Der Rhönlegende auf den Fersen

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Fliesenstudio Arnold

Die Beschäftigung mit der Figur des Rhönpaulus ist die zweite Ferienaktion der Thüringer Trachtenjugend, die unter dem Motto „Thüringer Sagen“ steht. Das war Anlass genug, sich auch kriminalistisch und räuberisch zu betätigen. Fähigkeiten wie Fährtensuche, Knoten und ein Räubermahl bereiten wurden geübt und machten viel Freude. An der Osterferienaktion der Thüringer Trachtenjugend  nahmen Kinder aus der Landeshauptstadt Erfurt, dem Wartburgkreis und dem Landkreis Gotha teil.

Ein Bild vom Paulus konnte man sich dann während der Wanderung nach Dermbach machen. Im Ibengarten bei Glattbach hatte er seine Höhle, und das ist sicher auch der Grund, warum ihm gerade dort eine Holzstatue vom Bildhauer Manfred Bellinger als Denkmal gesetzt wurde. Eine Gans und ein voller Geldbeutel weisen auf seine Räubertätigkeit hin. Die erste bekannte Sagenüberlieferung in Bezug auf Paulus hat übrigens  mit Glattbach zu tun, der Räuber bemächtigte sich dort eines Geldbeutels, den ein Bauer aus dem Fenster gehalten hatte. Später wurde er noch dadurch bekannt und beliebt, dass er seine Beute mit denen teilte, die Not litten und nicht auf der Sonnenseite des Lebens standen.

Besonderes Interesse erregte bei allen Kindern der Pauluskasten. Schon auf dem Dorfplatz in Glattbach zeigt ein Modell des Kastens, wie der Räuber 1780 zur Hinrichtung gefahren wurde. Im Heimatmuseum Dermbach steht der wahrscheinlich echte Pauluskasten, der die Jahrhunderte im Thüringer Museum in Eisenach überdauert hat. Auch hier waren einige so mutig, ihn auszuprobieren. „Wenig Angenehm“, so war das einhellige Urteil. Der Räuber erschien den damaligen Vertretern von Recht und Gesetz so stark und mächtig, dass sie ihn wegen seiner Leibes- und Zauberkräfte nur mittels dieses Kastens in Schach halten konnten. Ein extra eingeschobener Holzboden verhinderte, dass die Füße des Deliquenten den Boden berührten, den dann hätte er sich vielleicht freizaubern können.
Einen Blick in das Verlies, in dem der Paulus gefangengehalten wurde, gewährte man uns im Heimatmuseum Kaltennordheim. Schaurig auf jeden Fall die Vorstellung, dass die Gefangenen hier ohne Fensterscheiben bei Wind und Wetter ihr ödes Dasein fristen mussten. Und dann noch der Geruch und die Spinnen!

„Ein bisschen war der Paulus doch so wie Robin Hood. Er hat geklaut und alles dann mit den Armen geteilt, das ging doch eigentlich in Ordnung.“ , so resümierte der sechsjährige Hannes am Ende der Ferienaktion. Damit hat er den Nagel wohl auf den Kopf getroffen. Das Schullandheim in Fischbach bot beste Bedingungen für unsere Maßnahme und das leckere Essen wird uns noch lange gut in Erinnerung bleiben.

Ein Dank an Horst Hößel und sein Team.

Dirk Koch
Landesjugendleiter der Thueringer Trachtenjugend

Foto: (Norbert Sander) Die gesamte Feriengruppe vor dem geschmückten Osterbrunnen in Fischbach. Das Brunnenbecken wurde erst 2010 errichtet. In fast jedem Dorf der Rhön werden die Brunnen zum Osterfest ganz unterschiedlich geschmückt.

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