Lang ist es her, dass Jenas Basketball-Fans die Chemnitzer Richard-Hartmann-Halle mit einem Gefühl der Freude verlassen konnten. Über fünf Jahre wartet der treue Anhang der Thüringer nun schon auf ein Erfolgserlebnis bei den 99ers.
Doch jede Serie endet bekanntlicherweise irgendwann einmal und so bekommt das neuformierte und mit erfrischendem Offensiv-Basketball begeisternde Harmsen-Team am Samstag ab 20.00 Uhr die Gelegenheit die Kollektion der in den vergangenen Jahren gesammelten Klatschen zu entsorgen.
„Wir werden alles dafür tun, um das Parkett als Sieger verlassen zu können. Ich hoffe, dass sich ein schönes Spiel entwickelt, welches dem Charakter dieser über Jahre gewachsenen Basketball-Rivalität gerecht wird. In erster Linie lebt ein solches Derby immer auch von der Atmosphäre, dieser ganz besonderen Stimmung auf den Rängen, beim Basketball immer von Emotionen begleitet, allerdings nie feindselig. Es werden viele Jenaer vor Ort sein und Chemnitz dürfte lautstark dagegenhalten“, sagt Science City-Coach Björn Harmsen vor der Begegnung.
Zuletzt gelang es den Jenaern am 08.November 2008 Sieg und Punkte aus Sachsen zu entführen. Bereits die Namen der einstigen Akteure sprechen hinsichtlich des seitdem vergangenen Zeitraums Bände. Angeführt vom damaligen Aufbauspieler Drew Williamson (20 Punkte) und Publikumsliebling Ali Seggelke (18) siegte Science City vor einer gefühlten Ewigkeit mit 75:56. Seit dieser Begegnung waren es ausnahmslos Jenas Korbjäger, die mit gesenkten Köpfen und dem vermeintlich aufmunternden Schulterklopfen der Chemnitzer verabschiedet wurden.
Nach einer mittlerweile deckungsgleichen Bilanz von zehn Thüringer und zehn Chemnitzer Siegen sowie dem fast identischen Korbverhältnis von 1541:1543 liegt es am Samstag in den Händen von Sim, Reyes-Napoles, Hudson und Co. um die Krone des ostdeutschen Zweitliga-Basketballs mit an die Saale zu nehmen. „Für mich sind Bilanzen Schall und Rauch, da sie von zu vielen Komponenten beeinflusst werden, die längst keine Rolle mehr spielen“, sagt Harmsen. „Wenn wir, wie im letzten Spiel gegen Crailsheim, nicht nur offensiv überzeugen, sondern auch in der Verteidigung die nötige Intensiv aufs Parkett bringen und es uns gelingt das Spiel lang eng zu halten, werden wir durchaus unsere Chance bekommen dieses Derby zu gewinnen. Unser Team muss von Anfang an Gas geben“, sagt Harmsen.
Dabei treffen in der Hartmann-Halle zwei völlig unterschiedliche Basketball-Philosophien aufeinander. Während Science City, einmal ins Rollen gekommen, durchaus in der Lage ist jeden Gegner an die Wand zu spielen, basteln die Gastgeber auch in dieser Saison wieder an ihrem Ruf als „Pentagon der ProA“. So steht dem im Schnitt 95,8 Punkte erzielenden Thüringer Offensiv-Geschwader ein hoher sächsische Verteidigungswall entgegen der pro Partie nur 75,4 Punkte erlaubt.
Welches der beiden Systeme sich letztendlich im Verlauf der anstehenden 40 Minuten durchsetzen wird ist vorab betrachtet so offen wie ein Golf Cabriolet. „Chemnitz ist eine homogenes Team, dass im bisherigen Saisonverlauf bereits überzeugen konnte. Die zuletzt kassierten Niederlagen gegen Kirchheim und in Essen spielen dabei keine Rolle. Eine Kader der nach einer 34-Punkte-Niederlage zum Saisonstart in Heidelberg die nächsten sieben Begegnungen in Folge gewinnt unterstreicht deutlich wie viel Charakter er besitzt“, zeigt Harmsen Respekt vor dem Gegner.
Nachdem beide Konkurrenten auf eine Vielzahl legendärer Schlachten zurückblicken dürfen bekommen sowohl Jena als auch die 99ers am Samstagabend die Möglichkeit, die gemeinsame Derby-Historie um ein weiteres Kapitel zu bereichern.




















