Die Disco Inkarnation in der Arena Jena

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Ich sage nur: KOOL! and the GANG!

Zwei Worte, die schon ahnen lassen, wohin der Hase läuft: direkt hinein in ein Epizentrum des Philadelphia-Soul, Funk und Discosounds.

Mr. Robert „Kool“ Bell und seine drei Mitstreiter zeigen, warum ein Quartett ergrauter Alt-68er immer noch ganze Hundertschaften junger Chart-Schnösel in die Dancefloor-Tasche stecken kann.

Ja, bis ins gepriesene Zeitalter Ende der 60er Jahre zurück reicht inzwischen die Geschichte der Band, da waren die Hitparaden in den USA noch weitgehend weißgewaschen und die originäre Tanzmusik in Subkulturen abgedrängt. In diesem Milieu gründeten die Brüder Robert und Ronald Bell zusammen mit ihren Mitschülern George Brown, Claydes Smith und Dennis Thomas eine Jazzcombo namens Jazziacs. Sehr schnell aber schwangen sie sich auf den gerade startenden Soul-Funk-Zug und jammten mit einer wachsenden Fangemeinde quer durch die Ostküste. Erst spät, nach fünf Jahren und mehreren Umbesetzungen, erschien 1972 ihr ersten Album. Und obwohl diesem damals eher mäßiger Erfolg beschieden war, gilt es heute unter Fans als eines der besten Funk-Klassiker und feierte Jahrzehnte später als Sample in Dutzenden Hiphop-Produktionen von Cypress Hill bis zu den Beastie Boys ein Comeback.

Kool and the Gang ahnten davon damals noch nichts, pflegten dafür aber eher ihren Ruf als knackigste Liveband der beginnenden Disco-Ära. Sie konnten den chromblitzenden, aber gefühlsarmen Euro-Disco-Hits eines Giorgo Moroder oder Donna Summer das Sentiment des Philadelphia-Soul und eine große Portion Latin Fever entgegen setzen. Letzteres steuerte der Produzent bei, der die erfolgreichsten Alben von Kool and the Gang verantwortete: kein geringerer als Eumir Deodato, der frisch aus der damaligen Militärdiktatur emigrierte brasilianische Bossa-Nova-Papst, sorgte zu Beginn der 80er Jahre für unsterbliche Songs wie „Lady’s Night“ oder „Celebration“.

Das Ende des Funk- und Discozeitalters schien auch das Ende für Kool and the Gang zu werden (wie für so viele Kollegen auch). 1988 verließ Leadsänger James Taylor die Band und längeres Schweigen machte sich breit. Doch ganz unvermutet winkte aus einer neuen schwarzen Jugendbewegung Rettung: die ins Business drängende Hiphop-Community entdeckte die „alten“ Funk-Schinken neu und sampelte mit Vorliebe Kool and the Gang-Songs, weil sie eben so wunderbar funky zwischen schwarzem Soul und fetzigem Disco hin und her wechselten. So brachten Bands wie A Tribe Called Quest und De La Soul die Gebrüder Bell und ihre verbliebenen Mitstreiter wieder zurück ins lebendigste Show-Fahrwasser. Und in denen schwimmen sie bis heute höchst aktiv durch ungezählte Kooperationen, Jam-Sessions und Producertätigkeiten mit. Und sollte es noch eines weiteren Beweises der Umtriebigkeit der Kool-Gang bedürfen: im Frühjahr diesen Jahres gastierten sie in den USA bei mehreren Konzerten der frisch wiedervereinigten Hard-Rock-Legenden Van Halen. Klingt absurd, ist aber wohl schlicht und einfach: Kool.

”Fresh like a summer breeze” – besser kann man das gestrige ausverkaufte Konzert von Kool & The Gang nicht beschreiben.  Zur ersten durch und durch sommerlichen  KonzertArena  – Nacht lieferten die Jungs eine derart funkige und groovige Show, dass das Arenarund gänzlich zur traumhaft schönen Open-Air-Disco wurde.

Holger John

Fotos: Holger John / VIADATA

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