Eine Gruppe aus dem Ballstädter Traditionsverein hatte sich vor einigen Jahren das Ziel gestellt, die historische Waidmühle, deren Bodenstein, auch Tennenstein genannt, noch im Original vorhanden war, wieder aufzubauen. Die fehlenden Teile, 2 Sandsteinpfosten, der Läuferstein sowie 2 Holzbalken und Metallbeschläge wurden nachgefertigt und das Ganze musste transportiert, gegründet und aufgebaut werden, was ohne finanzielle Unterstützung (ca.11 T€) nicht möglich gewesen wäre, aber in relativ kurzer Zeit auf Initiative von Klaus Wittich geschafft werden konnte.
Der Waidanbau in Thüringen
Aus dem Eintrag im Jahrbuch der Rheinbundstaaten von 1812 (erforscht von L. Allstädt im Staatsarchiv München),wurde der Waidanbau vorzüglich in den Dörfern Friemar, Hausen, Eschenbergen, Ballstädt, Pferdingsleben, Tröchtelborn Molschleben…..,des Fürstentums Gotha betrieben. Aber auch in vielen Orten rund um Erfurt gab es den Waidanbau als eine der Haupteinnahmequellen der Bauern.
In einigen Orten Thüringens sind Waidmühlen wieder restauriert und es werden rund um diese Waidmühlenfeste gefeiert, wie z.B. in Rohrborn im Krs. Sömmerda .
Wenn man der Geschichte des Waidanbaues nachgeht, prägte der Färberwaid (Isatis tinctoria) stark das Wirtschaftsleben Thüringens vom 13. bis 16. Jahrhundert. Als wichtigste farbstoffliefernde Pflanze des Mittelalters in Europa brachte sie für die Bevölkerung (die Erzeuger, die Verarbeiter und die Kaufleute) guten Verdienst und Wohlstand .
Einige Daten zu ihrer Geschichte:
1378:
Erster schriftlicher Nachweis der Ballstädter Waidmühle
1558:
wurde, neben anderen Kanzleidörfern, auch Ballstädt vom Gothaer Herzog zugestanden ihren erzeugten Ballenwaid zu handeln und auf Märkten fernab von Gotha anzubieten .
1761:
wurde den Kanzleidörfern Ballstädt, Friemar, Eschenbergen und Hausen im Amt Gotha gestattet, den erzeugten Ballenwaid selbst zu kaufen, zu handeln und nach Belieben zu vertreiben .
1924:
Die in dem Jahr erstellte Flurkarte von (die auch noch heute ihre Gültigkeit besitzt), bezeichnet die Flurstücke 104/2 ,104/3 und 104/4 in der Nähe des Rinnborns „Waidhof“,Daraus ist mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen ,dass das der ehem. Standort der Waidmühle war . Dazu passt auch, dass entlang dieser Flurstücke der inzwischen ausgetrocknete Erddfallgraben verläuft. Die Quelle des Erdfallgraben lag bzw. liegt an der „Langen Seite“,in der Nähe der„Eschenberger Trift“.Waidmühlen hatten ihren Standort immer in der Nähe eines Wasserlaufes ,denn die geernteten und teilweise verschmutzten Waidblätter mussten vor ihrer Weiterverarbeitung auf der Waidmühle gewaschen und danach getrocknet werden .
2014, 24.Oktober
Die wieder errichtete Waidmühle ist fertiggestellt. Sie befindet sich nun an der Unterschwemme auf dem Gemeindegrundstück 191/6. Dies wird mit einem kleinen Richtfest gefeiert. Siehe dazu die beiden Fotos.
2015, 13. September – Denkmaltag in Deutschland
Erstes Ballstädter Waidfest mit Vorführungen (Betrieb der Waidmühle mit echtem frischen Waid), angetrieben durch 1 PS um 13.00 und 15.00 an der Unterschwemme.
Wie in jedem Jahr ist natürlich auch die Ballstädter Bockwindmühle der Gebrüder Breithaupt für Besucher geöffnet. Zwischen beiden Mühlen ist ein Shuttle-Traktor-Transport für die Besucher eingerichtet.






















