Fachwerk ersetzt.

Fehlende Gefache wurden aufwendig wieder hergestellt, schadhafte repariert. In den Decken wurden unzählige Lehmwickel verarbeitet, die von Familie Rothe in Handarbeit hergestellt worden sind. Die Außenwände erhielten eine innen liegende zusätzliche Lehmschicht als Dämmung. Das Gebäude wird heute mit einer Wärmepumpe beheizt. Der Erhalt der historischen Raumstrukturen war für die Bauherren ebenso selbstverständlich wie die Wiederverwendung historischer Türen.


Ging es der Familie anfangs hauptsächlich um den Erhalt der Objekte, ohne ein klares Ziel für künftige Nutzungen zu haben, so entwickelte sich in den letzten drei bis vier Jahren die Idee, das Objekt als Pension zu nutzen. Das Konzept richtet sich insbesondere an Pferdeliebhaber, die in Familie anreisen, sowie an pferdebegeisterte Kinder und Jugendliche, die ihre Ferien auf dem Hof verbringen möchten. Ein entsprechendes Reitgelände einschließlich Stall steht am Ortsrand von Fröttstädt zur Verfügung. Seit 2011 läuft der Pensionsbetrieb bei steigender Nachfrage, so dass es inzwischen bereits Stammgäste gibt, die regelmäßig an Wochenenden zu Gast sind.

Neues Nutzungskonzept krönt langjährige Sanierung

„Familie Rothe ist es gelungen, mit langem Atem und viel persönlichem Engagement ein prägendes Gebäudeensemble zu erhalten und es behutsam zu sanieren“, dankt Landrat Konrad Gießmann den Geehrten. Der Rückgriff auf die früheren Handwerkstechniken und die überwiegende Wiederverwendung von historischem Baumaterial seien dabei aus Sicht der Denkmalschutzbehörde hervorzuheben. „Besonders erfreulich ist es, dass Familie Rothe das Ensemble nicht nur vor dem Niedergang bewahrt hat, sondern ihm mit dem Pensionsbetrieb eine tragfähige Zukunftsperspektive gegeben hat“, so Gießmann. „Und das, ohne die historischen Strukturen des Gebäudes zu verändern, sondern den vorhandenen Raumzuschnitt und die Ausstattung als Alleinstellungsmerkmal zu nutzen.“

* Auszugshäuser beherbergten seinerzeit die Senioren der Gutsfamilie, während deren Nachkommen im Gutshaus wohnten.