„Die Bachs als Hofmusiker – Ein Konzert für zwei Cembalos“

0
1036

Johann Sebastian und sein zweitältester Sohn Carl Philipp Emanuel wirkten in ihrer Berufslaufbahn nicht nur als Kirchenmusiker, sondern auch als Hofmusiker in Weimar und Köthen bzw. in Potsdam und im Diensten anderer Standespersonen. Das Konzert am kommenden Sonntag, 16. August, 15 Uhr im Ekhof-Theater möchten die beiden berühmten „Bachs“ und ihr Wirken als Cembalisten und Improvisatoren im Kontext höfischer Musikkultur vermitteln. 

Bachs „Goldberg-Variationen“ sind zweierlei zugleich: zum einen stimmungsvolle „Nachtmusik“ für den schlaflosen Grafen Hermann Carl von Keyserling, zum anderen Ausdruck kontrapunktischer Gelehrsamkeit des Thomaskantors. Die farbenreichen „Vierzehn Canons“ über die ersten acht Fundamentalnoten der Aria aus den „Goldberg-Variationen“ sind gewissermaßen die „kleine Schwester“ des berühmten Zyklus. Weil sie erst in den 70er Jahren in Paris entdeckt wurden, sind sie im Konzertleben noch nicht so verbreitet, wie ihr berühmtes Schwesterwerk.

Bei Bachs bekanntem Doppelkonzert für 2 Cembalos in c-moll handelt es sich um die Leipziger Umarbeitung eines in Köthen entstandenen, heute verschollenen Konzertes für Oboe und Violine. Dem beschwingt – kantabelen Einleitungssatz (Allegro) folgt ein ruhiger Triosatz (Adagio). Der Schlusssatz (Allegro) mit seinem markanten Unisono-Themenkopf offenbart deutlich die Übertragung des einstigen, virtuosen Violinparts auf Cembalo.

Carl Philipp Emanuel Bachs Fantasie in fis-moll, im Original überschrieben mit „Carl Philipp Emanuel Bachs Empfindungen“, ist ein typisches Beispiel galant-empfindsamer Ästhetik des Spätbarocks. Das Stück ist in seiner freien Form zugleich eine niedergeschriebene Improvisation, die gleichermaßen auf Cembalo und dem zu jener Zeit in Mode kommenden Hammerflügel dargestellt werden kann.

Der zweite Teil des Konzertes widmet sich der barocken Improvisationskunst, solistisch wie zu zwei Cembali.  

Restkarten sind an der Haupt- und Theaterkasse von Schloss Friedenstein sowie allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Der Eintritt kostet je nach Kategorie zwischen 15 € und 30 €.

 

Die Künstler:

 

Aleksandra Magdalena Grychtolik

Nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs” gehörte Aleksandra Magdalena Grychtolik zur ersten Cembalistengeneration in Polen, die sich intensiv mit historischer Aufführungspraxis auseinandersetzte. Bereits während ihres Cembalostudiums an der Musikhochschule in Łódz, das sie an eine Organistenausbildung anschloss, reiste Aleksandra Grychtolik mit ihrem damaligen Ensemble „La Grande Langue de la Musique“ durch Europa, um bei Spezialisten für historische Aufführungspraxis wie Ketil Haugsand, Jaap ter Linden und Lucy van Dael wichtige künstlerische Impulse zu erhalten. Es folgten Aufnahmen im polnischen Rundfunk und Konzertreisen nach Westeuropa. Eine vertiefende Beschäftigung mit interpretatorischen Fragestellungen zu alter Musik erfolgte im Cembalostudium bei Bernhard Klapprott.

Aleksandra Grychtolik konzertiert seit vielen Jahren europaweit als Solistin, mit ihrem Partner Alexander Grychtolik in der Besetzung für zwei Cembalos sowie mit dem Barockensemble Deutsche Hofmusik. Als „Künstler-Ehepaar mit magischen Händen“ (SHZ) legt sie gemeinsam mit Alexander Grychtolik den Schwerpunkt auf die Interpretation virtuoser Tastenmusik des 17. und 18. Jahrhunderts und auf die Einbeziehung improvisatorischer Elemente ins Konzertleben, um neue Wege und überraschende Perspektiven in der Auseinandersetzung mit alter Musik zu eröffnen

 

Alexander Ferdinand Grychtolik

Die schöpferische Auseinandersetzung mit Alter Musik steht im Zentrum der künstlerischen Arbeit von Alexander Ferdinand Grychtolik. Sein besonderes Anliegen ist es dabei, die Improvisationskunst der Bachzeit im Rahmen seiner europaweiten Konzerttätigkeit wieder aufleben zu lassen, um auch das Verständnis von der so genannten „historischen Aufführungspraxis” weiterzuentwickeln. Dieser Intention folgend, hatte der in Berlin geborene Cembalist nach seinem Studium bei Bernhard Klapprott und Frédérick Haas einen deutschlandweit erstmaligen Lehrauftrag für barocke Improvisationspraxis an der Musikhochschule in Weimar inne. Weitere Lehrtätigkeit führte ihn u. a. an die Musikhochschule in Frankfurt am Main.

Seine langjährige Auseinandersetzung mit barocker Komposition mündeten in eine Reihe international beachteter Rekonstruktionen von Vokalwerken J. S. Bachs, die u. a. im DLF, im ORF sowie im MDR gesendet und von Kritikern als beglückend gelungen (NMZ online 3/2010), als schlüssig (Concerto 232/2010) und als stilsicher ergänzt (Tibia 3/2008) gelobt wurden. Im Verlag Edition Peters veröffentlichte er zudem eine erste Rekonstruktion der 2009 nachgewiesenen Spätfassung von Bachs Markus-Passion BWV 247 aus dem Jahre 1744 und der Köthener Trauermusik BWV 244a aus dem Jahre 1729. Mit seinem 2008 gegründeten Ensemble Deutsche Hofmusik widmet sich Alexander Grychtolik darüber hinaus in ausgewählten Projekten den musikalischen Zeugnissen barocker Residenzkultur aus Mitteldeutschland, insbesondere höfischen Gelegenheitswerken.

Fliesenstudio Arnold