Der „Schrei nach Liebe“ und andere Aufführungen

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SCHREI NACH LIEBE

Woche der deutschen Pathetik im Theaterhaus Jena. 5. – 11. Februar 2012

Melancholie, Selbstmitleid und Auto-Aggression – stets waren sie auch Mittel zur Selbstinszenierung. Ob Empfindsamkeit, Sturm und Drang, Romantik oder German Angst – unsere Kultur wimmelt vor pathetischer Selbst-Beschau. Mitten in den traurigsten Wintertagen widmet sich das Theaterhaus dieser deutschen Tradition. Your Personal Guide to Traurigkeit.

ICH KOMME AUS MEINER HAUT

Sieben Tage Doppelmord nach Thomas Brasch

Über 20 Jahre beschäftigt sich der Schriftsteller Thomas Brasch mit dem historischen Mörder Brunke, der, nachdem er zwei Mädchen umgebracht hatte, an der Selbst-Tötung scheiterte und im Gefängnis unter ungeklärten Umständen zu Tode kam. Obwohl Brasch bis zu seinem Tod an diesem Thema arbeitete und ca.14.000 Seiten Manuskript hinterließ, schaffte er es nicht, das Geschehen schlüssig zu rekonstruieren und seinen Alter Ego Brunke abzuschütteln. Die Premiere findet am 8. Februar, 20 Uhr auf der Unterbühne des Theaterhauses statt.

FREUDE SCHÖNER GÖTTERFUNKEN Euro-Dance-Liederabend

Bei Euro-Dance könnte man auch von einer „Geburt aus dem Geiste der Romantik“ sprechen. Zeit, den Export-Schlager Dancefloor aus dem Korsett der U-Musik zu befreien und sich auf romantische Tugenden zu besinnen.

Ein Liederabend von und mit dem Ensemble des Theaterhauses: „What is love?“ unplugged und „Mr. Vain“ als Akustik-Ballade…

Zu sehen im Kassablanca am 9. und 10. Februar, jeweils ab 21 Uhr.

Zorniger Engel dreht frei

SZENISCHES SYMPOSIUM

Ab in die Geschlossene! Gemeinsam mit Künstlern, Wissenschaftlern und Experten erforscht das Theaterhaus-Team Sinn und Wahnsinn, Pathos und selbstinszenierte Untergänge, diskutiert über innere Emigration und die Eigenlogik des Selbstmörders.

Mit dabei der Becher-Biograf Jens Fiete Dwars, der Kleist-Experte Günther Blamberger, der Brasch-Portraitierer Christoph Rüter, der Becher-Regisseur Egon Günther sowie der Meinhof-Hirnforscher Bernhard Bogerts.

Parallel gibt es Filmausschnitte, Bilder und Texte der versammelten Selbstmörder.

Im Anschluss, ca. 21 Uhr, wird im Oberstübchen die Verfilmung des Becher-Romans “Abschied“ (DDR 1968) gezeigt.

Am 10. Februar, ab 18:30 Uhr Symposium und Installation auf der Unterbühne.

DAS LEBEN IST EIN SCHWERES SPIEL

Reenacting the Reenactment nach Kleist/Becher/Müller/Meinhof

Eine Reihe von präzise inszenierten Selbstmorden: 150 Jahre nach dem Freitod von Heinrich von Kleist versucht Johannes R. Becher sich in Jena das Leben zu nehmen. Doch sein Reenactment gelingt nicht ganz: nur die Geliebte stirbt, er überlebt…
Am 11. Februar, 20 Uhr auf der großen Bühne des Theaterhauses.

Pathetik-Festival-Pass: 3 Premieren, 1 Symposium, 1 Film zum Preis von 25 EUR/20 EUR ermäßigt.
www.theaterhaus-jena.de